I. Leben mit GOTT: Der Phoenix-Weg

 

von Manuela Schindler (C) 2017

 

Dieser Text ist die Fortsetzung zur einleitenden Aufsatzreihe "Die erlösende Spiritualität - Leben mit Gott" , die auf der Seite Schriften dieser Homepage zu finden ist.

 

 

 

Einleitung

 

Jede spirituelle Tradition, die auf Gott aufbaut und mit ihm direkten Umgang hat, hat ihre Regeln und Gebote. Da das weltliche Leben in vielerlei Hinsicht anders ist als ein Leben der innigen Gottesverbundenheit, trennen sich hier tatsächlich die Wege der Seelen. Was für Weltmenschen vergnüglich, gesund und nützlich ist, kann einem spirituellen Menschen durchaus schon schädlich sein.

Dass die allgemeinen religiösen Gebote dazu dienen, den Weltmenschen Halt, Orientierung und Sicherheit auf ihrem Lebensweg zu geben, ist allerdings unumstritten, doch sind weitere Vorschriften außer der zum Erhalt der Ordnung innerhalb der Gesellschaft verfassten Gesetze in der Regel nicht erforderlich. Gesetz und Gebot sind durchaus ausreichend, einem (spirituell orientierten) Weltmenschen zu einem glücklichen und sinnvollen Leben zu verhelfen. Daher hat es sich Phoenix zur Aufgabe gemacht, das öffentlich mit allen Konsequenzen zu vertreten, und auf Anfrage auch gern näher zu erläutern, da uns die esoterischen Hintergründe und Folgewirkungen bei Nichteinhaltung bekannt sind.

Doch gibt es gravierende Unterschiede zwischen der Lebensform der (spirituell orientierten) Weltmenschen und der "nur" spirituellen Menschen, die von weltlich ausgerichteten Psychologen oft falsch eingeordnet werden, und selbst dem spirituellen Menschen manchmal Angst machen, wenn er erkennen muss, dass die scheinbar harmlosen Vergnügungen der Weltmenschen für ihn sogar gefährlich sein können, wenn er sich zu sehr darauf einlässt.

Dazu zählen z.B. Besuche von Volksfesten und lauten Veranstaltungen, Massenveranstaltungen und alles, was laut, bunt und aufdringlich ist. Wenn man erkennen muss, dass die vermeintlich harmlosen und lustvollen Vergnügungen der Welt einem spirituellen Menschen gefährlich werden und trügerisch sind, wird es mitunter sehr schwierig. (Da hier die Interessen absolut gegensätzlich sind, wird in der Regel die Spiritualität zugunsten des rein materiellen Lebens unterwandert und geschwächt.)

Um den Scheideweg zu verdeutlichen, wurde dieser zusammenfassende Text, der einzelne Begriffe eines spirituellen Weges ausführlich behandelt, verfasst. Es geht nicht um blinde und unreflektierte Regeltreue und darum, sich zu etwas zu zwingen, wozu man noch gar nicht bereit ist, sondern allein um die Ausrichtungen und möglichen Veränderungen, die auf dem spirituellen Weg eintreten, um sie erkennen und zuordnen zu können. So vermeidet man Angst, wenn man merkt, dass man sich immer mehr vom (spirituell orientierten) Weltmenschen hin zu einem nur noch spirituellen Menschen verändert.

Die Sorge, die in solchen Momenten aufkeimt, ist nicht zu missachten! Sie zeigt auf, dass man nun beginnt, ganz anders zu leben, sich dabei sehr zu verändern und in eine größere Freiheit einzutreten beginnt, und dass man sich in solchen Momenten bewusst erneut entscheiden muss, wohin der Weg führen soll.

Der Weg zu Gott und in die Heimat hat keinen festen Fahrplan, baut aber auf den Erfahrungen derjenigen auf, die ihn bereits gegangen und alle damit verbundenen Ängste und Hindernisse erfahren und bemeistert haben. Er kann durchaus den Charakter eines Zickzackweges haben, vorwärts und zurück führen, doch wenn die Ausrichtung und die Haltung stimmen, wird man durch Gottes Hilfe letztlich trotzdem kontinuierlich vorwärts kommen. Da der Mensch bekanntermaßen diesbezüglich ohnehin nichts aus eigener Kraft und allein schaffen kann, ist schon der Weg das Ziel zu einer größeren Gottesnähe. 

Das ist das größte Geschenk, welches man erhält auf dem Weg: trotz aller Prüfungen und Schwierigkeiten, Veränderungen und großen Loslass-Momenten weiß man, dass er da ist, Anteil nimmt und auch schon mal eingreift, wenn es erforderlich sein sollte.

 

 

1. GOTT

 

Gott ist Gott, es gibt ihn nur einmal. 

 

Er hat viele Attribute und ist in seiner Art und Gesamtheit vom Menschen nicht als Ganzes zu erfassen. Daher nähert er sich den Menschen unterschiedlich an, nach Art ihres Bewusstseins und an dem Reifestand des Einzelnen hin orientiert. Der Glaube, dass es nur eine richtige Weise und einen richtigen Weg gibt, ist ein Irrglaube! Sicherlich gibt es viele Möglichkeiten der Täuschung, das ist mir wohl bekannt, doch vermag er durchaus seine Gegenwart und Nähe zum Menschen so zu präsentieren, dass keine Zweifel mehr aufkommen können! Daher lässt der Phoenix-Weg auch offen, wie jemand Gott anbeten möchte, welche Rituale und Gesänge er anwenden möchte, und wie er sein Leben gestalten will in der Gegenwart Gottes.

Deshalb kann der Phoenix-Weg auch nicht organisiert werden, da er allen Religionen Zutritt gewährt, sofern sie zum Frieden bereit sind und anerkennen, dass Gott sehr viel größer ist als die jeweilige Religion. Der Phoenix-Weg kann auch deshalb nicht organisiert werden, weil er durch die Freiheit der individuellen Gestaltung auch zulässt, dass vereinzelte Gemeinschaften und Gruppen ihre ganz spezielle Art entwickeln dürfen und sogar Verzerrungen geschehen können durch Überspitzungen, die aber nicht den Phoenix-Weg als Ganzes beeinflussen können, da dieser davon unberührt bleibt.

Die Spezifikationen der verschiedenen Religionen, die zum großen Streit und zu großem Elend auf dieser Welt führen, sind für den Phoenix-Weg NICHT relevant und bedürfen damit auch weder der Anerkennung noch der Ablehnung. In dem Wissen geborgen, dass der Eine ALLES kann, ist vor allem die eigene Erfahrung wichtig, allerdings müssen diese basierend auf den Werten des Phoenix-Weges gemacht worden sein. Da der Phoenix-Weg sich aber an Geboten und spirituellen Werten orientiert, die allen positiven religiösen und spirituellen Bewegungen zugrunde liegen, dürfte es hier keine unangemessene Sonderspezialisierung geben, die von den bereits anerkannten Grundwerten abweicht.

 

 

2. Die Wahl der Lebensausrichtung

 

Es gibt zwei große Lebensausrichtungen auf dieser Welt, zwischen denen ein Mensch wählen kann. Sicherlich ist die Wahl auch abhängig davon, inwieweit man überhaupt geeignet ist für den gewählten Weg, und ob man ihn als erfüllend erlebt.

 

Die erste Lebensausrichtung ist diejenige, mit der alle Menschen beginnen:

Die Weltorientierung.

