VIIII. Risiken, Irrwege, Fallen und Täuschungen

 

von Manuela Schindler (C) 2018

 

 

Wer den spirituellen Weg eine Weile gegangen ist, wer sich dabei innig und intensiv an die Gebote und Regeln gehalten hat, und wer die Tücken der Gegenkraft und die Intensität der Prüfungsphasen gut kennt, weiß auch um die vielfältigen Gefahren, die trotz allem noch vorhanden und wohl durch kein Wohlverhalten zu vermeiden sind.

Sie sind unbedingt sehr ernstzunehmen, denn sie haben mindestens die Macht, abzulenken und in Widrigkeiten zu verstricken, und schlimmstenfalls sogar den Einfluss, in eine Pseudo-Spiritualität zu führen! Das Problem bei dem Ganzen ist das Ego, welches sich nur zu gern den angenehmen Sehnsüchten und Gefühlen hingeben will, und das vor allem schnelle Erfolge und oft, ohne es zu bemerken oder gar zu wissen, Selbsterhöhung sucht.

Die ausführlich beschriebenen Regeln, Empfehlungen und Gebote werden deshalb bei uns bereits so präsentiert, dass die Risiken aufgedeckt und einem strebenden spirituellen Menschen warnend vor Augen geführt werden. Sie sind so angelegt, das Risiko so gering wie möglich zu halten, auf diese Fehler und Gefahren hereinfallen zu müssen, sodass man bei gründlicher und gewissenhafter Vorgehensweise durchaus einige zutiefst unerfreuliche Erfahrungen vermeiden kann.

Doch das Ego hält - gerade anfangs - noch besondere Schwierigkeiten bereit, die zwar teilweise auch in den vorangegangenen Texten erörtert wurden, dieses jedoch unter Auslassung sehr gravierender Schwächen, die allein durch das Einhalten der Regeln und Gebote nicht auszuschalten oder zu vermeiden sind.

 

Die nachfolgende Auflistung soll verdeutlichen, wie das konkret aussehen könnte.

Meine Hoffnung dabei ist, dass sich niemand abgewertet und blockiert fühlt, wenn er sich wiedererkennt in diesen Zeilen, sondern sich eher unterstützt und beschützt fühlt, und so ein deutlich besseres Unterscheidungsvermögen erlangt, welches sicher durch unfreundliche Bereiche zu tragen in der Lage ist.

 

1. Es geht nachfolgend schwerpunktmäßig um Meditation, innere Erfahrungen, göttliche Offenbarungen und Wahrnehmung aller Art die dazu dienen, einen selbst zu erhöhen und zu einer Besonderheit zu machen, und durch ihre ungeregelte Intensität in eine Lebens- und Arbeitsunfähigkeit zu führen, die nur sehr schwer wieder rückgängig zu machen ist. Deshalb wurde auch für das Studium bei Phoenix ein besonderer Studienbrief entwickelt, der dieses Thema sehr intensiv aufbereitet und in allen Facetten beleuchtet. (Studienbrief 7 - Krisen und Unterscheidungsvermögen.)

 

Innere Gespräche

Ich habe im Laufe der Zeit durch die Arbeit mit meinen Schülern sehr oft erleben dürfen, dass sie fest der Meinung waren, entweder mit Gott, ihrem höheren Selbst oder einem rein geistigen Lehrer im inneren Dialog zu stehen, und doch "nur" mit mir im Geiste sprachen. Glücklicherweise konnte ich die Gespräche exakt thematisch und dem Wortlaut nach wiedergeben, sodass meine Schüler zunächst zutiefst geschockt waren und fassungslos darauf reagierten, und dann gründlich umdenken lernen mussten. Natürlich kann es sein, dass man mit einem inneren geistigen Lehrer in Kontakt steht, aber es gilt immer gründlich zu hinterfragen, ob es dem eigenen spirituellen Stand wirklich angemessen ist, und ob die Botschaften einem hohen Anspruch dienlich sind oder doch nur persönliche und höchst unbedeutende Dinge bedienen.

Ein Schüler meinte einmal, dass Gott mit ihm gesprochen hatte! Ich nahm das erst einmal so hin, obwohl ich ziemlich erstaunt war, das gebe ich zu, denn so habe ich Gott nicht erlebt. Doch nach einigen Minuten kam durch meinen geistigen Lehrer der korrigierende Hinweis, dass das auch nicht so gewesen sei, sondern er mediale Kundgaben eines niederen Geistes empfängt, und manchmal eben auch meine Antworten zu seinen innerlich an mich gestellten Fragen hören kann.

