Schöpfungserhaltend leben:

Wertewandel und Einfachheit als Wegweiser

 

Wertewandel durch gelebte Einfachheit ist nicht nur gut für Erde, Gesundheit und Mitwelt, sondern schafft auch innere Zufriedenheit und Glücksgefühle, die einem spirituell strebenden Menschen sehr viel Kraft und positiven Halt vermitteln. Da das einen maßgeblichen Anteil unseres persönlichen Lebens ausmacht, präsentieren hier unsere vier Trägermitglieder ihre ganz persönliche Sicht auf alles, was ihrer Meinung nach zu diesem Thema gehört.

 

 

 

  

 

 

Ist Gott in Vergessenheit geraten?

 

Von Uta-Maria Freckmann ©

 

Angesichts des aktuellen Geschehens in der Welt stellt man sich die bange Frage, ob die Veränderung zum Guten wirklich vom Kollektiv gewollt ist, denn das Wissen um die Umweltgefahren ist ja durchaus gegeben, allein - es ändert sich kaum etwas.

Oder glauben die meisten Menschen nicht mehr an eine höhere Macht? Sind wir ein Volk von Atheisten, das nach der Maxime lebt: „Nach mir die Sintflut“? Meinen wir tatsächlich, dass nach uns nichts mehr kommt und dass kein Schöpfergeist existiert? Verhalten wir uns wie Lemminge, die in einer Main-Stream-Herde schnur-stracks auf den Abgrund zusteuern?

Wobei die Lemminge dies ja nur tun, um eine Überpopulation zu verhindern. Aber wer weiß? Vielleicht wohnt ja dem Menschen auch solch ein Selbstvernichtungs-Gen inne?

Zumindest ist beobachtbar, dass Viele in den Polaritäten schwanken, zwischen Rebellion auf der einen Seite und Gleichgültigkeit und Ignoranz auf der anderen Seite. Die Tendenz zur Rebellion ist vor allem bei den Jugendlichen zu sehen, was sehr schnell in Drogensucht und Selbstaufgabe führen kann. BEIDES sind keine Lösungen, denn beide Extreme bedienen das System und sorgen dafür, dass alles weiter wie bisher existieren kann und keine Veränderungen einsetzen.

Es muss ein Bewusstsein einsetzen für ein Leben in den zerstörerischen Polaritäten, die nur außer Kraft gesetzt werden können, wenn man positive Auswege und Lösungen findet. Das gilt sowohl für die Jugendlichen, die sich in ausweglosen Situationen wähnen und sich gegen die Gesellschaft auflehnen (siehe IS und alle anderen Extreme von links oder rechts), sowie für alle anderen, die eigentlich schon aufgegeben haben und lieber schreckliche Zustände ausblenden, sich passiv verhalten und an die Gegebenheiten angepasst haben.

Nur in der positiven Handhabung durch Veränderung und aktiven Einsatz findet man in die Mitte, die schließlich zur Erlösung führt. Erlösung geht einher mit Sinnsuche, die ein jeder Mensch irgendwann spürt, wenn ihm auch meistens nicht bewusst ist, dass die Sehnsucht nach seinem Schöpfer dahinter steht. Um in diesen heilenden Schöpferstrom zu gelangen und mit ihm durch aktives Mit-Schöpfersein auf einer Welle der Freude und Helligkeit zu schwimmen (denn das ist Liebe), braucht es lediglich den Einsatz in den ganz alltäglichen Dingen des Lebens und die Hinwendung zu Gott (egal mit welchem Ansatz und religiösem Hintergrund). Da ist lediglich Ehrlichkeit gefragt: Nicht allein Lippenbekenntnisse zu machen, dass man ein spirituell orientiertes Leben führen möchte, sondern aktiv für das Gute in der Welt einstehen will, jeder auf seine Art und in seinem Umfeld.

Sicherlich würde eine gewaltige Veränderung einsetzen, wenn bekannter wäre, welches Glücksgefühl das ehrliche Bemühen um den Schöpfungserhalt hervorruft! Es scheint tatsächlich ein Belohnungseffekt von der Erde auszugehen! Dieser erreicht alle Engagierten, die sich aktiv für Änderungen in der Welt einsetzen.

Wäre dieser Effekt bekannter, wären garantiert viel mehr Menschen bereit, zurück zur Einfachheit zu finden, oder sich auf ihre Wurzeln zu besinnen.

