Phoenix-Regeln

 von Manuela Schindler (C) Sept. 2016

 

 

Doch durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und sein gnädiges Handeln an mir ist nicht ohne Wirkung geblieben. Mehr als sie alle habe ich mich abgemüht – nicht ich, sondern die Gnade Gottes zusammen mit mir. 1 Kor 15,10

 

 

Einleitung

 

Nachfolgend zur Einleitung finden Sie die Regeln, an denen sich unsere Trägermitglieder seit einigen Jahren erproben.

Sie basieren weitestgehend auf traditionellen Regeln religiöser Orden und spiritueller Gemeinschaften, ergänzt durch unsere persönlichen Erfahrungen im Umgang damit und den daraus resultierenden Anpassungen.

 

Sie sind somit entstanden aus Erprobung, Erfahrung und dem Wissen, dass sie absolut wirksam und hilfreich sind dabei, durch die schwierigsten Phasen des spirituellen Weges zu führen, ohne dass man dabei innerlich verloren gehen oder durch äußere Umstände zur Untreue gezwungen werden kann, weder im Geiste noch körperlich. Sie bieten Halt und Orientierung, und verhindern Fehlentscheidungen oder übermäßige emotionale Anspannungen, welche die Seele schwächen und entmutigen könnten. Sie verhelfen im Laufe der Jahre durch das Erleben ihrer Wirksamkeit zu einer natürlichen Demut, die Fortschritt fördert und der Erlösung dient oder zumindest der Annäherung an GOTT durch das Höhere Selbst (GOTT in uns).

 

Allerdings erschaffen diese Regeln kein Leben, wie viele es sich wünschen, wenn sie diesen Weg antreten: fortan frei von Problemen zu sein, alles Gott (und dem Höheren Selbst) zur Erledigung übergeben zu können ohne die Notwendigkeit der eigenen kritischen Selbstprüfung, Bemühung und Reflektion, und um vor allem Schicksalsschläge zu vermeiden. Dennoch beinhalten sie eine Schutzfunktion, so ganz ausgeschlossen ist dieser Faktor also nicht, denn sie sind durchaus darauf angelegt, böse Folgewirkungen eigener Handlungen auszuschließen und dadurch die Erschaffung neuer Schuld, die irgendwann wieder getilgt werden muss, zu vermeiden. Außerdem geben sie eine wertvolle Stütze in Zeiten, wo man aufgrund schwieriger Umstände nicht wirklich weiß, was richtig ist. Sie tragen einen durch instabile und gefährliche Zeiten der inneren Umbrüche und können verhindern, dass man bösen Einflüsterungen unterliegt.

 

Sie erschaffen im Laufe der Jahre eine Kraft in uns, die uns neu formt und zu einer klareren und einfacheren Lebensform finden lässt, die viele Probleme, mit welchen sich die heutige Gesellschaft plagen muss, zurücklassen wird. Doch ist die beständige Auseinandersetzung mit ihnen ein tägliches Muss, denn der Mensch von heute hat viele wichtige Lebensgesetze vergessen durch die Ausrichtung auf die Materie und die vermeintliche Realität.

 

Man wird nicht immer schaffen, alles einzuhalten, jedenfalls in den ersten Jahren nicht. Es wird innere Rebellion gegen diese Regeln geben, wenn schwierige karmische Situationen einfach nicht bemeistert werden wollen, oder man uneinsichtig ist gegenüber alter Schuld und der erforderlichen Wiedergutmachung. Auch die beständige Begegnung mit dem "Hüter der Schwelle", der alles in uns prüft, unsere positiven Ansätze in Zweifel zieht und uns zum Sturz bringen will, gehört zu einem spirituellen Leben, welches größere Gottesnähe sucht und ein reines Leben in gottgefälligem Sinne anstrebt. Diese Prüfungen gehören mit zu den schwersten, die ein Mensch durchlaufen muss auf dem Weg der Befreiung und Erlösung, und nur die feste Anbindung an diese oder ähnliche Regeln kann helfen, unbeschadet und sehr gereift, mit neuer Kraft und größerer innerer Festigkeit ausgerüstet, daraus hervorzugehen.

 

Wir haben diese Regeln viele Jahre lang intern konsequent erprobt und ihre Wirkungen erfahren. Wir mussten aber auch eingestehen, dass ein Mensch sehr schwierig sein kann und durchaus über allerlei Tricks verfügt, diese Regeln mit guten Argumenten zu umgehen oder umzubiegen, bis es zur eigenen Einstellung passt.