Man sieht also hier ganz deutlich, wie die Selbstüberschätzung und Selbsterhöhung ungewollte Früchte und Täuschungen hervorbringt, die im Laufe der Zeit eine charakterliche Veränderung bewirken dürften, die nicht auf den spirituellen Weg passt, sondern eher einer ganz anderen Richtung dient.

Eine nüchterne Selbsteinschätzung würde hier gut helfen, um diese Risiken zu vermeiden. Diese Welt ist voll mit Geistern, Dämonen, Elementarwesen und sehr ambitionierten Schwarzmagiern, die nur zu gern naive und sich selbst überschätzende Menschen täuschen und sie dabei zu missbrauchen suchen für ihre eigenen Zwecke.

 

Ausufernde Meditationen, Versenkungen,  teilweise verbunden mit Rauschzuständen und Visionen

Das sehe ich wirklich SEHR kritisch. Und ich stehe keinesfalls alleine damit, denn schon Teresa von Avila hat mehrfach in ihren diversen Schriften darauf hingewiesen, dass eine intensive Gottesnähe keinesfalls zwangsweise verbunden ist mit stundenlangen Versenkungen, dabei auftauchenden großen Visionen und/oder rauschhaften Zuständen. Sie befürchtet an dieser Stelle große Täuschungen durch den "Feind", wie sie schreibt, der die Seelen in die Irre führen will. Tatsächlich stimme ich ihr zu hundert Prozent zu und ergänze damit, dass göttliche Erfahrungen von Licht, Liebe und Transzendenz meist nur sehr kurz sind (müssen sie, denn sie sind in ihrer Intensität für einen Menschen kaum erträglich) und eintreten, wann immer es Ihm passt (und nicht uns!). Das kann dann auch schon mal an einer belebten Hauptstraße sein, während man an der Ampel steht, wenn es der Belehrung dient! Meditation und Versenkungen sind eher kritisch zu betrachten, denn sie führen schnell in eine pseudo-mystische Haltung mit Bildern, Träumen und Visionen, die zwar sehr unterhaltsam und anregend sein können, aber spirituell völlig nutzlos sind, und den Menschen energetisch auslaugen und schwächen können bis hin zur völligen Lebensuntüchtigkeit.

Man kann gut an den Wirkungen, auch und vor allem langfristig, erkennen, ob eine Inspiration oder Vision aus einer höheren Quelle entstammt, indem man die unmittelbaren körperlichen Wirkungen prüft. Göttliche Offenbarungen sind immer belebend und antreibend, wachmachend und freudebringend.

Negative Offenbarungen eines Täuschungsgeistes jedoch hinterlassen Müdigkeit und andere Anzeichen der Schwächung, und manchmal sind sogar heiße Energien in der Wirbelsäule bis hoch zum Hinterkopf spürbar und lassen sich so leicht als falsche Antriebsenergien ausmachen. 

Es mag sein, dass man in einem reiferen Stadium längere Phasen der inneren Meditation haben wird, und - wie in der östlichen Tradition vorgeführt durch die Samadhi-Zustände - mehrere Stunden abwesend sein wird, doch dann ist man ganz sicher in dem, was man tut, und hat vorher bereits sämtliche Facetten der Gottesnähe durchlaufen, und vor allem eine langjährige und intensive spirituelle Lebensweise gepflegt. Hat man das jedoch nicht, sind diese Zustände meiner Meinung nach psychotisch und medial, und dienen einem ganz anderen Zweck, auf den ich hier nicht näher eingehen möchte.

 

Prophetische Träume und plötzliche "über Nacht" Lösungen zu wichtigen Problemen

Wer beginnt, bewusst mit Träumen zu arbeiten, muss sehr wachsam werden. Im Buch KANAL-SEIN wird intensiv auf dieses Thema eingegangen, ebenso in den Studienbriefen, was sehr hilfreich sein könnte bei der Vertiefung dieses Themas. In diesem Rahmen kann ich nur einen kleinen Überblick anbieten, der aber möglicherweise genügend Impulse vermittelt, um Träume fortan sehr vorsichtig zu handhaben.