Wenn man an einen Schöpfer glaubt (oder an etwas Großes, das hinter der Schöpfung steht), dann ist es nur folgerichtig davon auszugehen, dass diese liebevolle Macht das Verhalten jedes Einzelnen registriert und positives Bemühen durchaus belohnt wird. Meiner Erfahrung nach kann man das spüren, je intensiver man sich für den Schöpfungserhalt, Ressourcenschonung, Müllvermeidung und Veränderung im Konsum einsetzt.

 

Einfachheit macht glücklich

 

Umweltgerechtes Verhalten und der Wille, die Welt aktiv zum Guten zu wandeln, gehört für mein Empfinden dazu, wenn man sich für ein spirituell orientiertes Leben entscheidet.

Je mehr man sich bemüht, umso mehr kann man Freude und Gottesnähe spüren und verschafft sich auf diese Weise auch noch jede Menge gutes Karma. Der Zeitgeist zeigt, dass man kein Vertrauen in vorhandene und überkommene Systeme haben darf (siehe aktuell der Klima-, Auto- oder Fipromileier-Skandal), sondern dass ein jeder aktiv selbst Veränderungen einleiten muss, damit er selbst zu dem wird, was er sich in der Welt wünscht. Die Lösung liegt in der Pflege und im Erhalt des Vorhandenen, alles mit Wertschätzung zu behandeln und sich in Dankbarkeit an den Schöpfer zu wenden für den Reichtum, der uns geschenkt wurde, denn darin liegt ein Schlüssel für unsere Herausforderungen.

Viele innovative Organisationen, wie Smarticular.net oder Utopia.de weisen einem den Weg. Wenn man die Bereitschaft hat neue/alte Rezepte auszuprobieren, kann man schon bald „Wunder“ erleben: Man braucht viel weniger Geld für den Lebenserhalt, das Essen schmeckt besser, Haut und Haare atmen auf und man fühlt sich zunehmend freier von den Zwängen des Konsums. Momentan wird man tatsächlich noch als Exot betrachtet, wenn man von seinen Bemühungen in diesem Bereich erzählt. Sogar im Bioladen werden die mitgebrachten Gemüsenetze bestaunt als außergewöhnlich, dabei ist es so einfach, sie immer dabei zu haben und Plastik, oder anderes Verpackungsmaterial, zu vermeiden. Man fragt sich zuweilen, ob die Mitmenschen den Ernst der Lage noch immer nicht verstehen. Dabei können kleine Veränderungen schon große Wirkungen hervorbringen! Jeder, der sich beteiligt, ist ein Teil dieser Bewegung und durch ihn kann sich alles zum Guten wenden.

Dazu fällt mir spontan ein Sinnspruch ein, den ich sehr treffend finde:

 

„Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich.

Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht.“

Albert Schweitzer

 

Was Albert Schweitzer hier beschreibt, trifft es auf den Punkt genau. Solange man nicht nach den inneren Werten und ethisch-schöpferischen Maßgaben lebt, wird man sich selbst nicht verändern und ein besserer Mensch werden können. Eigentlich logisch, denn wir wissen genau WIE es geht, scheinen aber vergessen zu haben, dass nur die Tat das gewünschte Ergebnis hervorbringt.

Leider sind nicht alle Bemühungen von Erfolg gekrönt, denn die Unverpackt-Läden zum Beispiel können sich mit ihrem Angebot nicht oder nur schwer halten und müssen teilweise wieder schließen. Dies könnte daran liegen, dass am Verbraucher vorbei gedacht wurde, denn wer mag sich schon den ganzen Tag mit Verpackungsmaterial in Form von Behältnissen belasten, wenn er nach der Arbeit nur mal kurz einkaufen möchte? Ganz sicher ist aber für mein Empfinden, dass keine Bemühung um den Erhalt der Erde jemals vergessen wird und alles einen gerechten Ausgleich erhält, denn die Idee der Unverpackt-Läden war anfangs mit viel Enthusiasmus begrüßt worden. Vielleicht wird es bald (wirklich nachhaltig) kompostierbares Plastik aus Recycling-Material geben? Möglich ist auch, dass die Idee mit dem Papierleder, oder den gepressten Palmblättern einen Quantensprung bei der Müllvermeidung mit sich bringt. Es gibt so viele neue Ideen, die uns aus dem Plastik-Dilemma befreien könnten, dass man neue Hoffnung schöpfen kann.

