Spirituelle Krisen: Ursachen der Entstehung

 Ursachen der Entstehung

 

von Manuela Schindler (c) - überarbeitete Version November 2014

 

 

Es ist gar nicht so leicht, über dieses Thema in der Öffentlichkeit zu berichten, denn eigentlich wollen die Wenigsten hören von spirituellen Krisen und noch weniger von Notfällen, die durch die Anwendung diverser esoterischer Techniken entstehen können. Wenn man sich spirituell ausrichtet, will man am liebsten nur Freude - Liebe - Leichtigkeit und (hoffentlich!) echte Bewusstseinserweiterung bis womöglich hin zur Gotteserfahrung finden, und das alles möglichst ohne große Anstrengung. Dann möchte man nicht hören, dass der Weg durch Krisen führen kann. Jedenfalls ist meine Erfahrung die - gerade auch durch jüngere spirituell orientierte Berater gespiegelt - dass sie diesem Thema eher ablehnend begegnen. Für viele scheinen Krisen etwas zu sein, was auf einen groben (Verhaltens)Fehler hinweist und der Änderung bedarf. Das ist aber oft nicht hilfreich für diejenigen, die gerade den Tod ihres Egos erleben als Folge echten spirituellen Fortschritts!

 

Wird ja auch gerade in sämtlichen alten, ehrwürdigen (und teilweise - endlich, wieder! - auch in neueren) Schriften darauf hingewiesen, dass spirituelle Krisen spätestens dann entstehen, wenn die ersten wirklich wichtigen Entwicklungsschritte gegangen werden und man sich aus der Erprobungs- und Spielzone hinausbewegt.

 

Die klassischen spirituellen Krisen entstehen z.B. durch die innere Gottesbegegnung, die nachhaltig alle alten Weltbilder in Frage stellt und somit bewirken kann, dass sämtliche bisher gelebte Lebensstrategien auf einmal keine Wahrheit und Gültigkeit mehr haben. Der Blick hat sich verändert, das alte Leben passt nicht mehr.

 

Doch gibt es auch eine wichtige Scheidelinie, denn psychisch labile oder kranke Menschen, die gleichzeitig Esoteriker sind, haben meistens KEINE spirituelle Krise, sondern brauchen Hilfe zur Stabilisierung ihrer Persönlichkeit und ihres Lebens, und eine anschließende Neuausrichtung ihres Lebens in einen sinnvollen und positiven Bereich, was oftmals nicht gleich erkannt und daher mit einer spirituellen Krise verwechselt wird. Spiritualisierung geistiger Erkrankung und psychischer Labilität ist heute weit verbreitet! Für diejenigen gilt die nachfolgende Aufzählung eher nicht sondern die Empfehlung, einen guten Psychologen oder Heilpraktiker aufzusuchen!

Echte spirituelle Krisen haben IMMER mit einer intensiven spirituellen Lebensweise und dem Leben nach spirituellen Geboten zu tun!

 

Ich habe hier an dieser Stelle einmal eine kleine Definition über spirituelle Krisen eingefügt, die sich aus Erfahrungen (eigener und denen von Klienten) aufgebaut hat:

 

1. Spirituelle Krisen, die aufgrund einer zunehmenden Gottesnähe entstehen. Dadurch geraten innere Werte, die bisher absolute Gültigkeit hatten, zunehmend ins Schwanken und der Mensch gleich mit. In diesem Falle ist äußerlich oft gar nichts von der Krisensituation in der Mitwelt widergespiegelt; es ist ein rein innerlicher Prozess zwischen Mensch/ Psyche (Persönlichkeit) und Seele - Geist/Gott.

 

2. Spirituelle Krisen, die das äußere Leben massiv beeinträchtigen. Dazu gehören m.E. Werteumstürze, die eine völlige Neuanpassung an herrschende Lebensumstände erforderlich machen. (Arbeitsplatzwechsel, Freunde passen nicht mehr aufgrund ihres Lebenswandels usw.) Die Notwendigkeit, zwischen neuen Erkenntnissen und weltlichen Begebenheiten zu jonglieren mit der Auflage, für das Leben sorgen und Geld verdienen zu müssen, kann teilweise massive Krisen hervorrufen, die einen Zwiespalt zwischen materieller und spiritueller Welt deutlich machen, bis dieser wieder durch Synthese (Gott in allem, bedingungslose Liebe) geheilt wird.