Prophetische Träume bieten niemals die Sicherheit, dass sie eindeutig aus einer sehr hohen Quelle stammen, denn im Traum sind wir am leichtesten zu manipulieren und fehlzuleiten. In der Nacht ist unser menschliches Bewusstsein besonders offen für Einflüsterungen und wunderbare Traumbilder, die der Verblendung und Schädigung dienen sollen. Zu den Prüfungen des Hüters der Schwelle gehört gern, dass nächtliche Einflüsterungen geschehen, die falsche Entscheidungen bewirken sollen. Ganz sicher scheint man plötzlich am Morgen nach dem Aufstehen eine Lösung zu haben für ein schwieriges Problem, weiß genau, was man tun sollte und setzt es auch voller Energie um. Doch halt! Niemals sollte man eine Lösung, die scheinbar über Nacht von selbst gekommen ist, ohne Prüfung und gründliche Hinterfragung annehmen und umsetzen! Mag sie auch noch so gut klingen, ist sie doch immer erst an den bestehenden Entscheidungen und Strukturen, sowie an der gewählten Lebensweise abzugleichen. Oft wird man dann feststellen, dass man ihnen zuwiderhandeln wird, wenn man diese "Lösungen" umsetzt, und man so möglicherweise erneut in eine tiefere Verstrickung oder Bindung gerät in Angelegenheiten, die man eigentlich positiv beenden und /oder einem höherwertigen Neuanfang zuführen will.

Auch Träume, die aus einem einen großartigen Visionär machen wollen, sind eher sehr kritisch zu betrachten und besser als Selbsterkenntnis innerster Wünsche und Sehnsüchte zu betrachten. Große Visionen braucht man nicht auf dem Weg der Gottesnähe, denn alles, was die Welt wissen muss, ist hier bereits hinterlegt. Nur wenn es wirklich wichtig ist, wird man in Träumen Offenbarungen haben, die aber eher durch sehr nüchterne Sachlichkeit auffallen und nicht durch Pomp, Glanz und Glorie.

 

 

2. Zusätzlich ist der Grund-Charakter eines Menschen dermaßen einflussreich, dass er jederzeit heftig energetisch in die Ausübung der spirituellen Praxis einwirken kann, sodass jegliches Bemühen fruchtlos bleibt und die erhofften Wirkungen ausbleiben oder sich lange hinauszögern. Der energetische Faktor und das damit verbundene Temperament einer Person ist eigentlich vor allem DAS Kriterium, welches als erstes gründlich betrachtet werden muss, BEVOR der spirituelle Weg gegangen werden sollte. Denn ist die angeborene Grundhaltung erst einmal in all ihren Facetten erkannt, wird man sehen, dass nicht jeder Mensch den Weg auf gleiche Art und Weise gehen kann, sondern jeder vor allem erst einmal den Hauptschwerpunkt der eigenen Persönlichkeit ganz individuell bearbeiten und in Zukunft beständig berücksichtigen muss.

Wirklich JEDE Bemühung kann vereitelt werden, wenn man seinen persönlichen Schwerpunkt nicht kennt. Da hilft dann nur noch die ständige Gegenwart eines spirituellen Lehrers, um diese Einwirkungen beständig anzumahnen und durch Hilfe zur Bewusstwerdung zu korrigieren. Das Glück hat aber nicht jeder! Im Studienbrief 6 wird übrigens sehr intensiv an diesem Thema gearbeitet!

 

Besonders zwei grundlegende Typen sind sehr gefährdet, wenn sie sich nicht erkennen und bewusst damit zu arbeiten lernen:

 

A. Das zornige Temperament

ist am schwierigsten zu bemeistern. Die Schwingung eines solchen Menschen ist stechend, wie von Brennnesseln, und durchdringt alles, was dieser Mensch tut. Selbst in Friedensmomenten kommt diese stachelige und brennende Energie zum Tragen und wird alles, was man aufgebaut hat, durchlöchern, durchdringen und zurückdrängen. Menschen spüren Zorneswerke instinktiv und weichen angstvoll zurück. Werke aus Zorn erschaffen sind oft mit Verurteilung, Strafe und rigoroser Strenge verbunden, weshalb dieses Temperament auch zu den dunklen und wirklich gefährlichen zählt. Hier muss unter Umständen viele (!) Jahre - vielleicht sogar Jahrzehnte - lang an Akzeptanz, Gelassenheit, Vergebung und Friedfertigkeit gearbeitet werden, bevor die ersten wirklich spirituellen Erfolge eintreten können. Der Rückzug von der Welt in das Alleinsein ist bei diesen Menschen keine spirituelle Klausur, sondern eine negative und verbitterte Abgrenzung, die auf Härte, Verurteilung und Ablehnung basiert.