 

Trotzdem lohnt es sich, sich diesen Regeln - so wie sie wirklich gemeint sind - beständig anzunähern, denn sie werden in allen Religionen und spirituellen Traditionen von alters her als hohe Werte bezeichnet, also nicht nur von uns. Daher sind all die spirituellen Gebote und Vorgaben sämtlicher Religionen und spirituellen Traditionen, die GOTT als Wegbegleiter und Ziel haben, für uns wichtig und müssen selbstverständlich den nachfolgend genannten Regeln hinzugefügt werden!

 

Die Reinheitsgebote bieten eine Grundlage, an der man sich orientieren kann, wo man steht und was gerade wichtig ist. Daher empfehle ich, sie entweder vorab, oder nach dem Lesen unserer Regeln, zu lesen.

 

Es liegt in der Natur des Menschen, dass Regeln aufgrund von emotionalen Schwankungen nicht beachtet oder in bestimmten Situationen einfach vergessen werden. Daher empfiehlt sich die Tradition der Klöster, täglich in den Regeln zu lesen, seien es diese oder die von bestehenden Klostergemeinschaften.

 

 

Unsere Regeln

 

1. Alles was geschieht, jedes Ereignis, jede Herausforderung oder Aufgabe wird präsentiert, weil es Gottes Wille ist.

Wir sollten es als Geschenk und Hilfe verstehen, um daran zu reifen und spirituelle Attribute (und ein konsequent gelebtes ethisches Bewusstsein) zu entfalten, die ohne diese verkümmern oder unentwickelt bleiben, oder uns in materieller /karmischer Gefangenschaft halten würden. Nur durch beständige Herausforderung entwickelt sich eine innere und tragfähige Ethik, die wirklich echt ist und nicht nach Bedarf ausgetauscht oder den persönlichen Zielen untergeordnet werden kann.

 

A. Vorausgesetzt, man ist nicht entgegen einer inneren Warnung, aus Leichtsinn oder Dummheit, in schwierige Situationen geraten. Aber selbst dann kann man durch Einsicht und dem Vertrauen darauf, dass man es dann genauso brauchte, um zu erwachen und zu einer größeren Reifung gelangen zu können, mit dem 1. Grundsatz verbinden. Wichtig ist aber vorher die Einsicht, dass man in diesem Falle nicht gehört hat und die schwierige Situation hätte vermeiden können. Der Weg der Erkenntnis folgt immer, wenn man die Gnade der inneren Warnung nicht annehmen wollte oder konnte. Die Verantwortung muss man in diesem Falle ganz alleine übernehmen, man wird aber innerlich nicht allein gelassen bei der Lösung des Problems, wenn man die eigene Verantwortung erkannt hat!

 

B. Lässigkeit, Nachlässigkeit und Unzuverlässigkeit wären ebenfalls Fallaspekte, die man sich nicht erlauben sollte! Die Lektionen, die daraus erwachsen, kann man nur durch Gründlichkeit, Achtsamkeit und Ernsthaftigkeit, bzw. einer täglichen verbindlichen Weihung verhindern. Auch in einem solchen Fall gilt die Verantwortungsübernahme, um dann gemeinsam mit göttlicher Hilfe aus schwierigen Situationen herausgeführt werden zu können.

 

 

2. Nur Gott allein genügt!

 

Alles andere kann und wird uns nicht dauerhaft befriedigen können, sondern einen beständigen Hunger nach 'noch mehr' und Zerstreuung fördern!

Die Unmittelbarkeit Gottes im Leben zu erfahren ist ein wichtiges Ziel im Leben; seine Gegenwart und seine Hilfe in jedem Augenblick zu vergegenwärtigen ist ein Segen und führt in ein immer engeres Verhältnis zu ihm. Rituale und komplizierte Techniken braucht er nicht, haben auch nichts mit ihm direkt zu tun, sondern gehören der Schöpfung an und sind vor allem für den Menschen selbst hilfreich.

Das betrifft auch die vielen Techniken und Rituale der Esoterik, die zwar, wenn sie mit Gott verbunden sind, innerhalb der Schöpfung etwas bewirken, die aber ohne Gott zum Fluch des Einzelnen werden können. Man braucht auch nicht Wesen, Mächte, Götter, Engel, Meister und Geister, um zu einem Kontakt mit ihm zu gelangen! Im Gegenteil ist die übermäßige Beschäftigung mit Mittlern (formhaften Wesen) aus der Schöpfung eher ablenkend und gegebenenfalls sogar eine böse Falle.