Wenn man in die Welt kommt, lernt man zunächst, mit ihr umzugehen, sich in ihr zu bewegen und zunehmend Einfluss zu bekommen über das eigene Leben und das unmittelbare Umfeld. Die Jugendjahre sind bewegt von Sehnsüchten und emotionalen Antrieben, während man sich mehr und mehr entscheidet, wie das eigene Leben verlaufen soll, welche Ziele man wählt oder was man verweigern will. Allem ist gleich, dass es vorrangig um das Leben und die Ziele der Welt geht, und selbst die höhere Geistesbildung vor allem dazu dient, sich tauglicher zu machen für einen vergrößerten Einfluss, den man sonst nicht erreichen könnte. Geld, Macht, Streben nach weltlichen Idealen, Lebensglück, Gesundheit und ein langes Leben sind die Ziele, nach denen man sein Verhalten ausrichtet und wohin man seine Lebensenergien lenkt. Doch nicht für jeden Menschen ist diese Wahl erfüllend oder gar sinnvoll!

 

Die zweite Lebensausrichtung: Die Himmelsorientierung

entsteht entweder in den späteren Jahren aufgrund vielfältiger Reifungsprozesse und innerer Erkenntnisse, oder unabhängig vom Alter durch innere Berufung. Dann ist das Leben auf der Erde nur eine Zwischenstation auf der Reise in die endgültige „Heimat“, die sich beim Schöpfer der Welt und unseres Lebens befindet. Solche Menschen können durch das Leben auf der Welt keine Erfüllung finden und leiden meistens an der Lebensausrichtung der Weltmenschen, deren teilweise sorglose und nachlässige Lebensweise als großer Gegensatz empfunden wird.

Sie sind die „alten Seelen“, die ihre Aufgaben auf der Welt weitestgehend abgeleistet haben und sich bereit machen, alles hinter sich zurückzulassen, und zwar in bestmöglicher Qualität.

Himmelsorientierung betrifft diejenigen Menschen, die sich Gott sehr verbunden fühlen und jederzeit bereit wären, freiwillig und gern alles aufzugeben oder sein zu lassen, um seinen Wünschen zu folgen. Wobei ich natürlich einräumen möchte, dass Letzteres nicht immer auf Anhieb gelingt. 

 

Sie darf nicht verwechselt werden mit der Haltung derjenigen Menschen, die sich nur aus Überdruss, und weil das Leben und Arbeiten auf dieser Welt sehr mühsam und oft schmerzvoll ist, von der Welt abwenden. Sie fürchten Verletzung des Egos und scheuen die Mühe und den Einsatz für das qualitativ positive Leben auf der Welt, und werden deshalb oft auf dem aufwärtsgewandten Pfad der Spiritualität gefunden, obwohl sie dort grundlegend falsch sind. Doch täuschen sich diese Menschen, denn nicht das Scheuen von Arbeit und Mühen im Lebenseinsatz und im Umgang mit Menschen prädestiniert für diesen Weg, sondern das Erbringen der Leistung als Mitschöpfer für Gott, welches vollen Einsatz des ganzen Menschen, seines Lebens und seiner Mittel, und teilweise große Opfer einfordert. Nur so zeigt sich die wahre Gesinnung. Von daher ist es wirklich relativ leicht zu erkennen, ob jemand einfach nur flüchten will vor Unannehmlichkeiten, oder ob er wirklich berufen ist, die Welt nur als Dienstschauplatz und Zwischenstation mit dem Ziel der Heimkehr betrachten zu dürfen.

 

Aber auch bei den Verweigerern einer positiven Lebensweise befinden sich mitunter Menschen, die dennoch zur Himmelsorientierung berufen sind, nur wissen sie es oft nicht. Solange sie im Weltgeschehen gefangen sind, an das Elend der Welt und an die Sinnlosigkeit der Mühen des Lebens glauben, und weil es ihnen an Glaube und höherem Wissen mangelt, fehlt ihnen die geistige Perspektive, weshalb sie erst „aufgeweckt“ werden müssen. Dieses geschieht in der Regel durch sehr beeindruckende Ereignisse, sei es innerlicher oder äußerlicher Art, oder beides, sodass durch die aufkeimende Erkenntnis Gottes und eines höheren Sinns des Lebens die Bereitschaft erwächst, das Leben in eine zutiefst positive und fruchtbare Richtung hin neu auszurichten. In sehr seltenen Fällen und besonders extremen Fällen müssen die berufenen Verweigerer vom Leben erst so dermaßen in die Enge getrieben werden, bis nur noch eine Umkehr hilft oder (vermeintlich) der Tod. Das ist sehr schmerzhaft und quälend, doch in solchen Fällen die einzige Medizin die hilft, solche Menschen zu ihrer wahren Bestimmung und Berufung zu führen, wenn ihre Verweigerung sehr stark ist.

 

Man kann sich nicht selbst berufen!

Definitiv muss die Berufung entweder von innen her geschehen, sodass sie unzweifelhaft ist, oder wird ausgelöst durch starke - meist schmerzhafte oder besonders herausragende - Ereignisse, die keinen Zweifel mehr offen lassen. Verfolgt man Ziele auf der Welt, die der eigenen Bequemlichkeit und dem Erschaffen einer dauerhaften Komfortzone dienen, gehört man ganz sicher der Weltorientierung an. Weltorientierung schließt übrigens den Glauben an Gott grundsätzlich mit ein!

Man kann sich den Himmelsweg nicht kaufen, und selbst die vermeintlich ehrenhafte Entsagung aller Besitztümer zugunsten einer spirituellen Institution oder Idee kann eine Täuschung sein, da man möglicherweise versucht, Verantwortung abzugeben oder mit Gott um Schutz und Erleichterung innerhalb des eigenen Lebens zu feilschen.

 

Es ist wichtig zu erkennen, dass nicht wir Gott auswählen, sondern er uns! Da ihm alle Menschen gleich lieb und wichtig sind, ist sein Interesse bei der Berufung vermutlich an konkrete Aufgaben gebunden, die eben gerade DIESER eine Mensch am besten erfüllen kann, und dessen Arbeit somit vor allem Gottes Zielen dient, die gleichzeitig allen Menschen und der Schöpfung an sich nützlich sind.

Berufung führt auf keinen Fall in ein bequemes und leichtes Leben, da durch die zu erbringende Leistung ein enormer Druck aufgebaut wird, der ausgehalten und auch dauerhaft ertragen werden muss.

 

Normalität und Übernormalität

Der Weg der Himmelsorientierung ist definitiv nicht leicht zu gehen, und - wie oben schon geschrieben - erfordert er so manches Opfer, welches ein Weltmensch gar nicht erbringen kann, ohne dauerhaft todunglücklich dabei zu werden.

Er ist in vielerlei Hinsicht anders als ein normales Leben, was aber nicht bedeutet, die Normalität zu verurteilen, sondern sie als notwendige Lebensgrundlage anzuerkennen. Wer hingegen der Normalität entfliehen und ein „besonderes“ Leben haben will, der läuft Gefahr, sich grundlegend zu irren und in einen sehr gefährlichen Strudel zu geraten, der möglicherweise alle bisher erlangten Errungenschaften und materiellen Werte, die man eigentlich gut und sinnvoll nutzen sollte, aufzehrt.

Normalität mit all den darin befindlichen Pflichten, die der Lebensgrundlage dienen, ist die Basis, auf der sich alles Weitere aufbaut. Das bedeutet, dass man zu einem geordneten und fleißigen Leben in der Lage sein sollte, wenn man den Himmelsweg antritt, nachdem die Berufung dazu erfolgt ist. Weiterhin bedeutet es, mit den Werten und Sachgütern, die uns anvertraut wurden, pflegend und wertschätzend umzugehen, da sie gegebenenfalls einem höheren Zweck dienen sollen. (Siehe dazu vertiefend unter Punkt 3 - Von Besitz, Reichtum, Armut.)

Die nach und nach entstehende „Übernormalität“ ist im Grunde genommen nur eine höhere Form der Normalität, allerdings vom Anspruch und der Verantwortung her deutlich größer. Innerhalb der Normalität ist man vor allem für sich selbst, die unmittelbare Umgebung und den gewählten Interessen gegenüber verantwortlich, bei der Übernormalität hingegen dehnt sich die Verantwortung aus auf die ganze Welt. Dann ist Schöpfungserhalt ein wichtiges Kriterium der Arbeit, denn die Schöpfung ist zu erhalten und zu pflegen, damit diejenigen Seelen, die noch einen längeren Weg vor sich haben bevor sie heimkehren dürfen, wohl versorgt und angeleitet sind.

