GOTT und Phoenix-Netzwerk

von Manuela Schindler (C) 2016

 

 

Wir werden oft gefragt, wie unsere spirituelle Ausrichtung denn nun genau aussieht, und was wir unter GOTT und /oder Höheres Selbst verstehen. Der nachfolgende Text soll den heutigen Stand unserer Ansichten und unseres Wissens verdeutlichen, in der Hoffnung, dass diese Fragen damit gut und verständlich beantwortet wurden, jedenfalls für den Moment.

 

Grundlage unserer Arbeit und persönlichen Ausrichtung ist bekanntermaßen der Glaube an, oder besser, das Wissen um GOTTES Gegenwart, und dass man Ihm nahe kommen und mit Ihm leben kann.

 

Die verschiedenen Aspekte Gottes
- als unerkennbare Grundlage von allem,
- als Schöpfer
- und Erhalter durch die innere Gemeinschaft im menschlichen Seelengrund (das höhere Selbst, der „persönliche“ Gott)
sind darin eingebettet.

 

Phoenix sieht sich durch tiefe eigene Erfahrungen bestärkt darin, dass man auch ohne eine festgelegte, und gleichzeitig begrenzende und ausgrenzende religiöse Richtung an Gott glauben, mit Ihm leben und Ihm dienen kann. Gott steht über allem und allen Religionen, er gehört keiner Kirche oder Religion!

 

Das erlaubt eine große Ausdrucksvielfalt für uns, die Menschen allgemein und die verschiedenen Kulturen. So kann man auch ganz individuell mit Ihm leben, eigene Rituale entwickeln die dabei helfen, und konsequent Werte vertreten, die in allen Religionen als „Gott gefällig“ bezeichnet werden. Spätestens das stellt die Verbindung zu den Religionen wieder her und vereint im selben spirituellen Streben.

 

Dazu gehören alle Werte wie Menschenfreundlichkeit, Nächstenliebe- und Hilfe, konsequente Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit sowohl im Tun als auch im Umgang miteinander - in einem positiven und förderlichen Kontext eingebettet -, und der Verzicht auf Selbsterhöhung (z.B. die Verurteilung anderer Formen der Spiritualität), Selbstzerstörung und Selbstbetrug.

 

Das Gute und Förderliche auf angemessene Art zum Ausdruck zu bringen bedeutet konsequenten Verzicht auf unethisches Handeln, das Verletzen anderer Menschen durch Wort und Tat,  und das Tun von Bösem! Frei nach dem Motto: was du nicht willst, das man dir tu, das füge auch keinem anderen zu!

 

Wir sehen den Menschen in der Freiheit stehend, durch täglich wiederkehrende Wahl mitzubestimmen, ob sein Leben eine für die Welt und die Gemeinschaft förderliche und Schöpfung erhaltende Form annimmt, oder ob er zu den zerstörerischen Kräften gehören will. Wir glauben nicht an die totale freie Wahl, da der Mensch ja in einem gewissen Rahmen lebt und zumindest manchmal ein Gefangener seiner eigenen Muster ist. Aber in dem, was er zum Ausdruck bringt, trotz aller begrenzenden Faktoren durch Persönlichkeit und Weltsituation, ist er total frei! Wer dem Bösen mutig begegnet und seine Werte nicht leichtfertig verrät, gehört unserer Meinung nach zu den förderlichen Kräften der Schöpfung, auch wenn es dem Betreffenden gerade nicht gefällt, was mit ihm geschieht.

 

Dass die Schöpfung, und damit unsere Welt, einen GOTT hat, ist für uns inzwischen keine reine Glaubenssache mehr. Auch die Unterschiede zwischen den oft eher dämonischen Naturkräften und den göttlichen Einflüssen sind inzwischen besser herausgearbeitet und eingeordnet worden. Zwar ist letztlich und am Ende alles EINER Schöpfung innewohnend und untersteht damit dem Schöpfer, GOTT, trotzdem haben wir die Möglichkeit einer Wahl innerhalb der bestehenden Polaritäten der Schöpfung, und das zugleich auch sehr ernst zu nehmen!

 

Zu den Religionen und deren Ausdrucksformen stehen wir von der grundsätzlichen Ausrichtung her sehr positiv, wollen also KEIN Kontra aufbauen. Doch meinen wir, dass das teilweise extreme „Menscheln“ von GOTT ablenkt, zu Streit und Krieg führt, und damit viele ernsthafte Gottsucher und Gottliebhaber abstößt! Da die Kirchen immer leerer werden, und das unseres Erachtens nach noch zunehmen könnte, finden wir unseren Ansatz bestätigt.

 

Wir sehen es so, dass GOTT für jeden innerhalb der Schöpfung erreichbar ist, wenn man nur darauf vertraut. Dass Er nicht so handelt, wie wir es uns vorstellen, entbindet nicht von der Erkenntnis, dass man Sein Handeln aber durchaus - zumindest teilweise - erkennen kann! Manchmal sieht man erst viel später, dass Gebete erfüllt wurden, und dass es eben manchmal Zeit brauchte, um ein sehr viel besseres Ergebnis zu bringen. Sucht man Trost, IST man sogleich getröstet. Hat einen der Mut verlassen, bekommt man ihn umgehend zurück, und so fort. Dieses als SEIN Wirken zu erkennen, ist eine gute Hilfe dabei, das Vertrauen zu stärken.