 

 

3. Treue, Standhalte- und Durchhaltevermögen, Ehrlichkeit und Dauerhaftigkeit

 

sind Werte, die einen beständigen und gesicherten Fortschritt auf dem spirituellen Weg ermöglichen. Selbst in schwierigen Phasen sollte man nicht leichtfertig die Verantwortung abgeben und Schuldige suchen an der eigenen Situation. Die Einkehr in sich selbst und das innere Gespräch mit GOTT (Gott in uns, dem Höheren Selbst) zu suchen, um Erklärungen oder Lösungen zu finden, ist die einzige Methode, die wirklich hilft. Wer vorschnell seine Ziele aufgibt, Bemühungen einstellt oder abbricht, sich zu schnell verängstigen oder einschüchtern lässt, wer leicht resigniert oder wankelmütig seine eigenen Entscheidungen immer wieder hinterfragt und so zu keiner eindeutigen Haltung findet, wer sich der Traurigkeit und Depression hingibt ohne sich zu wehren, begibt sich aus spiritueller Sicht in Gefahr, abzuirren oder sich in Beliebigkeit zu verlieren. Außerdem wird man so zur leichten Beute für die Gegenkraft, die nichts lieber hat, als Seelen durcheinanderzubringen, sie zu verwirren und zu verführen zur Untreue den eigenen Zielen gegenüber, bis hin zum Gelöbnisbruch.

 

 

4. Die edlen Gebote der Bibel und aller anderen Weisheitsbücher sind die Grundlage eines spirituell geführten Alltagslebens.

 

Ohne diese verliert man schnell den Halt, wenn man mit Versuchungen oder gar der Gegenkraft selbst konfrontiert wird. Leider ist die Gegenkraft ein uraltes Prinzip auf einer Welt, die gern die Seelen behalten und nicht an Gott herausgeben möchte.

Schon die alten Gnostiker wussten, dass der spirituelle Weg der Befreiung auch durch die Zonen führt, in welchen dämonische Kräfte versuchen, die Seele einzuschüchtern und in den „Pferch des weltlichen Lebens“ zurückzutreiben. Ignatius von Loyola, Teresa von Avila, die Wüstenväter und viele andere heilige Menschen berichten davon, und die Gründerin von Phoenix kann auch durch eigene Erfahrungen bestätigen, dass es so ist. Nur die bedingungslose Einhaltung der Gebote und dieser spirituellen Weisungen kann verhindern, dass man durch Dämonie und auftauchende eigene Verschattungen ins Verderben geführt werden kann.

Die Regeln von der Enthaltung des Tötens, des Schädigens, des Lügens und Betrügens sind ja hinlänglich bekannt. Dass man das noch ausdehnen kann dahingehend, dass die eigene Lebensweise weder für Mensch noch Welt schädlich ist, versteht sich.

 

 

5. Wichtig ist zu wissen, dass man alles andere als vollkommen ist, und aus nur eigener Kraft auch niemals sein wird!

 

Die Entwicklung der seelischen Vollkommenheit geschieht allein durch die Gottesnähe und den aktiven Einsatz eines Gott gefälligen Lebens und der daraus resultierenden geistigen Hilfe und Gnade, aber nicht allein aus eigener Kraft. Die Gefahren des „Sich-Selbst-Überhebens“ und des geistigen Stolzes sind die gefährlichsten Fallaspekte auf dem spirituellen Weg und sollten deshalb immer im Auge behalten werden. Wer sich selbst über andere stellt, sich also selbst erhöht, wird zwangsläufig zu Fall kommen. Das dient dann dem Schutz des spirituellen Weges, der Seele und der Erschaffung wahrer Demut. In einem solchen Fall haben wir den Merksatz: "Wen du verurteilst und angreifst, der steht über dir!"

 

 

6. In vielen alten spirituellen Traditionen gilt das Gebot der Armut für spirituell Strebende,

 

was aber nicht bedeutet, nichts haben zu dürfen, sondern lediglich den Besitzanspruch an weltliche Güter insofern loszulassen, als dass er auf Gott zu übertragen ist. Geld und materielle Mittel sind gute Diener, die unsere Arbeit und unser positives Wirken in der Welt konkreter machen können, sie sind jedoch nicht Mittel zum Selbst-Zweck und zur Anhäufung. Hier gilt immer noch das Gebot, dass derjenige, der ernsthaft auf dem spirituellen Weg auf Gott konzentriert ist, alles das erhalten wird, was er braucht. Unsere Erfahrungen der letzten Jahrzehnte bestätigen dieses ausdrücklich!