Bis dahin kann jeder das Seine dazu beitragen, um die Erde zu entlasten.

Sehr aufbauend ist für mich die Erkenntnis, dass man mit einfachen Mitteln sehr viel erreichen kann, um wieder im Einklang mit der Erde zu leben und seine eigene Lebensqualität zu steigern. Diese Welt als lebendiges, wertvolles Wesen zu sehen, das uns erlaubt hat auf ihr und von ihr zu leben, sich auf ihre Weisheit und natürlichen Kreisläufe zu besinnen, die nicht zerstörend wirken, sondern regenerierend und zirkulierend, ist ein weiteres Ziel. Das Internet ist mittlerweile voll von vielen hilfreichen Ideen kleiner Start- Ups und bemühter Einzelpersonen, die vorweg gegangen sind und uns an ihren Erfahrungen teilhaben lassen. Das Ziel ist, zurück zu ethisch/humanen Verhaltensweisen zu finden, zur Ehre unseres Schöpfers, der uns diese Welt geschenkt hat, damit wir sie veredeln und uns daran erfreuen können.

Eins habe ich mittlerweile erfahren, weshalb ich besser mit schicksalhaften Ereignissen umgehen gelernt habe: Nichts, kein Bemühen um diese Welt, wird jemals vergessen und alles wird am Ende großzügig entlohnt werden. Das heißt auch - alles Unrecht, was in der Welt geschieht, wird irgendwann einen gerechten Ausgleich erfahren.

 

 

Uta-Maria Freckman ist langjähriges Trägermitglied bei uns

und hat neben vielen Aufgaben in ihrer Praxis für Psychotherapie auch

das Projekt „Lebensquell-Duderstadt“ ins Leben gerufen, 

in welchem sie diese Ansätze nachhaltig verwirklicht.

 

 

 

 

 

 

 

Das Glück des einfachen Lebens

 

Von Manuela Schindler ©

 

Es war pure Freude und reines Glück, als der letzte und intensivste äußerliche Wandlungsschub einsetzte.

Die gesamte Küche wurde neu organisiert, neue Einkaufsstrategien entwickelt und vor allem die Ernährung noch einmal gründlich umgestellt. Nicht das erste Mal in meinem Leben, aber wohl jetzt das letzte Mal.

Die singende Freude, die immer wieder einsetzte, während wirklich alles (!) gründlich umgearbeitet und vereinfacht wurde, war mir bei einer solchen Arbeit neu! Zumal ich schon mehrere große Umstellungen in meinem Leben erlebt und umgesetzt hatte, denn es gab immer wieder Verbesserungen und vor allem Verfeinerungen, die eingebaut werden wollten. Doch diesen intensiven freudigen Antrieb kannte ich nicht im Zusammenhang mit rein materiellen Angelegenheiten, zumal so dafür gesorgt wurde, dass innerhalb kürzester Zeit alles umgesetzt war, was sonst vielleicht deutlich mehr Zeit benötigt hätte.

Es war offensichtlich für mich: Einfachheit macht glücklich, die Vereinfachung und Umstellung des Lebens wird neuerdings belohnt durch Glückshormone!

Der Verzicht auf geliebte kleine „Sünden“ ging fast von allein und ohne Widerstand, und als ich dann fertig war und ein komplett neues Konsum- und Lebenskonzept hatte, war ich beinahe traurig, dass nun die alltägliche Routine einsetzen würde und man sich zwar erfreute an der deutlich schöpfungsfreundlicheren und beinahe mülllosen Lebensweise, aber das Abenteuer der Umstellung, Suche und des Ausprobierens vorerst beendet war.

Wenn man sich die verheerende Weltlage anschaut, tröstet es, dass im „Untergrund“ eine große Bewegung der Weltverbesserer emsig tätig ist, die von der öffentlichen Gesellschaft gar nicht richtig wahrgenommen wird, und die sich hoffentlich im Laufe der Zeit durch ihre „stille und konstruktive Rebellion“ durchsetzen wird.