Dennoch darf die Weltsorge nicht so aufgestellt sein, dass sie in neue Gebundenheit führt! Abgelöstes Arbeiten im Wissen, dass man nur die Aufgaben erfüllt, die einem vorgeschrieben sind, ohne zu stark eigene Interessen dabei zu verfolgen, ist eine wahre geistige Kunst. Um das zu bewerkstelligen, gilt es wichtige Grundregeln und Empfehlungen zu beachten, die an anderer Stelle dieser Schrift zusammengefasst werden.

 

An der Scheidelinie zwischen Normalität und Übernormalität ist eine wichtige Aufgabe für Therapeuten und Seelsorger als Berater und Begleiter zu finden, denn der Übergang kann für die spirituell Strebenden erst gelingen, wenn die Normalität in der Qualität so angehoben wurde, dass das Leben in einer übernormalen Form - ohne Schaden zu nehmen - möglich wird. Das Leben der Gebote und spirituellen Regeln verhilft dazu, die Normalität nach und nach aufzuwerten, um dann den übernormalen Weg der höheren Verantwortung einschlagen zu können.

Der Text "Stufen des spirituellen Lebens" fasst sehr gut zusammen, wie dieser Übergang in den verschiedenen Abstufungen aussieht und welchen Herausforderungen man begegnet.

 

 

3. Der Hüter der Schwelle

 

ist eine Instanz, die einem mehrfach begegnen kann im Leben, und zwar immer dann, wenn es wichtige Grenzen zu überschreiten gilt. Es gibt in der Intensität der Begegnung mit ihm graduelle Unterschiede, die aber für denjenigen, der in diese Situation gerät, das höchste Maß des Aushaltbaren verkörpert. Daher ist es sinnvoll, ihm hier einen wichtigen Platz gleich am Anfang einzuräumen, damit die nachfolgenden Themen in diesem Text sogleich mit einem ganz anderen Bewusstsein gelesen und aufgenommen werden können.

Wenn man an die Geschichte von Luther denkt, der sein Tintenfass nach dem Teufel geworfen haben soll, weil dieser ihn bei der Arbeit an der Bibelübersetzung massiv behinderte, schmunzelt der Unwissende und glaubt, das sei eher metaphorisch zu verstehen und ein amüsantes Beiwerk, um die Geschichte unterhaltsamer zu gestalten. Das ist es aber nicht, im Gegenteil.

Wer wichtige Arbeit leistet, die der Spiritualität auf dieser Welt mehr Raum und Geltung verschaffen soll, gerät tatsächlich mit der Gegenkraft in einen Jahre andauernden heftigen Konflikt, der teilweise so grenzwertig ist, dass man es kaum fassen kann. Man ist auf jeden Fall nicht wirklich darauf vorbereitet, doch bleibt einem in der Regel keine Wahl, als sich der Situation zu stellen, wenn man nicht aufgeben und sich auf ein Lebens-Mittelmaß reduzieren lassen will.

Irgendwann steht jedem spirituell Strebenden diese Begegnung ins Haus, weshalb die Regeln und spirituellen Gebote ein gutes Mittel sind, dem Grenzen zu setzen und gegebenenfalls sogar auch ganz Einhalt zu gebieten, und die dafür erforderliche Stärke zu verleihen.

Da die beständig zunehmende geistige Freiheit ein wichtiger Faktor ist in einer spirituellen Lebensweise, kann gerade durch die Einschränkungen, welche Regeln und Gebote zunächst bewirken, eine wichtige disziplinierte Lebensgrundlage aufgebaut werden, die in der Lage ist, diese Begegnungen erfolgreich durchzustehen.

 

Wozu nun sind aber diese Begegnungen, die sich durchaus auch über Jahre durchgängig hinziehen können, gut?

 

- Sie sind eine besonders heftige Form der Prüfung, ob man „echt“ ist oder man doch noch bereit ist zu Mitteln zu greifen, die gegen alles verstoßen, was einem spirituellen Menschen wichtig und heilig ist.

 

- Es wird durch beinahe gnadenlose Übersteigerung alles verbrannt, was man an Erinnerungen und damit verbundenen Emotionen nicht allein loszulassen in der Lage ist;

 

- man wird behindert mit dem Vorsatz, dass man an Gott Forderungen stellen soll und dadurch Erwartungen von "Rechte auf Sonderbehandlung" entwickelt. Im Grunde erhält man durch diese Versuchung erst wirklich die Gelegenheit, Bedingungslosigkeit und freiwillige Opferbereitschaft zu entwickeln;

 

- alle Schwächen und Ängste werden aufgerufen und übersteigert, damit man gezwungen wird, sie zu überwinden;

 

- und so fort.

 

Diese Begegnungen finden statt in Träumen, im physischen Leben, körperlich, seelisch und psychisch, reizen das Ego bis zur Unerträglichkeit und können entweder phasenweise auftreten, wenn man dauerhaft und treu einen spirituellen Weg über Jahre hinweg geht, oder aktuell, wenn gerade ein Durchbruch geschehen will, den man als Etappensieg bezeichnen darf.

All diese Herausforderungen werden leichter bewältigt, wenn man vorher gelernt hat, sich mit den Geboten und spirituellen Regeln, so wie sie hier bei Phoenix  (und natürlich auch in anderen ernsthaften spirituellen Bestrebungen) vertreten werden, vertraut zu machen und das Leben mit ihnen einzurichten.

Der Hüter der Schwelle wird zunächst durch kleine Schwächungen und Versuchungen beinahe unbemerkt beginnen, genau das zu vereiteln, er wird den Willen schwächen, wo er nur kann, und jede kleine Lücke nutzen, um Negativität und Zweifel einzuschleusen. Das geschieht sowohl im Leben der Einzelpersonen als auch im Gruppengeschehen.

Allerhöchste Wachsamkeit ist hier vonnöten, denn es wird nie enden, solange wir auf der Erde sind. Bis zum Schluss ist die Gefahr des erneuten Fallens gegeben, zumal, wenn man den Hüter der Schwelle unterschätzt oder sich selbst überschätzt.

Tatsächlich sollte man sich eingestehen, dass er vom Grundsatz her der schlimmste Feind ist, den man sich vorstellen kann, der dazu auch noch wirklich alles (!) über einen weiß und dieses Wissen auch gnadenlos einsetzt, um seine Ziele zu erreichen. Nur die gemeinsam mit Gott bestrittenen Kämpfe haben Erfolg und führen zum Sieg; ein Ego allein - nur aus sich selbst heraus - wird es keinesfalls schaffen!

Mit dieser Einstellung wird man die nachfolgenden Regeln und Gebote, die Verhaltensempfehlungen und die wertvollen Umgangsratschläge ganz neu betrachten und ihnen einen noch größeren Wert verleihen.

Eines ist jedenfalls sicher: man wird sehr reif durch diese teilweisen schlimmen Begegnungen und wird frei von allem, was den normalen Alltagsmenschen heftig belastet und bedrängt. So kann man am Ende geläutert, frei und von sämtlichen Bürden entlastet alles zurücklassen und sich aufmachen in die endgültige geistige Heimat.

 

 

4. Die Unterscheidungen der Spiritualität

 

Es gibt einen großen Unterschied zwischen der Esoterik und der „echten“ Spiritualität, der sehr klar verdeutlicht, dass Esoterik, wenn sie als spiritueller Weg verstanden wird, bestenfalls in eine Pseudo-Spiritualität führt, die immer noch innerhalb der Schöpfung angesiedelt, und nicht mit dem Überschreiten der Schöpfungsgrenze und dem Heimgang in die wirklich geistige Welt zum Schöpfer verbunden ist. Dann wird die Esoterik zur Sackgasse, die eine erneute Umkehr und Neuorientierung einfordert.

