Wie wir Ostern feiern

Worte zu Ostern von Manuela Schindler (c) 2018

 

 

 

 

Ostern ist für uns das wichtigste Fest, auch wenn wir es vielleicht etwas anders feiern als andere.

 

Das Ostern mit den Eiern und Hasen ist vor allem der Natur und der Welt gewidmet, ihrer Fruchtbarkeit und der hoffentlich eintretenden zukünftigen Ernte. Alles sehr greifbar und praktisch, und vorwiegend für weltlich orientierte Menschen gedacht.

Aus religiöser Sicht wird dasselbe Prinzip mit anderen Symbolen gefeiert, als Hinweis des Opfers für ein größeres und wichtigeres Ziel, und der Wiedergeburt im Geiste.

Es gibt dazu bestimmte Schritte, die insbesondere vor Ostern eingehalten werden, und denen auch wir, wenn auch in abgewandelter Form, folgen.

 

Fasten:

Die Zeit vor Ostern ist wichtig, um sich so weit wie möglich zurückzuziehen von allen Ablenkungen (Fasten), damit ein innerer Standpunktwechsel vollzogen werden kann, und um veränderungswürdige und überlebte Angelegenheiten ausfindig zu machen.

Vor allem die alten, überlebten, eigentlich „toten Dinge“ und fruchtlosen Situationen werden auf diese Weise bewusst und können gründlich durchdacht werden.

Zumal meistens das Leben besonders zu dieser Zeit selbst gern Situationen auslöst, in welchen wir durch Aktion und Reaktionen entdecken können, was nicht mehr passt und was wir keinesfalls mehr wollen.

Aber auch die Hilflosigkeit, der man in gewissen Bereichen des Lebens begegnet, und die wohl jeder Mensch mindestens einmal erfahren muss, spürt man in dieser Zeit ganz besonders.

Die eigene Wichtigkeit wandelt sich in Demut, denn man erkennt jedes Jahr wieder neu, dass die Welt sich auch ohne eigenes Zutun weiterdreht und dass man gewisse karmische Abläufe einfach nicht beeinflussen kann, da sie schlichtweg zu groß sind.

Natürlich kann man als Einzelmensch so leben, wie man es von anderen erhofft oder erwartet, ja, das muss man sogar, wenn man eine spirituelle Orientierung hat. Doch selbst wenn die erhofften Ergebnisse ausbleiben, darf man den Mut nicht verlieren, sondern muss gegebenenfalls schauen, ob man zu hohe oder gar falsche Erwartungen gehabt hat, die losgelassen werden müssen, oder ob man einfach noch Geduld braucht bei Angelegenheiten, die nur langsam vorankommen.

 

Karfreitag und Ostern (Opfer und Fruchtbarkeit):

Bevor ein Saatkorn Frucht bringt, muss es sterben. Es wird aufgebrochen und in seiner alten Form vernichtet, damit etwas neues, viel Größeres und Mächtigeres daraus erwachsen kann.

So zeigt es die Natur als Spiegel geistiger Vorgänge, und so feiert es in geistiger Sicht auch die christliche Religion am Beispiel Jesu.

Aus spiritueller Sicht gesehen ist beides zusammengenommen für den Menschen wichtig, denn selbst die Naturvariante des weltlichen Osterfestes befasst sich – wenn man die Hintergründe beleuchtet - mit Hoffnung, Bitte und Erwartung von zukünftiger Fruchtbarkeit und Wachstum, denn erst das Erntedankfest bezeugt ja den tatsächlichen Erfolg.

Doch vorher kommen das Opfer und der Tod des Alten, was das geistige Ostern (insbesondere der Karfreitag) eigentlich von uns verlangt.

Das zu zelebrieren, bewusst zu sterben und zu vergeben, und sich vom Alten und Überlebten zu verabschieden in der Hoffnung auf neues geistiges Wachstum, um neue und reifere Erkenntnisse gewinnen zu können und vielleicht sogar zu einer größeren Nähe zu Gott - und der damit verbundenen Hoffnung auf Befreiung und Erlösung - zu finden, sind die Schritte dazu.

Daher lohnt es sich, diese Zeit zu einer großen Lebensbilanz zu nutzen, um sich klar zu werden, was losgelassen werden muss, weil es einem größeren Leben im Wege steht. Das kann schwierig werden, lohnt sich aber.

 

Die Auferstehung - Ostern (Neuanfang):

Ein Neuanfang steht bevor, denn vor allem nach Ostern geht es darum, die Erkenntnisse umzusetzen und die Möglichkeiten eines befreiteren Lebens zu verwirklichen.

Je nach Lebensinteresse bedeutet das entweder ein bereinigtes und bewussteres weltliches Leben, oder sich noch intensiver mit den Erfordernissen zu befassen, die Befreiung aus weltlichen Verstrickungen und vielleicht sogar eine endgültige Erlösung – mit Gottes Hilfe – ermöglichen.

Sich beständig tiefer einzulassen auf die spirituellen Lehren und deren konkrete Umsetzung, und eine größere Hingabe an Gott und den eigenen schicksalhaften Erfordernissen des Lebensweges zu bezeugen, ist jetzt wichtig und richtig. Nur so können die neuen und wirklich sehnsüchtig erwarteten Veränderungen eintreten, und das werden sie tun!

 

So feiern wir bei Phoenix Ostern als Tod des Egos und der Auferstehung der Seele in Gott. Jedes Jahr ein Stückchen intensiver, näher an das Ziel kommend, in einer regelmäßigen Abfolge dieser Schritte, so, wie wir es in der Lage sind, umzusetzen.

 

Damit folgen wir auch der Weisung, die Gott an Katharina von Siena (1347 – 1380) gegeben hat: „Geschaffen habe Ich euch ohne euch, aber retten werde Ich euch nicht ohne euch!“

 

Dass das auch anderen spirituell Orientierten gelingen möge, wünschen wir von Herzen.

 

Manuela Schindler - 2018