Dass ausgerechnet das Internet dazu beiträgt, diese Bewegung zu nähren, wirklich gute Ideen blitzschnell zu verbreiten und Erfahrungsberichte auszutauschen, damit nicht jeder denselben Fehler machen muss, ist in meinen Augen ein sehr guter Ausgleich für all die negativen Internetgeschichten. Ohne Internet wäre diese stille und friedliche Rebellion in dieser Größenordnung und in diesem Tempo gar nicht möglich, denn wenn man sich in  Buchläden und innerhalb der herkömmlichen Zeitungen und Zeitschriften umsieht, ist nichts oder nur sehr wenig davon zu finden. Die Nachrichten im Fernsehen bleiben sich ebenfalls treu und berichten wie gewohnt meistens von schlimmen Dingen, unter Weglassung der wirklich wichtigen Errungenschaften, die eigentlich ebensolche Aufmerksamkeit verdient hätten.

Man muss also bewusst und gezielt im Netz schauen, wo man die Ideenträger findet und dann die diversen Communities intensiv über einen längeren Zeitraum begleiten.

Wer meint, dass man dort nur kauzige Menschen finden wird, hat zutiefst Unrecht! Sicherlich gibt es hier und da extreme Auswüchse, doch sind in der Regel alle Bestrebungen eher sehr normal und bodenständig, haben oft mit Spiritualität oder einer besonders religiösen Lebensweise gar nichts im Sinn, sondern sind einfach nur herrlich normal in ihrem Bemühen, nicht mehr als Parasit die Erde auszubeuten.

Bemüht auch darum, die Erde zu schützen als Lebensraum, und zwar auch und vor allem für ihre Kinder!

Warum jemand das letztlich tut, ob spirituelle und respektvolle Ansichten Gott gegenüber den tragenden Boden bilden oder einfach nur der Wunsch nach einem gesicherten Fortleben der eigenen Nachkommen die Richtung vorgibt, ist mir persönlich nicht so wichtig. Man spricht halt in diesen Kreisen nicht darüber, sondern überlässt es jedem selbst, woran er glauben will und woran nicht.

Jedenfalls steckt der Erfindergeist der Welt-Mitschöpfer sehr an, und man fragt sich manchmal, warum man selbst nicht schon vorher auf diese teilweise sehr einfachen Ideen gekommen ist.

Aber als Kind dieser Gesellschaft darf man die Prägungen, die man in jungen Jahren mitbekommen hat, definitiv nicht unterschätzen, ebenso muss man dem gesellschaftlichen Druck eine gewisse Macht zuerkennen, die nicht unerheblich ist und die großen Einfluss ausübt!

Nur durch zunehmende Bewusstwerdung ist man mehr und mehr in der Lage, die Manipulationen zu erkennen, die sehr stark über das Unterbewusstsein einwirken und von dort aus lenken. Wer keine Zeit dafür hat, sein eigenes Unterbewusstsein zu erforschen oder gesellschaftliche Vorgaben ernsthaft zu hinterfragen und auf den Prüfstand zu stellen, wird - das ist leider so - immer ein hilfloses Werkzeug der Konsumgiganten und Meinungsmacher bleiben, auch wenn man selbst vielleicht glaubt, ganz besonders und individuell zu sein.

Ich freue mich jedenfalls sehr über diese stille Bewegung der Weltverbesserer und werde sie tatkräftig unterstützen, auch und vor allem durch mein eigenes Handeln.

 

Wie hoch wird der Preis sein?

 

Als ich vor einigen Tagen den Lavendel schnitt, weil ich aus den Blüten Duftöl machen wollte, fielen mir fünf tote Bienen entgegen. Das hatte ich noch nie zuvor erlebt! Zeitgleich waren die Vögel wie ausgestorben, es gab tagelang noch nicht einmal einen Pieps, was mich ebenfalls sehr traurig machte, denn ich liebe den Gesang der Vögel, vor allem am frühen Morgen und gegen Abend. Als das plötzlich ausblieb, war es zutiefst erschreckend und verdeutlichte mir, dass eine schwierige Zeit anbricht, die wir so eigentlich nie erleben wollten, die aber über viele Jahrhunderte hinweg warnend angekündigt worden ist.

Schaue ich in die Umwelt und sehe auf das blinde Verhalten der Konsumenten, die überhaupt nicht bereit sind, ihre Gewohnheiten zu verändern, und wenn nach wie vor das Geld darüber bestimmt, was richtig ist und was geduldet werden muss, dann bleibt uns keine andere Wahl, als diesen hohen Preis, den wir wohl als Kollektiv zahlen müssen, zu akzeptieren. Ich würde mir wünschen, dass gerade spirituelle Menschen konsequenter den Wertewandel vollziehen würden und dem lauten inneren Ruf nach mehr Einfachheit folgen wollten, und zwar kompromisslos!