Man kann durch die Esoterik sehr viel über die Mechanik und die das Universum lenkenden Gesetze lernen, sie sogar in einer gewissen Form mitschöpferisch ge- oder missbrauchen (wie uns Jesus und Buddha aufgezeigt haben), doch ist das alles in der Ausrichtung nicht wirklich spirituell, sondern materiell, wenn auch in immer feineren Abstufungen. Wenn man die Mechanismen der schöpferischen Manipulation beherrscht und sich innerhalb der Schöpfung bedienen kann, wie es einem beliebt, ist sogar eher das Risiko gegeben, abzudriften auf einen Weg, der mehr und mehr in die Schöpfung verstrickt durch unsichtbare Schulden, die man anhäuft, statt in einen Weg der Befreiung einzumünden. Dort gilt es, besonders wachsam zu sein und die Motive im Auge zu behalten. Sicherlich ist es nicht schädlich, um die Gesetzmäßigkeiten hinter der Schöpfung zu wissen und diese gegebenenfalls auch anzuwenden zum Nutzen aller, doch ist die Scheidelinie, die zur erneuten Gefangenschaft und Schöpfungsgebundenheit führt, wirklich sehr schmal.

Pseudo-Spiritualität verliert sich in den für die materiellen Augen unsichtbaren Gegebenheiten und meint, dass die Unsichtbarkeit berechtigt dazu, diesen Bereich als spirituell anzusehen. Da man aber z.B. Bakterien nicht mit bloßem Auge, sondern nur mit relativ neu entwickelten Mikroskopen zu sehen in der Lage ist, kann man verdeutlichen, was ich meine: dass sie deshalb nicht aus der Spiritualität in die Materie „gefallen“, sondern schon immer materiell gewesen sind. Genauso verhält es sich mit diversen Energien, die der Mensch heute alltäglich zu nutzen weiß, die in früheren Jahrhunderten aber zu großem Schrecken geführt haben und als höhere spirituelle Macht angesehen wurden.

Mediale Menschen können viele Dinge sehen, die andere Menschen nicht zu sehen in der Lage sind. Daher glaubt man, sie sähen spirituelle Dinge. Dass jedoch allein der Standpunkt und der Reifegrad eines Menschen darüber bestimmt, was für ihn spirituell ist und was nicht, ist ein wichtiger Tatbestand. Da wir sehr verschiedene Reife- und Wissensgrade auf dieser Welt haben, ist so eine bunte und in verschiedene Grade aufgeteilte spirituelle Welt entstanden, die jedoch mit der wahren Spiritualität, die selbst über diese Formen noch hinausführt, nichts gemein hat!

Trotzdem kann das Wissen der Esoterik - gepaart mit dem Ziel der Gottesnähe - sehr nützlich sein, vor allem dann, wenn man einen wissbegierigen Verstand hat und diesen nutzen will, um größere Verantwortung zu übernehmen. Die Religion von heute erfüllt den Wunsch nicht, forschend hinter den Vorhang der Schöpfung schauen und über die vertiefenden Gründe der Gebote - die über das Wohlverhalten weit hinausführen - nachforschen zu dürfen. Solange man dieses Wissen nicht dazu benutzt, um zu manipulieren, sich persönlich Vorteile zu erwirtschaften oder Ruhm zu ernten, sondern vor allem den Hilfs- und Beschützungsaspekt voranstellt, so lange kann diese Forschung nicht schädlich sein, es sei denn, man übertritt Grenzen, die auch in der Esoterik als notwendig erkannt wurden und gegen die Naturgesetze verstoßen.

 

 

5. Mäßigkeit

 

Die Mäßigkeit oder das „Maß halten“ ist vom Grundsatz her jedem spirituell Strebenden bekannt. Es erfüllt die wichtige Funktion, das Leben und die Mittel des Lebens weise zu gebrauchen, und gleichzeitig dem Risiko des Missbrauchs durch Unmäßigkeit oder überhöhte Forderungen zu entgehen. Im Grunde wird ein wirklich spirituell Strebender, der den Heimgang oder zumindest die enge Verbindung zu Gott sucht und lebt, nie wirklich der Unmäßigkeit verfallen, zumindest nicht dauerhaft; trotzdem soll an dieser Stelle ausführlicher erörtert werden, wie genau es sich damit verhält und welche Bereiche darin eingeschlossen sind.

Das in allen spirituellen Traditionen geforderte „Maß halten“ ist weit mehr als ein Gebot, sich nicht mit unnützen Dingen zu umgeben, nicht zu viel zu Essen, zu Schlafen oder generell etwas zu übertreiben, deshalb schließt es auch die Bereiche des Gefühlsausdrucks, der Arbeit, der Verweigerung und der Askese mit ein.

Ebenso wäre ein Untertreiben, das „Licht unter den Scheffel stellen“ (falsche Bescheidenheit), ein exzessives Nicht-Habenwollen, mangelnder Selbstausdruck und zu große Selbstunterdrückung schädlich, weshalb auch diese zum Bereich der Mäßigkeit gehören. Wenn restriktiv vorgegangen wird, hat es langfristig immer unangenehme Folgen und führt grundsätzlich zum Gegenteil dessen, was man erreichen wollte. Daher sieht der Phoenix-Weg, ähnlich wie es in der Lehre Buddhas zum Ausdruck gebracht wird, das rechte Maß als Mittel der Heilung an.

In monastischen und einigen anderen spirituellen Traditionen werden vor allem die Askese und die totale Strenge bis hin zur Selbstkasteiung im Einhalten der Vorschriften als Notwendigkeit gesehen, was ich aber nicht teile. Durch Übermaß und Unterdrückung werden im tiefsten Innern Emotionen aufgebaut in einer Intensität, die eher der schwarzen Magie und der Weltverstrickung dienen werden, wenn diese dann zum Ausbruch kommen. Im Grunde gilt für einen spirituellen Menschen die Freiheit zu tun, was immer man als richtig erkannt hat, im Einklang mit den Geboten. Mitunter ist es besser, gerade am Anfang, die kleinen lässlichen Sünden zu verzeihen, während man zur gleichen Zeit wirklich große und schädliche Handlungen sein lassen kann.

Es gilt, in den Stürmen des Lebens die richtige Mischung zu finden, die dabei hilft, ihnen standzuhalten. Dadurch wird eine Balance gewährleistet, die einen klaren Kopf zu bewahren hilft und die Gefühle schnell wieder zur Ruhe bringt. Jede noch so geringe Form der Unmäßigkeit trägt die Gefahr einer nachfolgenden Steigerung in sich, um so letztlich erneute Verstrickungen mit der Welt, und damit verbunden einen Verlust der bereits erlangten Freiheit, herbeizuführen.

Es scheint so zu sein, dass die Gewohnheit dazu in der Lage ist, die Unmäßigkeit zu kaschieren als Normalzustand, und nach jeder erfolgreichen Steigerung den Bewertungsmaßstab einfach nachzubessern. So kann es geschehen, dass man unbemerkt mehr und mehr abrutscht, und es wegen der Gewohnheit gar nicht mehr als Suchtverhalten und der damit verbundenen Unmäßigkeit erkennen kann.

Insbesondere die Gefühlswelt des Menschen ist ein Bereich, der in Bezug auf Mäßigkeit hinterfragt werden muss, denn man ist keinesfalls den Gefühlen ausgeliefert, wenn man es nicht will. Solange man sich damit vollständig identifiziert und  glaubt, man sei sie, statt zu denken, 'dass man sie nur hat, aber nicht ist', solange ist das Risiko gegeben, verhaftet zu bleiben an die niederen Ströme des Lebens, und dadurch schnell und mühelos von Gott und den hohen Zielen abgelenkt zu werden. Sicherlich ist dieses Wissen nicht neu, doch leider wird es oft nicht genügend berücksichtigt, sodass so manch ein guter Mensch vom Wege abgekommen ist und das erst sehr spät bemerkt, weil die Verstrickung bereits wieder schmerzhaft „gegriffen“ hat oder ihm Folgen seines Handelns präsentiert werden, die ihm die Augen öffnen.

