Die erlösende Spiritualität: Leben mit GOTT

von Manuela Schindler (C) 2017

 

 

Der nachfolgende Text - zusammen mit den Phoenix-Regeln und anderen Weisungen und Geboten - bildet die Grundlage der spirituellen Arbeit innerhalb von Phoenix-Netzwerk.

Er beansprucht nicht, besonders intellektuell oder anspruchsvoll zu sein, sondern schildert in einfachen Worten eigene Erfahrungen. Dass sich dieser Text im Laufe der Zeit noch verändert, halte ich für möglich und ist abhängig davon, welche Erfahrungen noch gemacht werden.

Es werden einige Zitate von S. Radhakrishnan eingefügt, um meinem Standpunkt - mit den Gedanken eines großen Geistes kombiniert - mehr Gewicht zu verleihen. (Radhakrishnan, geb. 1888 - gest. 1975, ehemaliger indischer Präsident und Religionswissenschaftler.)

 

 

Vorwort

 

Es ist mir durchaus bewusst, dass vieles, was ich hier in dieser Aufsatzreihe schreibe, beinahe gegen jede Lehre der Psychologie, des Coachings und der modernen Esoterik zu sein scheint. 

Daher ist es mir wichtig zu betonen, dass jede Ebene auf ihre eigene Art ganz recht denkt und handelt. Aber man bewirkt z. B. mit der Zielsetzung von Psychologie, Coaching und Esoterik eben NICHT eine größere Gottesnähe, wohingegen sie jedoch dabei hilft, auf ihrer eigenen Ebene mit den selbst definierten und ihr entsprechenden Zielen durchaus Erfolge zu erzielen.

In der Psychologie zum Beispiel geht es überwiegend um die Arbeit mit der Persönlichkeit, und teilweise ihrem Unterbewusstsein, aber alles mit dem Ziel, die Persönlichkeit und das äußere Leben zu verbessern, oder alles generell besser und solider aufzustellen. Man möge mir verzeihen wenn ich ganz ehrlich schreibe, dass das also „nur“ die Oberfläche des Seins betrifft.

Wenn die Esoterik nicht dazu dient, Machtgelüste zu bedienen und Selbstverherrlichung bzw. egoistische Selbstverwirklichung zu fördern, dann ist sie durchaus dazu in der Lage, sehr viel tiefer in die Angelegenheiten „hinter und unter die Kulissen“ einzutauchen. 

Doch die Frage ist, wozu man das nutzen möchte? 

Und hier genau scheiden sich die Geister. Wenn jemand das Wissen der Esoterik nutzt, um für sich ein besseres rein materielles Leben herauszuarbeiten, so zählt das zu den dunklen Wegen der Esoterik. 

Wer das Wissen aber nehmen möchte, um Gott damit besser dienen und der Menschheit (und der Schöpfung) damit zu helfen, dann ist es positiv und wird über kurz oder lang mit den spirituellen Geboten zusammenführen, die wiederum näher zu Gott und dem Höheren Selbst/Gott in uns führen.

Unter diesen Gesichtspunkten gesehen, hat alles seine Berechtigung und Richtigkeit, und ebenso auch seine eigene Wirksamkeit und Lebensbandbreite. 
Wenn jedoch der Selbstverwirklicher der Esoterik glaubt, spirituell sehr hoch zu stehen weil er viel weiß, irrt er! Im Gegenteil ist eher zu vermuten, dass er sich ein pracht- und machtvolles spirituelles Ego erschaffen hat, also quasi erst die Vorstufe des eigentlichen Weges erreicht hat.

Grundsätzlich gilt, dass das, was wir selbst und allein erreichen, bereits im Ego angelegt war und keinesfalls mit einem gesonderten - also über das Ego hinausführenden - spirituellen Weg zu tun hat.