Wer glaubt, Komfort zu verlieren, der irrt gewaltig! Die Freiheit von der manipulativen Konsum- und Vergnügungsgesellschaft schafft neue innere Räume von Freude und Sinn, die einem spirituellen Menschen Wege eröffnen, von denen er - sofern er in der Welt lebt und nicht abgeschlossen in einem Kloster oder in einer Einöde - nichts wissen konnte!

Meine Erfahrungen haben mir gezeigt, dass man sich schneller befriedigt fühlt, wenn man gut und nachhaltig lebt, dass man weniger braucht und verbraucht, und vor allem, dass man endlich einmal zufrieden ist mit dem Leben und dem, was man hat, solange man nicht in die Welt hinausschaut auf das, was die anderen Menschen tun.

Als spiritueller Mensch wird man wohl lernen müssen, zu akzeptieren, ohne es gutzuheißen, hinzunehmen, ohne in lebensverneinende Passivität zu verfallen, und trotzdem das zu tun, was man sich eigentlich auch von den anderen Menschen erhofft. Denn dass letztlich alles eine Chance ist zur Reifung der Menschheit und zur Entwicklung hin in eine größere geistige Tiefe, ist mir natürlich bewusst.

Mit diesem Bewusstsein tut man dann letztlich alles Gott zuliebe, und aus Respekt vor seiner Schöpfung!

 

 

Manuela Schindler ist Gründerin und Leiterin von Phoenix-Netzwerk

und neben vielen anderen administrativen Aufgaben

auch zuständig für  kontinuierliche Vertiefung unserer Spiritualität.

 

 

 

 

 

 

 

Einfachheit führt zu Normalität

 

Von Heidemarie Meidlein ©

 

In einer Zeit, wo es nichts gab, war Einfachheit ganz normaler Alltag und  nichts Besonderes.

Niemand bekam deswegen eine Plakette umgehängt, da diese schwierige Lebensbedingung viele Menschen gleichermaßen betraf. Ausnahmen von der Norm gab es und gibt es unverändert bis heute.

Aber jetzt ist die Welt im Wandel begriffen, um die ungerechte Verteilung der Ressourcen aufzulösen und gerechter, zum Wohle aller, zu verteilen. Dieser Wandel zeigt sich in allen Bereichen, in denen Verantwortung für zukünftige Generationen übernommen wird. Dank des Internets, sowie auch in persönlichen Begegnungen, trifft man auf  Menschen, die sich in den unterschiedlichsten Bereichen engagieren.

Sie gründen Foren für die Umwelt und alternative Entwicklung, Wirtschaft, Nahrung und erneuerbare  Energien, für Aktionen gegen Menschenrechtsverletzungen, um Hilfe zur Selbsthilfe zu fördern, Handel zur Unterstützung und zum Aufbau regionaler Märkte anzuregen, für Gesundheitsfürsorge, Verleihung von Mikrokrediten, gründen Unternehmungen für globale Notfall- und Hilfe wie Oxfam und Plan International. Und so könnte man voller Freude über diese globale Entwicklung seitenlang weitere Initiativen aufzählen.

Interessant ist, dass auch im Bankwesen, wie z.B. durch die GLS Bank, alternative Wege eingeschlagen werden, um Gelder transparent und ganzheitlich, im Sinne von Nachhaltigkeit zu verwalten. Wirtschaftlicher Aufstieg versus Ausstieg zur Einfachheit.

Nach jedem Zerstörungszyklus, z.B. Krieg, erfolgt naturgemäß ein Wiederaufbau. Der Slogan dafür lautet: "Arbeit macht das Leben süß...", und mit dieser Illusion schickt man Menschen in das „Hamsterrad“ der Arbeit, ohne einen Bremsknopf zu installieren. Vor ihrer Nase baumelt eine Wurzel namens „Das süße Leben“, worüber, ganz zeitgemäß, 1960 ein italienischer Film von Fellini gedreht wurde, der dieser Illusion ein Gesicht verlieh. So war und ist der Mensch eingesperrt in ein ausbeuterisches System und ein Gefangener seiner selbst.