 

 

6. Demut

 

Demut wird oft missverstanden als Ausdruck von Schwäche, und vor allem definiert durch die Haltung von Unterwürfigkeit, kein Profil haben zu dürfen, immer "Ja sagen" und widerspruchslos alles hinnehmen zu müssen, was einem aufgebürdet wird, sei es nun zu Recht oder nicht, und ähnliches dieser Art.

Tatsächlich verhält es sich aber ganz anders, denn das Wort „Demut“ als Sammelbegriff einer grundsätzlich positiven Haltung, die sich in vielen Facetten zeigt, versteht sich sehr viel umfassender und ist eigentlich die freiwillige Unterwerfung des Starken durch Einsicht und höheres Wissen. Sie wird erlangt durch Jahre der oft harten Selbsterkenntnis und dem Wissen, dass jeder einzelne Mensch ein kleiner Teil / eine Zelle einer viel größeren Geistesgemeinschaft ist, die man in der christlichen Religion als „Körper Christi“ bezeichnet.

Daraus begründet sich auch der Anspruch, dass man das, was man dem anderen Menschen tut, auch sich selbst antut, im Guten wie im Bösen. Hat man diesen höheren Zusammenhang verstanden und durch innere Schulung die Kraft erlangt, auf das Böse nicht gleich böse oder noch böser zu reagieren, ist man demütig. Ebenfalls erkennt man im Laufe der Zeit, wenn man den spirituellen Weg intensiv und ohne Wenn und Aber geht, dass man als Mensch trotz eines umfassenden Wissens eigentlich nichts oder nur sehr wenig weiß, und einer höheren Macht untersteht, die durchaus auch eigene Gedanken hat zum Lebensweg, den man einschlagen sollte und dem Schicksal, welches einen erwartet. Wenn man ernsthaft „Gott in uns“ und eine Gottesfreundschaft nach dem Motto "Dein Wille geschehe, mein Gott" leben will, gibt es Momente, in denen man seine Machtlosigkeit schonungslos erkennt, vor allem dann, wenn es um wirklich wichtige Dinge geht. Sich in solchen Fällen zu fügen, sich freiwillig ein- oder unterzuordnen ist dann sogar ehrenhaft, solange es um höhere spirituelle Werte oder direkt unter den Willen Gottes – oder eines von Gott angeleiteten Menschen, der höhere spirituelle Werte glaubhaft vertritt – geht.

 

Folgende Begriffe kann man unter dem Oberbegriff „Demut“ einsortieren:

 

Verständnis – Mitgefühl – Akzeptanz – Vertrauen in Gott – Freundlichkeit – Wahrheit – Notwendigkeit – Opferbereitschaft – Einsicht – Gehorsam – Treue – Hinnahme – Hingabe – Vergebung,   und so fort.

 

Damit könnte man behaupten, dass Demut eigentlich nur das Seinlassen von Bösem, Falschem, Egoistischem oder Rücksichtslosem ist, und zwar ganz bewusst und aus einer Haltung der Stärke heraus, die all diese negativen Impulse durch Einsicht blockieren kann! Die Kraft, das zu tun, ist nicht leicht errungen, denn der leichte Weg des geringsten Widerstandes, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, den Weg der Rache oder der Verweigerung zu gehen, ist den meisten Menschen näher und wird von ihnen oft sogar als Ausdruck der Stärke betrachtet. Damit ist unzweifelhaft klar, dass wahre Demut ein Ausdruck von großer Stärke ist, und nicht von falsch verstandener – und damit negativer – Unterwürfigkeit, die meist mit Angst, Berechnung und verdeckter Erwartungshaltung verbunden ist.

Demut aus Einsicht, das ist die Forderung auf dem spirituellen Weg, die es zu verwirklichen gilt. Das gilt besonders für den Phoenix-Weg, denn ansonsten wird man ihn nicht durchhalten können!

 

 

7. Von der Arbeit

 

Wir müssen alles tun, was wir können, aber am Ende steht das Vertrauen auf Gott. 

Ignatius von Loyola 

 

Zu diesem Thema existieren bereits einige Schriften und Aufzählungen, die hier vorangestellt werden und ergänzend gelesen werden sollten:

 

1. Grundsätze: Achtsamkeit bei der Arbeit;

2. Thema Achtsamkeit: Regeln für unsere Berater (betrifft vor allem die beratend tätigen Mitarbeiter innerhalb 

    von Phoenix);

3. Achtsamkeit im Umgang miteinander

4. Bildung einer Gruppe: Anforderungen (Erfahrungsbericht);

5. Energetische Gruppengesetze (aus der Esoterik);

6. Empfehlungen: Achtsamkeit im Umgang miteinander (Arbeit mit dem Ego)

7. Achtsamkeit im Umgang mit Schutzbefohlenen (nur in der PDF-Schrift, nicht auf dieser Homepage)

8. Achtsamkeit im Leben: Die Phoenix-Regeln

9. Die Reinheitsgebote (Markierungspunkte des spirituellen Weges)

 

Die oben genannten Texte, Aufsätze und Regelwerke beziehen sich vor allem auf die Zusammenarbeit in Gruppen und intern im Miteinander, oder auf den Umgang mit Klienten und den Erfordernissen, die man als spirituell strebende Einzelperson "abarbeiten" sollte.

Doch gibt es darüberhinaus noch einiges mehr zum Thema Arbeit zu sagen, denn hier scheiden sich in den verschiedenen spirituellen Traditionen die "Geister". 

Dieser Text beansprucht ohnehin nicht, alle spirituell strebenden Menschen anzusprechen, sondern gilt nur für diejenigen, die sich dem befreienden Phoenix-Weg verbunden fühlen. Es gibt viele Wege zu Gott, und dieser ist ganz sicher nur einer davon, weshalb jeder für sich selbst schauen muss, ob es im tiefsten Innern übereinstimmt.

 

Die Schwierigkeit auf dem Phoenix-Weg ist, dass man nicht - wie es der normale Mensch tut - zeitlebens kontinuierlich materielle Werte anhäuft, sondern alles Angesammelte ab einem gewissen Stadium "anzündet" zwecks Läuterung und Befreiung. Dieser Prozess wird vom Schicksal und von der geistigen Führung ausgelöst, und anfangs als mitunter sehr schmerzhaft empfunden. Nach einer solchen Läuterungs- und Erkenntnisphase, die meistens mit einer tiefgehenden Wandlung endet, schaut man auf das, was übrig geblieben ist und erkennt es als Grundsubstanz für den nächsten Lebensabschnitt. Entsprechend des Grades der Bemühungen und des Einsatzes hat man viel oder wenig, oder man verliert sogar alles und muss sich ganz neu ausrichten lassen. Letzteres ist aber eher selten und betrifft vor allem diejenigen, die sich erst durch karmische Altlasten und sehr schwierige Lebenslagen durcharbeiten müssen. Dann wird das totale Loslassen am Ende eher als Glück empfunden, auch wenn man zunächst mit leeren Händen dasteht.

Nach einem solchen Prozess hat man in der Regel zwar vielleicht deutlich weniger äußere Attribute vorzuweisen, dafür aber sehr hochwertige und wertvolle! Aus Blei Gold zu machen ist ein mystisch- alchemistischer Prozess, der den Phoenix-Weg durchaus passend bezeichnet. Emsig und fleißig zu arbeiten und das Baumaterial für den nächsten "Brand" zusammenzutragen, um am Ende womöglich alles loslassen zu müssen, ist ein Grunderfordernis, welches man auf dem Weg der Befreiung eingeht! Wer also eher nach beständigem materiellen Wachstum strebt, für den ist der Phoenix-Weg garantiert nicht richtig und schon gar nicht bekömmlich!