 

3. Spirituelle Krisen, die aufgrund einer massiven inneren Blockade entstehen, wenn das innewohnende höhere Selbst anderes will als die eher weltlich ausgerichtete Persönlichkeit. Dann geschieht der innere Kampf der gegensätzlichen Energien, sie prallen aufeinander und es scheint alles sehr dunkel zu werden. Die Fragen, die sich hier die Klienten oft stellen, lauten: “Warum hat Gott mich verlassen? Bin ich gefallen? Was habe ich jetzt (wieder) verbrochen?” Meistens hatten diese Menschen vorher Erlebnisse, die unter Punkt 1 und 2 genannt wurden, aber nicht immer. Es gibt meiner Erfahrung nach auch einige Menschen, die ihren Weg an dieser Stelle beginnen.

 

4. Sehr dunkle spirituelle Krisen entstehen, wenn die Persönlichkeit sich zunächst gegen das höhere Selbst durchsetzt und ihre materiellen Ansprüche behaupten will: das nennt man auch oft „die dunkle Nacht der Seele“, da diese zunächst (scheinbar) kaum die Gelegenheit erhält, die Persönlichkeit zur spirituellen Anhebung zu durchdringen. Hier gibt es wieder viele Spielarten, die bis tief hinein in den Bereich der Verdunkelung führen. Die „Unterwelt“ wird dadurch aufgesucht und eine tiefe Bewusstwerdung durch Schattenintegration beginnt. (Dazu gibt es ja auch ein sehr schönes Buch von Johannes vom Kreuz "Die dunkle Nacht".)

 

5. Eine sehr interessante Form der spirituellen „Krise“ ist die Verweigerung, nach einer oder mehreren Gotteserfahrungen (oder Bewusstseinserweiterungen) das Leben auf der Erde fortzuführen, da man es entweder als illusorisch (mich gibt es nicht), zu banal oder unpassend ansieht. Einige geraten dadurch in die Gefahr des Abhebens, was zu vielfältigen Störungen führen kann im Umgang mit der Mitwelt; z.B. wenn die Verweigerung so weit geht, dass akute Lebensbewältigungsthemen nicht mehr angenommen werden und somit die gesunderhaltende Struktur langsam zerbröselt. Allerdings ist hier langfristig gesehen keine Gefahr für den Betroffenen, denn durch erneute innere spirituelle (Gottes)Erlebnisse wird deutlich gemacht, was der höhere Wille möchte, und so manch ein Verweigerer konnte dadurch langfristig wieder zur “Mitarbeit an der Schöpfung” bewegt werden. Diese Menschen sind nicht eigentlich in einer spirituellen Krise als vielmehr in einer spirituellen „Motivationskrise“ befangen.

 

Dass natürlich in den einzelnen Punkten wieder einige Unterscheidungen nötig sind, versteht sich. Und dass man eine solche Aufstellung noch ganz anders aufbauen kann, ebenso. Ich bleibe nur gern sehr dicht an den Erfahrungen aus der eigenen Praxis.

 

Doch trenne ich deutlich spirituelle Krisen von Notfällen, die z.B. durch die Anwendung esoterischer Techniken entstanden sind.

 

Der zunehmende Andrang von Hilfesuchenden im Notfallbereich zeigt deutlich, dass immer mehr Menschen große Probleme bekommen, weil sie zu vertrauensvoll oder nicht vorbereitet genug in Einweihungen, (Lichtkörper-)Seminare oder Behandlungen gegangen sind, um am Ende teilweise schwer psychotisch in die Psychiatrie eingeliefert und als Frührentner wieder entlassen zu werden, oder Schlimmeres. Unsere Ordner sind voll von furchtbaren Fallbeispielen, und manchmal möchte man ganz traurig werden, wäre da nicht das Wissen, dass alles hier eine Berechtigung hat, auf einer irgendwann getroffenen Wahl beruht (und wenn man nur nicht auf die innere Warnung gehört hat, das ist ja bereits auch eine Wahl, die man getroffen hat), und alles einen Lehrwert hat.

 

Die Arbeit mit den spirituellen Krisen ist voller Licht und Gottesnähe, obwohl diese trotzdem sehr dramatisch sein können; jedoch empfinde ich die Arbeit mit esoterischen Notfällen als sehr dunkel.

Obwohl, man könnte letztere auch mit dem Punkt 4 der obigen Darstellung in Einklang bringen, denn diese Situationen entstehen ja meist genau aus diesem Zusammenhang heraus:

 

- nicht hören auf die innere Stimme,

- etwas durch die Kraft und den Willen des Egos unbedingt durchzusetzen, auch wider besseren Wissens,

- usw.

 

 

Manuela Schindler

29.2.08, überarbeitet 2014