Diese Erkenntnis zu erlangen kostet mitunter viele Lebensjahre und körperliche sowie seelische Schmerzen, ist aber ein fairer Preis für die Befreiung aus unerbittlichen Verstrickungen und Verbindlichkeiten, die den Weg zurück in ein selbstbestimmtes, einfaches und schöpferisches Leben versperrt halten.

 

Nichts ist umsonst

 

Das Leben ganzheitlich und in größeren Zusammenhängen zu betrachten, hat einen enormen Vorteil, nämlich den der Sinnhaftigkeit, die letztendlich in allen Ereignissen und „Schicksalsschlägen“, im Großen wie im Kleinen, verborgen liegt und darauf wartet, wiederentdeckt zu werden. 

Meiner Erfahrung nach geht es immer um eine Lernaufgabe, im Einzelfall sowie im Kollektiv, die zu bearbeiten oder eventuell zu wiederholen ist. Hat man diese Aufgabe gelöst, darf man, vergleichbar mit einer irdischen Schule, eine Klasse aufrücken und das nächste Thema anstreben. Bei diesem „Aufrücken“ handelt es sich um eine Entwicklungsstufe, die den ganzen Menschen betrifft, und nicht nur ein Lernthema.

Um nicht auf das nächste Hamsterrad zu springen, jetzt vielleicht freiwillig, kann es hilfreich sein, sich mit den Grundsatzfragen, des „Mensch seins“ auseinander zu setzen: Wer bin ich? Warum bin ich hier? Wo gehe ich hin? Parallel dazu, der Aufforderung des Orakel von Delphi zu folgen:“ Mensch erkenne dich selbst“. Der Lohn dieser Anstrengung ist Selbsterkenntnis und Selbstbestimmung, die weiterer Fremdbestimmung und Manipulation entgegen wirken.

Ist Gott in Vergessenheit geraten? Für mich stellt sich diese Frage nicht! Immer wenn der Mensch oder die Erde in Not sind und wir um Hilfe bitten, zeigt Gott seine Gnade durch Präsenz. Meine Erfahrung ist, wenn einem Menschen etwas Existenzielles zum Überleben fehlt, tritt Gott hinzu, ohne dass es in diesem Moment ein bewusstes Erlebnis ist.

Oft erkennt man erst im Nachhinein durch zunehmende Bewusstwerdung, dass man immer unter seinem Schutz und seiner Führung stand und somit verhindert wurde, einen falschen Weg einzuschlagen.

So entspricht das meinem Grundbedürfnis, wenn mir etwas Gutes widerfährt, einen Ausgleich dafür zu erschaffen.

Gottesdienst im Alltagsleben bedeutet, wo mir Unrecht begegnet, Stellung zu beziehen, und wenn ich im Überfluss, finanziell oder ideell, lebe, dass  ich abgebe an Menschen, die in Not sind.

Das ist mein roter Lebensfaden, im beruflichen sowie im sozialen Leben, lange bevor die Themen aktuell wurden, dem ich mein Leben lang und auch weiterhin folgen werde. Einfach aus Liebe und Treue zu Gott und seiner Schöpfung.

 

„Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“. 

Apostelgeschichte 5.29

 

„Arbeit macht das Leben süß. Mach es nie zur Last.

Der nur hat Bekümmernis,

der die Arbeit hasst.“ 

Gottlob W. Burmann 1737-1805 Dichter und Schriftsteller.

 

 

 

Heidemarie Meidlein ist langjähriges Mitglied

und Trägermitglied bei uns.

Sie unterstützt unsere Arbeit tatkräftig dort,

wo Einsatz und Hilfe vonnöten sind.

 

 

 

 

 

 

 

Wertewandel bedeutet freieres Leben

 

Von Martina Struckhoff ©

 

Spätestens jetzt, nach Zunahme von Klimakatastrophen und dem Elend in der Welt, müsste sich eigentlich jeder Mensch fragen, ob nicht irgendetwas falsch läuft?

Was bedeutet der Wertewandel, für jeden Einzelnen oder für die ganze Menschheit? Welche Ziele werden heute noch verfolgt und wertgeschätzt? Diese und viele Fragen mehr beschäftigen mich, denn mir fiel besonders in den letzten Jahren auf, dass Werte mehr und mehr verfallen.