Da man ohnehin ab sofort nicht mehr nur für sich selbst oder seine eigene Familie, sondern für Gott und in 2. Linie für die Schöpfung arbeitet, ist eine Haltung der Hingabe und des Loslassens der Erfolge, des liebenden Dienstes und des Opfers beinahe normal. Nicht an jedem Tag hat man die gleiche Lust und Laune, und gerade wenn es schwierige Wegstrecken zu passieren gilt, man scheinbar ohne Erfolg oder sichtbare Ergebnisse hart arbeitet, ist dieser Gedanke wichtig und sehr unterstützend: Für wen arbeite ich gerade? Fleißig sein, sich Mühe zu geben und nur das Beste von sich hervorzuholen, um das aufgetragene Werk in der höchstmöglichen Qualität zu verwirklichen, sind die mit dieser Form der Arbeit verbundenen Werte.  Nur so kann man das gefährliche Murren, welches Gegenkräfte anzieht, vermeiden.

Nun wird in einigen spirituellen Lehren der Weg der Arbeit in verschiedene Kategorien eingeteilt (aktiv - passiv), doch allen ist innewohnend, dass es um Qualität geht, egal, welchen Weg man geht. Auch kann die Form der Arbeit im Laufe der Jahre kontinuierliche Veränderungen erfahren, doch wird ganz sicher vor allem die Verantwortung steigen, proportional zu den spirituellen Einweihungen, die man erhalten hat.

Letztlich kann ein fruchtloses Leben in Askese, ohne Einsatz für die Weltgemeinschaft oder nur für Gott (was meistens wieder die Weltgemeinschaft einschließt) nur als sinnlos und möglicherweise als Egofalle betrachtet werden. Bisher hat noch jeder wirklich große spirituelle Lehrer beachtliche Abdrücke in der Spur des Lebens hinterlassen und sich nachweislich gegen Askese und Rückzug ausgesprochen, und das vor allem bewiesen durch sein eigenes Leben. Von daher ist klar, dass Trägheit, Langsamkeit (im trägen Sinne), Lustlosigkeit, Selbstgenügsamkeit und Faulheit auf dem Phoenix-Weg NICHTS verloren haben.

Wenn man sich die größte Mühe gibt, und doch eine lange Zeit scheinbar wirkungslos arbeitet, dann muss man loslassen. Die Arbeit für Gott ist oft langwierig und erfordert ungeheure Geduld seitens der arbeitenden Person. Seine Arbeitsschritte sind oft schwer durchschaubar, man arbeitet oft an scheinbar verschiedenen Baustellen, doch wenn dann das bis dahin unbegreifliche Stückwerk plötzlich zusammengefügt wird, erlebt man beinahe so etwas wie einen Schock: man sieht die Größe und Reichweite, die man in den einzelnen Arbeitsabläufen keinesfalls auch nur ansatzweise erahnen und schon gar nicht planen konnte!

 

 

8. Von Besitz, Reichtum und Armut

 

In unserer Grundregel  Nr. 6 im Regelwerk „Achtsamkeit im Leben – Die allgemeinen Phoenix-Regeln“ steht zum Thema:

 

6. In vielen alten spirituellen Traditionen gilt das Gebot der Armut für spirituell Strebende,

was aber nicht bedeutet, nichts haben zu dürfen, sondern lediglich den Besitzanspruch an weltliche Güter insofern loszulassen, als dass er auf Gott zu übertragen ist. Geld und materielle Mittel sind gute Diener, die unsere Arbeit und unser positives Wirken in der Welt konkreter machen können, sie sind jedoch nicht Mittel zum Selbst-Zweck und zur Anhäufung. Hier gilt immer noch das Gebot, dass derjenige, der ernsthaft auf dem spirituellen Weg auf Gott konzentriert ist, alles das erhalten wird, was er braucht. Unsere Erfahrungen der letzten Jahrzehnte bestätigen dieses ausdrücklich!

 

Die Grundidee bei den alten Lehren, die Armut zu predigen, war vor allem, den persönlichen Besitzanspruch des Menschen an die Güter und materiellen Werte dieser Welt aufzulockern. Denn allein schon durch das Wissen um die Endlichkeit des eigenen Lebens wird unmissverständlich klar, dass man alle Güter dieser Welt nur leihweise zur Verfügung gestellt bekommt, und sie irgendwann, spätestens beim Verlassen dieser Welt, weitergeben und loslassen muss. Selbst wer glaubt, sich alles erarbeitet oder erkämpft zu haben, muss dennoch grundsätzlich die Leihgabe dahinter erkennen!

Da die Gefahr besteht, sich mit dem Besitz persönlich zu identifizieren und daraus eine Lebensform der persönlichen Aufwertung, der Selbstsucht und der absoluten Eigennützigkeit zu Lasten anderer Menschen und der Welt zu erschaffen, ist es als riskant angesehen worden, reich oder auch nur wohlhabend zu sein als spiritueller Mensch. Der Grundgedanke dahinter war, dass durch die enormen Versuchungen, die sich im Besitzen und Habenwollen verbergen, ein wahrhaft spirituelles Leben nach und nach zwangsläufig vereitelt werden muss. „Man kann nicht zwei Herren gleichzeitig dienen“, so steht es in der Bibel. Und dem ist uneingeschränkt Recht zu geben, denn wer anhäuft, um zu besitzen, hat in der Regel seine gesamte Konzentration darauf gerichtet, muss es sogar. Man kann an vielen Beispielen in der spirituell-menschlichen Erfahrungswelt sehen, WIE schwierig das Ganze werden kann. (Siehe dazu bitte auch den Film „Das Imperium der weißen Mönche“.)

Wer sich aber als Verwalter von Gott anvertrauter Güter sieht, sie sorgfältig verwaltet und zur Verwirklichung edler Ziele einsetzt, kann durchaus sicher sein, dass es ihm dienlich ist. Allerdings ist hier immer wieder das Augenmerk darauf zu richten, welche Ausrichtung man lebt, denn den Gütern und dem Besitz ist es leider innewohnend, einen Menschen, der nicht wachsam um die Gefahren weiß, gefangen zu nehmen und in ihren Bann zu schlagen. Dann werden Werte und Gebote nach und nach vernachlässigt, und der Satz "Der Zweck heiligt die Mittel" beherrscht fortan das Tun, was zwangsläufig in die Gegenrichtung führt.

Deshalb aber alle Güter und Besitzungen lieblos zu behandeln oder gar zu verschenken, beschwört auch wieder eine fragwürdige Situation, wie bereits im 1. Abschnitt „Lebensausrichtung“ angedeutet wurde. Je mehr man besitzt, desto mehr ist man zur Wachsamkeit aufgefordert, und wenn man sinnlose Wünsche der Anhäufung bei sich feststellt, ist dieses intensiv zu bearbeiten und sich ggf. dabei Hilfe zu suchen, damit daraus keine erneute Bindung an die Welt entsteht.

 

Deshalb ist es auch sehr wichtig, sich mit dem Thema „Spenden oder sonstige Zuwendungen an Phoenix“ auseinanderzusetzen, denn Geld oder Zuwendungen haben die innewohnende Tendenz, Erwartungshaltungen der Geber zu schüren, sodass die Arbeit in Freiheit für die hohen spirituellen Ziele erschwert oder gar verhindert, und die Interessen der Geldgeber in den Vordergrund gestellt werden können.