 

 

7. Ein einwandfreier Stand innerhalb der gesellschaftlichen Gesetze ist ebenfalls unabdingbar,

 

auch wenn man mit vielen Haltungen und Beschlüssen nicht unbedingt einverstanden ist. Hier gilt dann die Regel „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist“. Unmögliche Gesetze aber, die nachweislich schädlich und für das eigene und andere Leben nachweislich zerstörerisch sind, kann man getrost ignorieren und stattdessen ethisch einwandfreiere Wege einschlagen. Wer glaubt, dass dadurch alles leichter wird, irrt. Im Gegenteil ist es oft leichter, sich zweifelhaften Geboten, Forderungen und Gesetzen anzupassen, als sich zu wehren und seine inneren hohen Werte nicht zu verraten!

 

 

8. Mit Anfechtungen leben zu lernen

 

Das bedeutet, die evtl. immer wieder auftauchenden Zweifel der Außenwelt (z.B. an unserer Arbeit im Phoenix-Netzwerk) ernst zu nehmen und sich jedes Mal der Selbstprüfung bzw. der Prüfung unserer Arbeit zu widmen, wenn solche Anfechtungen kommen. Die Bereitschaft, sich dem Prozess total zu stellen, ohne in Feindschaft oder Schuldzuweisung nach außen zu geraten, ist eine echte Herausforderung. Das bedeutet jedoch nicht, sich nicht zu wehren, wenn Unrecht geschieht, jedoch dieses in einem Maße, das mit der Tugend, Ethik und den spirituellen Geboten vereinbar ist. Das gilt genauso für Einzelpersonen, wenn sie angegriffen werden, denn sehr oft sind die Kritiker und vermeintlichen Feinde auf seelischer Ebene Freunde, die einem oft (nicht immer) die Wahrheit sagen oder als Hüter der Schwelle fungieren dürfen, um zu prüfen wo man steht und wie wahrhaftig alles ist, was einen ausmacht oder umgibt.

 

 

9. Der Umgang mit der Welt erfordert höchste Achtsamkeit,

 

da in ihr jede Menge Stolperfallen, Verführungen und bindende Elemente, die der Befreiung der Seele entgegenstehen, befindlich sind, und die einen unachtsamen Menschen ganz langsam und womöglich unbemerkt vom spirituellen Weg wegführen in einen erneut bindenden materiell-weltlich-karmischen Weg der Erkenntnis. Das ist auch der Grund, warum seinerzeit Eremitagen und Klöster erschaffen wurden. Doch in der heutigen Zeit müssen viele Gottesfreunde innerhalb der Welt leben, da sie keinen Platz in den traditionellen Konventen einnehmen können aufgrund ihrer freiheitlichen Ausrichtung.

Man merkt die weltliche Ausrichtung meistens daran, dass man plötzlich wieder öfters ärgerlich, emotional, gereizt oder aufgewühlt wird durch Reizungen, die von ihr ausgehen. „Sei in dieser Welt, aber nicht von ihr“ ist ein wichtiger Leitsatz, der die Arbeit der Phoenix-Mitglieder unablässig begleiten sollte. Dieses darf wiederum nicht in eine feindselige Haltung der Welt gegenüber einmünden, da sie unser Dienst- und Arbeitsgebiet ist und wir in ihr entweder mitschöpferisch oder erlösend tätig werden dürfen. Sie ist und bleibt Gottes Werk, wobei sein Werk natürlich niemals mit ihm selbst verwechselt werden darf. Auch das bietet die Welt als Falle an: alles ist göttlich! In letzter Instanz stimmt es sogar, ist aber aus Sicht der Orientierung nicht zweckmäßig. GOTT wirkt in ihr, aber ER ist nicht die Welt! Sie ist durch, in und von GOTT, aber sie ist nicht ER.

 

 

10. Nicht die Menge der geleisteten Arbeit und Einsätze bei der Arbeit und im Alltagsleben ist entscheidend,

 

sondern die Qualität. Arbeiten, die mit Zorn und starken Emotionen verbunden, in großer Hetze und Lieblosigkeit erbracht wurden, sind sehr schädlich und bringen oft das Gegenteil von dem, was ursprünglich angestrebt wurde. Zumindest kann dadurch der Erfolg der Arbeit erheblich verlangsamt werden, damit die Ernte der erwirtschafteten Früchte auch so ausfällt, wie es für die Fortsetzung der Arbeit (das schließt die Erfolge auf dem spirituellen Weg mit ein!) sinnvoll und besser passend ist. Je negativer/ aggressiver die Arbeit getan wird, desto länger verzögert sich die Ernte, und auch die spirituelle Reifung wird entsprechend verlangsamt. (Oder man wird sogar krank, um alles zu überdenken und qualitative Veränderungen im Leben einzuleiten.)