Innerhalb meines Praxisbetriebes konnte ich das schon länger, zunächst an kleinen Dingen, beobachten, zum Beispiel dass meine Basis-Creme nicht mehr - wie jahrelang zuvor - in einem Glastiegel verkauft wurde, sondern neuerdings nur  noch  in einer Plastikdose. Das war insofern schade, da mir der Inhalt gerade dieser Creme sehr gut gefiel!

Da man mit reinen Naturprodukten und hochwertigen Inhalten warb, sowie auch von strengen Kriterien ausging, die Tierquälerei ausschloss, irritierte mich diese Gegensätzlichkeit sehr.

Zumal man ja inzwischen von der Schädlichkeit der Plastikprodukte und ihren verheerenden Wirkungen in der Umwelt wusste!

Ich spüre ganz deutlich den Werteverfall und den Verlust von etwas Bewährtem. Meine Patienten scheinen das allerdings nicht zu bemerken.

Auch andere Firmen veränderten ihre Produkte, leider nicht zum Vorteil.

Zunehmend spürte ich die Abhängigkeiten, in die ich eingebunden war, was das Arbeitssortiment anbelangte. So war es für mich schließlich an der Zeit, meine Praxis neu zu organisieren.

Zunächst war es äußerst schwierig, alternative Firmen zu finden, die weiterhin den alten Werten treu blieben. Und natürlich hat man gerade, wenn man im Gesundheitswesen arbeitet und für Menschen verantwortlich ist, bestimmte Hygieneregeln zu erfüllen.

Trotzdem kann man aber an vielen Stellen anders handeln und z.B. Plastikkonsum deutlich reduzieren, zumal Plastik sogar in manchen Cremes enthalten ist und sich schädigend auf die Gesundheit auswirken kann. Leider hat längst noch nicht jeder Interesse daran, Müll und diese nachweislich schädlichen Zutaten in verschiedensten Produkten zu vermeiden. Leider! Denn das sollte man aber!

Dass Müllvermeidung der Gesundheit und der Umwelt dient, wurde mir bewusst, als ich von einer mysteriösen Hauterkrankung hörte, bei welcher Metall und Plastik aus der Haut wächst (Morgellons). Denn das war wohl im Gegenzug zu den belohnenden Elementen, wenn man sich für Müllvermeidung einsetzte, die Konsequenz für die Müllanhäufung.

 

Werte wiederentdecken

 

Gerade das Einfache ist wertvoll und manchmal braucht es nur einen Impuls. Inspirierend ist es, dass es schon viele Menschen gibt, die sich für den Erhalt der Schöpfung einsetzen. Und es können mehr werden, denn wenn ein Glied einer Kette anfängt zu schwingen, kommt übergreifende Bewegung zustande. Das erlebte ich selbst, als  ich  das Buch von Smarticular „Fünf Hausmittel ersetzen eine Drogerie“ kaufte und in meine Praxis legte, und so meinen Patienten Altes, Gutes und Bewährtes wieder ins Gedächtnis gebracht wurde.

Überwiegend wurden diese Tipps begrüßt und man war dankbar, wollte mehr wissen und viele Gespräche entstanden daraus. Diese Patienten wollten sogar das Buch kaufen oder machten sich emsig Notizen.

Ich freute mich sehr darüber und wurde in meinem Tun bestärkt. Zusätzlich bekam ich immer mehr Ideen zur Vereinfachung,  wie ich die bisher gekauften Produkte ersetzen könnte. Auch in der Küche änderte sich einiges und eine neue Ordnung entstand, wie zum Beispiel in der Aufbewahrung von Lebensmitteln.

Ein Ruck ging durch mein Leben, denn die Umstellung war keine Qual, sondern eine große Bereicherung.

Das Herstellen von Cremes und Ölen, und das zu nutzen, was im Garten wächst, förderte die Kreativität, machte großen Spaß und unterstützte ganz nebenbei die Selbstfindung.

Ich gab dann übrigens die Cremerezepte an meine Patienten weiter, sofern es erwünscht war.

Allerdings hatte der ganze Vorgang auch zur Folge, dass ich sensibilisiert wurde und nun immer deutlicher wahrnahm, wie schlimm die Erde bereits ausgebeutet war und immer noch wurde.

Vor einer Auseinandersetzung damit konnte ich mich nun nicht mehr drücken.