 

B. Das melancholische Temperament

wird meistens von medialen und sensitiven Menschen zum Ausdruck gebracht, die sich wehrlos und machtlos erleben. Sie ziehen sich schnell zurück in traurige Gefilde und vermeiden möglichst Kontakte, die anstrengend oder herausfordernd werden. Diese Menschen schwelgen oft in unerfüllten Sehnsüchten und in Zuständen der Trauer, die sie abhalten, einen konstruktiven spirituellen Weg zu gehen, der auch durch Taten erkennbar ist. Die Gefahr hier ist, in der Schwäche zu verharren und auf dem Weg der Erlösung stehenzubleiben, um resignativ und hoffnungslos zu verweilen. Die Schwingung dieser Menschen macht schwindelig und ermüdet, laugt die Mitwelt und die Werke aus, sodass nichts wirklich Klares und Reines erschaffen werden kann, sondern alles wieder wie in einem Morast versinken und der Auflösung zugeführt wird.

Diese Menschen müssen zunächst Mut und Tatkraft lernen, und in ihrer Ausdrucksstärke und Kreativität kraftvoll nach außen treten! Vorher hat auch hier ein wirklich spiritueller Weg keine Chance, da man sich in medialen Gefilden verankert und den Einflüssen aller in der Welt wirkenden Kräfte hilflos ausliefert, weshalb nur noch die Flucht bleibt. Ein Rückzug unter diesen Gesichtspunkten ist KEINE spirituelle Klausur, sondern Überlebensnotwendigkeit eines schwachen Charakters, der Schwierigkeiten und die damit verbundenen Enttäuschungen nicht oder nur sehr schwer überwinden kann.

 

Es gibt noch eine Mischvariante beider Typen, die quasi als innere Polarität auftritt. Dieser Typus tritt am häufigsten auf dem spirituellen Weg auf und schwankt zwischen beiden Extremen hin und her, bis eine Heilung und gesunde Synthese erreicht wurde. Dieser Typ ist besonders interessant, da die Bemühungen, die dem Typ B empfohlen werden, um aus der Situation erlöst zu werden, in das aggressive Vorgehen des Typs A einmünden könnten. Hier ist vor allem ein gesundes Gleichgewicht anzustreben aus den Aufgaben, welche Typ A und B zu ihrer Erlösung anwenden sollen.

 

Nicht so gefährdet, aber sehr anfällig für Illusionen und Täuschungen aller Art ist der nachfolgende Typ:

 

C. Das oberflächliche Temperament

ist in seinen Auswirkungen nicht ganz so riskant wie die beiden vorgenannten, doch kann es durch seine mangelnde Ernsthaftigkeit in Schwierigkeiten geraten. Heiterkeit, gute Gefühle und Amüsement sind wichtig, weshalb gern alles, was anstrengende innere Nachforschungen erforderlich macht, vermieden wird.

Hier findet man die schwärmerischen und emotionalen spirituellen Menschen, die sich noch ganz am Anfang befinden und vor allem danach trachten, ihre Spiritualität zu feiern mit anderen Menschen oder sich ansonsten im materiellen Alltag zu verlieren suchen. Hier reicht es, glaube ich, wenn man das als spirituelles Anfängerbewusstsein bezeichnet, um diesen Menschen einen Ansporn zu geben. Ob solche Menschen sich zu konzentrieren lernen und zu einem ernsthaft strebenden spirituellen Menschen entwickeln, hängt wohl auch von ihrer Bestimmung ab, die sie dann zwangsweise in schwierige Prüfungen hineinziehen wird, wo sie alle Konzentration aufzubringen lernen müssen, derer sie fähig sind.

 

 

3. Aber auch der Faktor der "Doppelgesichtigkeit" muss hier angesprochen werden, denn er ist nicht zu unterschätzen und kann tatsächlich jegliches Streben und jede Bemühung zunichtemachen, selbst wenn man vordergründig und offenkundig jedes Gebot befolgt und die Tugenden einübt.