Da unser Einsatz zu Gottes Gefallen getan wird und nicht nur, um irgendwelche sichtbare oder die Welt beeindruckende Erfolge zu erwirtschaften, ist die qualitative Lebenshaltung wichtiger als alles andere!

 

 

11. Vom Umgang miteinander bei der Arbeit

 

Ehrlichkeit im Umgang miteinander, aber liebevoll und immer in der Bewusstheit dessen, dass man auch und vor allem sich selbst gerade sieht im anderen, ist unabdingbar. Der Grundsatz "Was du nicht willst, das man dir tu, das füge auch keinem anderen zu" kann hier sehr klar die Grenzen definieren, weshalb hier keine längere Abhandlung erforderlich ist.

Sowie man irgendetwas tut, spricht oder denkt, und man diesen Satz daneben legt, wird man sogleich erforderliche Korrekturen erkennen. Dass dieser Leitsatz nicht handlungsunfähig macht wie viele denken, ist daraus begründet, dass man natürlich von einer positiven Lebenshaltung ausgeht und nicht aus Berechnung agiert.

 

Mediale Fähigkeiten müssen soweit erkannt und gebändigt worden sein, dass man sich ihrer Risiken vollumfänglich bewusst ist und alles tun kann, um schlechte Einflüsse bewusst auszuschalten. Das gilt auch für eine Gruppensituation: sowie das Eindringen von Gegenkräften erkannt wird, muss es angesprochen und deutlich innerhalb der Gruppe thematisiert werden, um den Schwachpunkt aufzudecken und für sofortigen Schutz zu sorgen. Schafft man es aufgrund von Schwäche nicht, die Medialität einzudämmen, sollte man auf Gruppenteilnahme verzichten und stattdessen weiter an einer inneren Festigkeit arbeiten, die Abgrenzungsschwächen beheben und die ungewollten medialen Tendenzen blockieren kann.

 

Stand September 21916

 

 

Das war ein kleiner Überblick, der vielleicht dem einen oder anderen Leser den Eindruck vermitteln mag, dass wir nur noch zwanghaft und kontrolliert leben, und kein Raum mehr für Spontanität und kreative Lebensgestaltung mehr vorhanden sein kann.

ABER: das Gegenteil ist der Fall! Denn hat man sich an einen solchen „Lebensstil“ gewöhnt, verläuft das Leben ruhiger und gedeihlicher, auch wenn die Anfänge eher stürmisch sind. Entscheidungen werden leichter getroffen, denn man gewöhnt sich eine grundsätzlich positive und lösungsorientierte Haltung an, die Konflikte erheblich abkürzen kann.

Natürlich sehen wir auch das Gegenargument, welches oft genannt wird, dass solche Regeln und Gebote nur funktionieren können, wenn alle sich daran halten.

Die Frage, die sich aber stellt, lautet: was bedeutet funktionieren? Was bedeutet Erfolg?

Einen kurzfristigen Erfolg zu verbuchen, der nicht dauerhaft ist und auf zweifelhaften Methoden basierend errungen wurde, und in einigen Jahren oder Jahrzehnten einen unglaublich hohen Preis einfordern wird? Dass es so geschieht, können wir in der Geschichte der menschlichen Gesellschaft sehr oft entdecken, wenn hochstehende und erfolgreiche Menschen unversehens zu Fall gebracht werden, weil ihre Vergangenheit sie einholt, wie man so schön sagt.

Lebt man treu nach den Regeln und Geboten, hat man sicherlich auch einige Schwierigkeiten im Leben durchzustehen, doch wird man darauf bauen können, dass die Gerechtigkeit irgendwann siegen und die Wahrheit sich durchsetzen wird, auch wenn es vielleicht manchmal dauert und sich nicht alle Menschen daran halten.

Dann holt einen die Vergangenheit ebenfalls ein, nur sind die Folgen dann sehr gnadenreich und entschädigend.

So oder so sollte man sich gut überlegen, ob die vermeintliche Freiheit, regellos zu leben, nicht am Ende doch einen zu hohen Preis verlangen wird, den man dann nicht zahlen möchte.