Im Buch „Frei werden“ von Gabriele Ziegler wird der  Mönch Johannes Cassian zitiert, der in  seinen Schriften  zum Ausdruck bringt,  dass man sich selbst noch in fehlerhaften Gewohnheiten sicher fühlt und Halt findet. Das  gibt man nun Mal ungern auf.

 

Befreiung der weiblichen Kraft

 

Wie oft wartet man darauf, dass irgend etwas passiert, sich andere Menschen oder die Welt als Ganzes von alleine ändern? Wie wenig wiederum ist man für sich selbst, für Wahres, für echte werthaltige Ziele überhaupt eingetreten? 

Zum Schöpfungserhalt gehört auch die Befreiung der weiblichen Kraft! 

Doch sollten Familienbande mit ihren Pflichten, Einflüssen  und Forderungen keinesfalls unterschätzt werden.

Ein Wandlungsimpuls, den man aufgreift und konsequent umsetzt, regt immer auch gleichzeitig Befreiung an, und hat man sich für einen spirituellen Weg entschieden, muss man ohnehin das Loslassen lernen. Besonders emotionale Bindungen können zum Hüter der Schwelle werden, einen regelrecht festhalten und Entwicklung verhindern, und werden in ihren Auswirkungen oft nicht erkannt oder unterschätzt. Das trifft übrigens auf Alleinlebende ebenso zu, denn es bedeutet  nicht automatisch, dass man deshalb ungebunden ist.

Um Gott näher zu kommen und seine Schöpfung zu schützen, fängt man in der Regel an, Beziehungen zu sich, zur Umgebung und Gott zu klären. Ansonsten kann man sich kaum verändern und bleibt sowohl in seinen Pflichten als auch Gefühlen verstrickt. Und somit hat Befreiung auch Konsequenzen.

Die eigene Wertschätzung muss wachsen oder es gilt,  sie wieder aufzubauen und seiner Seele den nötigen Raum für weitere Entwicklung zu geben. Es reicht weder eine hübsche Verpackung noch ein besonderer Inhalt, wenn die Ausrichtung und das Ziel nicht übereinstimmen mit den Interessen der Seele.

Interessant finde ich, dass Angelika Aliti (Autorin von „Die wilde Frau: Rückkehr zu den Quellen weiblicher Macht und Energie“) die verlorene Weiblichkeit mit einer leeren hübschen Verpackung vergleicht, die sich selbst entwertet und ihre Lebensenergie dazu braucht, sich abzulehnen. 

Dass so Seelen verstümmelt werden, kann ich bestätigen, denn gerade Frauen neigen eher zur Duldsamkeit und verharren in schmerzhaften Situationen. 

Verantwortlich ist man nicht nur für das, was man tut, sondern auch für das, was man nicht tut, sagte schon Laotse.

Die weibliche Kraft zu befreien, bedeutet als Frau, zu sich selbst zu finden.

Dieser Weg führt weg von der Konsumgesellschaft und ihren Manipulationen durch Meinungsmache, Mode und aufoktroyierte Schönheitsideale bis hin zum Schlankheitswahn.

Er führt weg von der Verantwortungslosigkeit, indem man die Macht abgibt an den Handel und an Institutionen, deren Werte sich nur um Geld und Ansehen drehen, um Zugehörigkeiten und schnellen großen Gewinn.

Da Vieles uns normal scheint, stolpert man noch nicht mal mehr darüber, sondern erklärt recht schnell, dass es eben nicht anders ginge! Das ist aber falsch, denn man beraubt sich damit selber seiner Kräfte und seiner Macht, die Welt und das Leben auf ihr verantwortungsvoll mitzugestalten.

Nur wenn man sich den aufkeimenden Wahrheiten kompromisslos stellt, kann man Entfremdung von sich selbst, und Entwertungen im eigenen Leben und im Umgang mit der Umwelt, aufheben.

Hat man das getan, hilft man nicht nur sich selbst, sondern auch anderen und der Welt.

 

Wenn ich loslasse, was ich bin,

werde ich, was ich sein könnte.

Wenn ich loslasse,

was ich habe, bekomme ich,

was ich brauche.

Lao Tse

Chinesischer Philosoph, 6 Jh. v. Chr.

 

 

 

Martina Struckhoff,

Trägermitglied und Mitarbeiterin im Phoenix-Haus,

ist interne Seelsorgerin und zuständig für die

Mitgliedersprechstunden und das Tutoring für die Studenten.