Doppelgesichtigkeit entsteht dann, wenn man nicht ehrlich ist, oder wenn man sich verschiedenen Menschen gegenüber jeweils anders verhält: bei reichen und mächtigen Menschen ist man freundlich und devot, bei armen und unbedeutenden Menschen streng und missachtend, und so fort. "Doppelgesichter" spielen ein falsches Spiel, wollen unbedingt ihre eigenen Ziele durchsetzen und neigen dazu, andere Menschen oder Organisationen als Spielfeld zu benutzen, um sich selbst zu verwirklichen oder durchzusetzen.

Das sollte ein Mensch doch merken?

Nein, leider und aus unerklärlichen Gründen tun nicht alle Menschen mit diesen Anlagen das. Sie spalten ihr Bewusstsein auf, und nur so schaffen sie es, z.B. ein hohes Kirchenamt innezuhaben und gleichzeitig ihre krankhaften sexuellen Neigungen auszuleben. Oder vordergründig tugendhaft zu sein, und hintergründig intrigant und egoistisch. Ganz furchtbar schlimm ist es für diese Menschen aus spiritueller Sicht, da sie wirklich ernsthaft glauben, spirituell zu sein, und meistens glauben sie auch wirklich an Gott. Aber ihren Schatten nehmen sie nicht wahr, weshalb kein authentischer einheitlicher Charakter, den es braucht als Grundlage auf dem spirituellen Weg, zu erschaffen möglich ist.

Solche Menschen schaffen es wahrscheinlich niemals, sich wirklich in Einklang zu bringen und damit ihr Denken, Fühlen und Handeln so innig eins werden zu lassen, um einen KANAL zu bilden, denn einen wesentlichen Teil ihrer selbst können sie gar nicht erfassen und somit auch nicht ausgleichend integrieren. Ihr Hauptthema in diesem Leben ist es, bedingungslose Ehrlichkeit zu leben und auf jedes falsche Spiel und jede Doppeldeutigkeit zu verzichten. Doch dazu braucht es die Bereitschaft, auch sehr schmerzhafte Phasen der Selbsterkenntnis durchzustehen, was nicht unbedingt leicht zu handhaben und zu verkraften ist. Dann halte ich es für möglich, eine Umkehr einzuleiten, aber nur dann. Meistens ist das nur mit einer langjährigen therapeutischen Hilfe zu bewältigen.
Man muss leider davon ausgehen, dass gerade in der "spirituellen Welt auf Erden" viele "Doppelgesichter" unterwegs sind. Das ist ein trauriges Kapitel, vor allem für diejenigen, die sich selbst damit täuschen. Daher rate ich wirklich jedem (!), sich mindestens einmal im Leben gründlich zu hinterfragen und wirklich alles, was man tut und lebt, dahingehend zu prüfen, ob man es öffentlich bekannt geben könnte in dem Wissen, dass es zum gewählten spirituellen Ziel und dem "Gesicht" passt, das man öffentlich haben möchte.

Diejenigen Doppelgesichter, die wissen, dass sie es sind, wandeln ohnehin nicht auf dem spirituellen Weg, sondern auf ihrem eigenen. Die gibt es überall auf dieser Welt, und sie werden irgendwann mit dem leben müssen, was ihnen das als Ernte einbringen wird.

 

Am Ende ist man als Mensch selbst doch wieder das Zünglein an der Waage, das entscheidet, wie man umgeht mit den diversen Erfahrungen, Einflüsterungen, Visionen und Träumen, und welche Wirkungen daraus erwachsen. Von daher ist die Anwendung der spirituellen Regeln und Gebote ein wichtiger Halte- und Ankerpunkt, der selbst bei Fehlern und nach harten Phasen der Selbsterkenntnis schnell dorthin zurückführt, wo der Weg weitergeht. Der Faktor der Selbsterhöhung ist auf dem spirituellen Weg immer noch der gefährlichste, weshalb all die oben genannten Risiken auch nur solche Menschen dauerhaft zu schädigen in der Lage sind, bis sie ihre „Dünkel“ abgelegt haben.

Ein gereinigter und bescheidener Mensch wird wohl selbst eher als erstes anzweifeln und gründlich alles hinterfragen, bevor er wagt, etwas als höhere Kundgabe des göttlichen Geistes zu bezeichnen. Wichtig ist letztlich, dass man auf die Botschaft selbst schaut, und darauf, was sie aus einem macht. Nur so kann man Sicherheit gewinnen und den vielfältigen Fallen, die das Leben zur Seelenprüfung aufstellt, elegant ausweichen.

 

Manuela Schindler,

Mai 2018