Daher sind im Zweifelsfall die Spenden oder Zuwendungen lieber abzulehnen, wenn man diese Tendenzen beim Geber wahrnimmt oder man ein unklares Gefühl hat diesbezüglich. Auch sollte man schauen, ob das Geld gerade wirklich gebraucht wird, ob es eine klare Zielsetzung gibt dafür und etwas im Sinne Gottes bewirkt werden kann. Angehäuft werden darf es bei Phoenix nicht, oder nur bis zu einer bestimmten Menge, sodass es keine Probleme gibt mit staatlichen Interessen. Schon die mit dem Geld und den Gütern verbundenen Auflagen auf dieser Welt sollten Phoenix nicht belasten, sondern im Privatbereich der einzelnen Mitglieder und Mitarbeiter verbleiben. Deshalb ist es eine Notwendigkeit, Phoenix frei zu halten von der Gründung einer Organisation oder ähnlichem, da die gesellschaftliche Anbindung zur Erfüllung von Pflichten und Auflagen führt, die von der eigentlichen spirituellen Arbeit für Gott mehr und mehr wegführt.

Das gilt eigentlich auch für alle anderen Unternehmungen, die einen spirituellen Sinn verfolgen. Von daher ist der Aufbau großer Institute, wirtschaftlich durchorganisierter Religionen und ähnliches eher zweifelhaft.

 

 

 

9.  Die Erkenntnis des "richtigen" Lernens

 

Im Laufe der Zeit entdeckt man, dass das "richtige" und erfolgreiche Lernen nur funktioniert, wenn die innere Bereitschaft vorhanden ist, die erlernten Wissensbausteine durch Verwirklichung im Alltag zu realisieren (damit man sich selbst deren Wirksamkeit beweist), um aus den Erfahrungen, die man dann gemacht hat, automatisch das verbindende seelische Element extrahieren zu können, welches Wachstum bewirkt und so die Lehre erst vervollständigt und abrundet. Dann wird ein Kreis geschlossen, der das Außen und das Innen in Einklang bringt und zu Fortschritten führt.

Nur durch äußere Lehrer die Botschaften aufzunehmen, um dann entdecken zu müssen, dass sie nicht greifen oder sich nicht automatisch innerlich verfestigen, ist total frustrierend und wird auf jeden Fall eintreten, wenn man das nicht beherzigt. Das gilt bereits bei normalen materiellen Angelegenheiten, aber noch sehr viel mehr auf spirituellen Wegen.

Damit ist deutlich aufgezeigt, dass das beständige Lernen nur über einen äußeren Lehrer – wenn das innere „Echo“ und die Bereitschaft, das Gehörte konsequent umzusetzen fehlen -, in der Regel auf Dauer völlig wirkungslos ist.

Dann stellt man schnell fest, dass man nicht nur nicht weiterkommt, sondern sogar sehr weit zurückfallen kann, wenn der Zugriff auf den Lehrer eingeschränkt oder gar zeitweilig ganz ausgesetzt wird. Das Problem bei der Belehrung nur durch das äußere Wort ist, dass der Schüler zwar die Energie der Worte aufnimmt und sich für den Moment gesättigt, angehoben und getragen fühlt, das Ganze aber durch mangelnde Umsetzung nur „verdaut“ wird und keine nachhaltigen Wirkungen, sondern stattdessen Hunger nach mehr, hinterlässt.

Das kann sogar so schlimm werden, dass man bei längerer Abwesenheit des Lehrers Entzugserscheinungen (psychisch und teilweise sogar körperlich) bekommen kann, die darauf hinweisen, dass man von regelmäßiger Zufuhr der geistigen Energie des Lehrers abhängig geworden ist. Eine schlimme Situation auf dem spirituellen Weg, die heftige Krisen auslösen kann und wird! Es gibt noch viel mehr Facetten dieser Situation, die hier aber nicht näher beleuchtet werden sollen. 

Ein großes Problem entsteht dann daraus, wenn der Schüler zum nächsten Lehrer läuft, statt die bis dahin erhaltene Lehre nun selbst Schritt für Schritt gewissenhaft nachzuarbeiten und erst durch die Umsetzung und der daraus resultierenden Erfahrungen alles zu seinem seelischen Eigentum macht.

Aus diesem Grund muss der äußere spirituelle Lehrer irgendwann mehr und mehr zurücktreten, da er sonst das Wachsen des Schülers verhindert und so die oben genannten Abhängigkeiten mit erschafft, die schwere seelische Schäden am Schüler bewirken können. Jeder gute spirituelle Lehrer MUSS seine Schüler zeitweilig alleine lassen, manchmal sogar mehrere Monate oder Jahre, damit sie durch den dadurch entstehenden Druck in eine größere Reife eintreten und einen Durchbruch zum inneren Lehrer (dem Höheren Selbst - Gott in uns) erlangen können.

Hat man als spiritueller Schüler diese Erkenntnis gewonnen, geht man zukünftig das Lernen und Umsetzen ganz anders an:

 

A. Man gleicht die augenblickliche Herausforderung ab mit dem, was im Inneren dazu als Lösung oder Arbeitsvorschlag angelegt ist. Hat man keinen inneren Zugang (das geschieht gerade am Anfang, wenn der äußere Lehrer nicht mehr greifbar ist und man das Gelernte nun eigenständig verwenden soll), muss man durch innere Erforschung der Motive und Beweggründe – geprüft und gegebenenfalls umgearbeitet durch die Ethik und Gebote - , durch Bitte und Gebet, und durch den tiefen Willen, das Werk tun zu wollen, diese Blockade mit aller Kraft durchbrechen.

 

B. Man erkennt, dass der wahre Lehrer im Inneren wohnt und verbindet nun das äußere Leben mit dem inneren Lehrer. So entsteht ein Rhythmus von Impression, der angepasst an die tatsächlichen Erfordernisse des Lebens und den Aufgaben des Schülers und seiner Aufnahmefähigkeit arbeitet. Wenn jedoch egoistische Motive den Weg beständig blockieren, weil man lieber Anleitung von außen möchte, verzögert man den wahren spirituellen Weg gewaltig.

 

C. Am besten ist es, sich einen gleichmäßigen Lernturnus aufzubauen, der zwischen Aufnahme von äußeren spirituellen oder wichtigen materiellen Wissensbausteinen, und deren Abgleichung mit den inneren vorhandenen Wissensbausteinen und Zielen besteht, um am Ende daraus konkretes Tun und zielgerichtetes Handeln zu erschaffen. Dann erst kann man durch gezieltes In-Einklang-Bringen von Innen- und Außenwelt einen guten und dauerhaft funktionierenden Arbeitsweg erschaffen, der einen durch alle Krisen und Wachstumsphasen sicher tragen wird, selbst wenn die Verbindung nach innen kurzzeitig abreißen sollte. Und darum geht es. Dass ergänzend dazu vor allem das Gebet und die gelebte Gottesverbundenheit - gerade in schwierigsten Krisenzeiten - den größten Schutz und die sicherste Führung erschaffen, ist inzwischen bei Phoenix kein Glaubenssatz mehr, sondern tiefste bewiesene Erfahrung.

 

Erst durch die eigenständige Umsetzung aller erlernten Wissensbausteine wird man selbst zum Besitzer dieser Lehren und ein spirituell gereifter Mensch. Erst dann darf man selbst lehren und mit diesem Wissen helfen, da alles andere täuschend ist und vor allem sehr gefährliche Folgen haben kann, auf die hier aber nicht näher eingegangen werden wird.

 

 

 

10. Prüfungen und was sie bewirken sollen

 

Gleich zu Anfang möchte ich bemerken, dass es bei mir so war wie nachfolgend geschildert! Es mag sicherlich Menschen geben, die in Vorleben und in diesem Leben bereits so gut vorgearbeitet haben, dass sie beinahe heilig auf die Welt gekommen sind und durch ihr von Anfang an vorbildliches Leben relativ mühelos erlöst werden können. Für diese Menschen ist es vielleicht alles anders, nicht so stark und düster. Aber wissen kann ich es nicht.