 

Die Frage, warum Gott so viel zulässt und dem Elend und Leid nicht massiv entgegentritt, haben wir uns auch oft gestellt und für uns mit dem freien Willen der Menschheit und dem Karmagesetz beantwortet. Da wir, ähnlich wie im Buddhismus üblich, an Wiedergeburt glauben, die so lange wirkt, bis wir erlöst werden aus der Inkarnationsschleife, ist das auch stimmig und ergibt einen Sinn. Viele Fragen dieser Art finden erst so eine logische Antwort, und man kann dann tapfer hinnehmen oder als Herausforderung zwecks Bemeisterung annehmen, was einem widerfährt, auch wenn es aus momentaner Sicht total ungerecht zu sein scheint.  

 

Unsere Sicht ist ebenfalls diejenige, dass man diese Schöpfung endgültig verlassen und „heimkehren“ darf, wenn man die tief innerste Bereitschaft hat, den Weg der Erfahrung / Erkenntnis zu verlassen und den Weg der Gnade anzutreten. Wenn es Gott gefällt, geht Er darauf ein und führt uns der Erlösung – der Heimholung - zu.

 

Doch haben wir auch erleben dürfen, dass das mitunter sehr viel Arbeit bedeuten kann, denn man wird gründlich geprüft und muss unerledigte Angelegenheiten im Leben bereinigen, Wiedergutmachung leisten und seine Verfehlungen aufrichtig bereuen! Das ganze Leben muss also erst einmal dieser inneren Entscheidung angepasst werden, die gewonnenen Erkenntnisse umfassend ausgewertet und ggf. sogar umgearbeitet werden, und das ist keinesfalls leicht!

 

Die Schöpfung gebärdet sich dann gern als „Hüter der Schwelle“ und tritt einem massiv in den Weg. Oft werden Wiedergutmachungen eingefordert oder darauf bestanden, dass man noch etwas abzuleisten hat, was versprochen worden ist. Die korrekte Lösung aus uralten Versprechen ist keinesfalls leicht, wenn nicht göttliche Hilfe hinzutritt! Die beständige Gefahr der neuen Verstrickung und die Möglichkeiten „des Fallens“ durch niedere Beweggründe  und Nicht-Einhaltung der gegebenen Gebote begleitet einen auf Schritt und Tritt, weshalb das innige Einbeziehen Gottes ins eigene Leben sogar zur Notwendigkeit wird, wenn man nicht scheitern will.

 

Trotzdem ist der Aspekt der Freiwilligkeit hier unserer Erfahrung nach sehr wichtig! Wer nur aus Angst zu Gott will, oder weil er seine Angelegenheiten nicht regeln will, oder wer gar Forderungen und überhöhte Sonderansprüche stellt, wird sich auf eine lange Wartezeit einstellen müssen. Vielleicht sogar auf einen Umweg, der sich daraus erklärt, dass einem noch Erkenntnisse fehlen, welche die bedingungsfreie Freiwilligkeit gewährleisten.

 

Für uns hat sich der spirituelle Weg aus einer Mischung aus notwendiger Selbsterkenntnis, der damit verbundenen Einsicht und Umkehr, und daraus folgend dem wachsenden bedingungslosen Vertrauen in Gott und der Notwendigkeit gewisser Zeitabläufe gezeigt. Auch Vergebung spielt eine große Rolle, vor allem wenn es darum geht, sich selbst zu vergeben, wenn man trotz aller Bemühung wieder einmal merken musste, dass man einfach nur "Mensch" ist.

 

Dieser Weg ist keinesfalls geeignet dazu, sich selbst zu bereichern, oder ein Gurutum, eine Sekte oder religiöse Sondergruppe aufzubauen, sondern definiert sich vor allem durch das Weglassen all dieser Formen. Verzicht auf Sonderstatus, stattdessen die Übernahme einer sehr viel größeren Verantwortungsbereitschaft, Verzicht auf Anhäufung von Reichtum und Besitz, und stattdessen der volle Einsatz des Vorhandenen, sollte es sinnvoll sein, und die Bereitschaft, alles loszulassen, sollte es nötig sein, sind die Werte, die unseren Weg begleiten.

 

Diesen Weg unbeirrt zu gehen, sich in den „Händen Gottes“ wissend, ohne dabei Rituale und geistige Verrenkungen machen zu müssen, und dabei frei zu bleiben und keine Verträge mit Menschen oder Institutionen abschließen zu müssen, das ist unser gewähltes Ziel. Dass wir deshalb selbst niemanden binden oder gar unsere Werte missionarisch – kämpferisch anderen Menschen aufzwingen wollen, versteht sich. Die geistige Freiheit, die wir für uns beanspruchen, muss jeder Mensch haben dürfen wenn er will. Und zwar immer!

 

Wir streiten auch nicht deswegen! Jeder hat das Recht, seinen Weg zu gehen wie immer er es wünscht. Streitigkeiten um Regeln, Rituale, welcher Gott der richtige ist und so fort sind nicht interessant für uns. Und da wir wissen, dass wir damit nicht allein stehen, fühlen wir uns trotzdem wohl dabei, das hier – in dieser spirituell immer noch sehr gefährlichen Zeit – offen zu vertreten.

 

Wenn man uns nun fragt, welche "Position" wir in der Spiritualität / Religion einnehmen, und wo wir uns genau sehen, würden wir uns als Beginen bezeichnen. Allerdings Beginen nach Margret Porete und nicht der modernen Bewegung, denn der Begriff wird heute leider sehr missbräuchlich und beliebig verwendet. Freie Beginen zu sein, nur GOTT verpflichtet, und niemandem sonst, das ist unser Standpunkt.

 

 

Wedel, den 14. Juli 2016 

Manuela Schindler