 

Auf einem authentischen spirituellen Weg geht es keinesfalls gemütlich zu! Daher verwundert es einen immer wieder, die Verniedlichungen und verträumten Darstellungen in der Öffentlichkeit zu lesen, die diesem Weg untergeschoben oder angehängt werden. Tatsächlich ist der Mensch dafür geschaffen, auf der Welt zu leben, in ihr zu wirken und so - meist unbewusst - einem höheren oder niederen Willen zu dienen, um den Schöpfungsvorgang an sich aufrechtzuerhalten. Damit hat der Mensch eine klar umrissene Funktion und dient auf jedem Fall, auch als nicht-spiritueller Mensch, zumindest der Schöpfung, und damit auch automatisch dem Schöpfer, wenn auch nur auf untergeordneter Ebene.

Um einen höheren Lebensweg einzuschlagen, der eine Besonderheit darstellt, und der die Möglichkeit eines Aufstiegs und der Erlösung von dieser weltlichen Schöpfungsebene und die Anhebung in eine höhere Seinsebene beinhaltet, ist der Mensch eigentlich nicht wirklich geschaffen, es sei denn, er stellt sich intensiven Wandlungsvorgängen und Prüfungen, um durch eine grundlegende Transformation, die sich daraus ergibt, eine völlig neue menschliche Wesenheit zu werden. Darüber entscheidet meistens die höhere Bestimmung!

Dabei sind weder die Phasen der Wandlung noch die Phasen der Prüfung leicht und mühelos!

Unter Punkt 3 dieser Schrift (siehe oben) wurde bereits darauf hingewiesen, dass man mehrfach auf dem spirituellen Lebensweg dem Hüter der Schwelle begegnen muss. Das geschieht im normalen Leben bereits auch dann schon, wenn man sich darum bemüht, aus karmischen Vorgaben auszubrechen und wünscht, in eine höhere materielle Weltordnung eingefügt zu werden. Doch unterscheidet sich dieser Vorgang drastisch von demjenigen, der einer spirituellen Neuordnung dienen soll.

Und doch ist der Hüter der Schwelle nur ein Aspekt, der in den Prüfungen agiert, denn auch die karmischen Ursachen und Wirkungen, die man in diesem Leben gesät hat, treten bei den wichtigsten Prüfungen energisch in den Weg und fordern Gerechtigkeit.

Gerade in Endphasen der wirklich wichtigen Prüfungen steht alles, wirklich alles (!), was man schon als erledigt betrachtet hatte, erneut auf und konfrontiert einen mit den Ergebnissen der gesamten Lebensführung. Es werden alte Fehler vorgelegt, frühere Partner und Freunde stehen geistig vor einem und klagen an oder wollen Gerechtigkeit, ebenso Menschen, denen man - vielleicht auch unwissentlich - geschadet hat oder Ereignisse, die nicht wirklich so bereinigt wurden, dass man sie als abgeschlossen betrachten kann. Wirklich alles (!) muss abgeschlossen und einem guten Ende zugeführt werden, oder zumindest in Bahnen gebracht worden sein, die das irgendwann ermöglichen, sodass ehemalige Partner oder Menschen, denen man in irgendeiner Form geschadet hat, am Ende doch noch gewinnen und Verbesserungen im Leben haben durch den Kontakt mit uns.

Das kann sehr schwierig werden, vor allem dann, wenn man sich bereits sicher geglaubt hat. In solchen Prüfungen tauchen Menschen, Ereignisse und Angelegenheiten auf, von denen man teilweise nicht wusste, dass sie noch nicht geklärt sind.

Und in finalen Prüfungen kommt zeitlich gesehen ALLES AUF EINMAL.

Man kann das als Mensch allein nicht schaffen, denn in solchen Prüfungen MUSS eine sichere Verbindung zum geistigen Lehrer, zum Höheren Selbst und noch besser auch zu Gott selbst, bestehen, sodass man innerlich gehalten wird. Die menschliche Seele wird dadurch dermaßen „zerlegt“ und geschwächt, dass nur noch Vertrauen und eine nicht wankende innere Entscheidung, diesen Weg unbedingt – was auch immer es einen kosten möge - zu Ende gehen zu wollen, helfen kann.

Der Halt, den dann die innere geistige Welt bietet, ist unvorstellbar und sehr mächtig, sodass man aus jedem schweren Tag gekräftigt hervorgeht, um gleich am nächsten Morgen einem neuen Prüfungsstrom ausgesetzt zu werden.

Das kann so vonstattengehen, dass man morgens kraftvoll aufsteht und aus dem vorangegangenen Prüfungstag viel verarbeitet, neu entschieden und gelernt hat, um erneut dem Tag mit wieder neuen Herausforderungen standhalten zu müssen bis an die Grenzen. Alle Entscheidungen und Erkenntnisse des Vortages werden möglicherweise erneut angegriffen und auf die Probe gestellt, Emotionen trüben die klare Sicht und Tapferkeit muss die ständig aufkommen wollende Verzweiflung blockieren. Solche Prüfungen dauern nicht Tage, auch nicht Wochen, sondern Monate und im Ganzen – mit kleinen Pausen - sogar Jahre!

Sie dienen dazu, auch noch die letzten Reste der irdischen Sicht auf die Weltdinge aus der menschlichen Seele herauszulösen, damit sie eine innere Festigkeit zu erlangen in der Lage ist, die nicht geboren ist aus Sicherheit und einem geruhsamen Leben in Lust und Wohlstand, sondern im Feuer geläutert und „mit Hammerschlägen auf göttlichem Amboss“ gehärtet wurde, um einer größeren zukünftigen Lebensintensität entweder auf der Erde (wenn man noch einen Lehrauftrag hat) oder in einer anderen Seinsebene gewachsen zu sein.

Durch meine Begegnungen mit dem göttlichen Geist weiß ich aus Erfahrung, WIE INTENSIV dieses Bewusstsein ist, obwohl ich davon ausgehe, dass ich es nur verdünnt erfahren habe, um nicht zerstört zu werden.

Das menschliche Leben ist im Gegensatz dazu eher rauchig, leicht, flüchtig und nicht wirklich belastbar im Angesicht der göttlichen „Wucht“. Um also in eine größere und verdichtete Bewusstseinsintensität eintreten zu können, muss man diese Prüfungen durchstehen.

Man wird auf Treue, Struktur, Standhaltekraft, Demut und ehrliche Betroffenheit seinen eigenen Fehlern gegenüber  geprüft, und ebenso auf Widerstandsfähigkeit der Gegenkraft gegenüber, die sehr mächtig und gewalttätig auftreten kann und fordert, dass man sich ihr beugt. Man wird zutiefst emotional betroffen auf sich selbst reagieren, traurig auf die Umstände, die man verursacht hat, aber auch entschieden zu den „Entscheidungen einer guten Seele“ stehen müssen, obwohl man heftig bedroht und angegriffen werden könnte.

Doch der Einsatz lohnt sich. Es geht um Befreiung und um Anhebung, letztlich um nichts weniger als Erlösung von dieser Welt und Lebensordnung, was immer einen finalen und erfolgreichen Abschluss eines seelischen Lebens- und Wanderweges durch die Zeitalter am Abschluss krönt.

Alles andere ist Illusion, lässt sich zwar gut verkaufen und verhilft doch nur dazu, Seelen zu täuschen oder sie an sich zu binden, was extrem zweifelhaft und sehr gefährlich für den Täuscher werden kann. Der spirituelle Weg ist KEIN Kinderspiel, und der Mensch alles andere als vollkommen oder bereits sehr reif, wie viele denken wollen. Der Mensch ist Mensch, und ohne göttliche Hilfe niemals mehr als das!

Von diesen Prüfungen sollte man wissen, um sich angemessen mit den Geboten und Lehren im Alltag auseinandersetzen und gut auf die Prüfungen vorbereiten zu können, und um den spirituellen Weg sehr ernst zu nehmen.