 

 

I. Einleitung 

 

Der Umstand, dass man Theologie studieren kann beweist nicht, dass dieser Weg in die Einheit mit GOTT oder auch nur in seine Nähe führt. Im Gegenteil beschleicht mich beim Lesen der vielen (nicht allen!) studierten theologischen Schriften der Verdacht, dass – bei allem Respekt (!) - viele Autoren sich vor allem selbst intellektuell darstellen und mit ihrem Wissen punkten wollen, und am eigentlichen Thema – so wie ich es verstehe - vorbeischreiben. Dann ist nicht mehr GOTT der Mittelpunkt, sondern die Sicht des Menschen auf GOTT, wie man ihn zu sehen und zu verstehen hat, welche Worte und Vorschriften die richtigen sind, und welcher Autor sich besonders klug ausdrückt und welcher nicht.

Das alles ist aber meiner Meinung nach eine künstliche Abspaltung, die sicherlich auch ihren Wert hat, aber nicht mit dem eigentlichen und in Wahrheit sehr einfachen Weg der Gemeinschaft des Menschen mit Gott verwechselt werden darf. Denn diese ist eine ganz schlichte Erfahrung, die man machen kann, ohne viele Worte zu gebrauchen oder intellektuell besonders herausragend gebildet sein zu müssen. In Wahrheit erlebt man - in aller Einfachheit - die Realität Gottes unmittelbar und direkt, freundschaftlich, sehr greifbar und verständlich, und vor allem sehr persönlich, weshalb ich die Bibel heute mit ganz anderen Augen betrachte als noch vor einigen Jahren!

Intellektuelle „Streitereien“ oder Diskussionen zu diesem Thema sind ohnehin meist auf Missverständnissen beruhend, da kaum ein Mensch exakt dieselbe Sprache spricht wie sein Mitmensch. Es gibt viel Raum für Missverständnisse durch unterschiedliche spirituelle Reife, Interpretation, Umschreibung und Metapher, weshalb ich diese Form der Gottesverehrung für mich ablehne und für zu kompliziert halte.

Der Weg zu Gott ist eigentlich ein sehr einfacher Weg, der dennoch mit großen Herausforderungen einhergeht. Das ist bekanntermaßen aber auch im „normalen“ Alltagsleben so, dass es viele Hindernisse, Schicksale und Schicksalsschläge zu bemeistern gilt, ohne die ausdrückliche Absicht, die Gemeinschaft mit Gott zu suchen und zu finden. Insofern wird der Weg zu oder mit Gott nicht leichter, sondern nur anders, doch bekommt das Leben fortan einen Sinn, der über die eher traurig stimmende Vergänglichkeit der materiellen Realität in Dauerhaftigkeit und Ewigkeit führt.

Von daher stütze ich alle meine Forschungen und Deutungen dessen, was ich selbst erlebt habe, auf folgenden Satz aus der Bhagavad-Gita:

„Gib alle Gesetze der Lebensführung auf (also die vorgeschriebenen Rituale und zeremoniellen Abläufe - Anm. der Autorin) und suche deine Zuflucht bei mir allein. Ich werde dich von aller Sünde befreien. Sorge dich nicht!“

Das verschafft genügend Freiheit, um sich von den teilweise doch sehr spaltenden Einflüssen der verschiedenen Religionen zu trennen, ohne sich dabei von Gott selbst zu entfernen.

Bedingt durch die Notwendigkeit, die Einfachheit des Weges zu Gott - oder des innigen Miteinanders mit ihm - wiederherzustellen, ist diese mutige Haltung erforderlich. Für diejenigen, die Halt finden in vorgefertigten Schritt- und Gebetsregeln, mag alles stimmig sein. Aber diejenigen, die sich nicht in der Lage sehen, für sie sinnlose und unverständliche Rituale auszuführen, (die mitunter mehr wie eine Aufführung wirken, die lediglich für die Beteiligten inszeniert wird), brauchen einen anderen Weg.

Man fragt sich, wieso die Kirchen leerer werden, doch liegt die Antwort in der Bibel selbst vor:
Matthäus kündet in der Bibel davon, dass das Gebet eine zutiefst private und stille Angelegenheit sein sollte, allein zwischen Mensch und Gott. (Matt. 6,5 – 6) Jesus bezeichnet die öffentlichen Gebete in Synagogen und an Straßenecken als Heuchelei und sinnloses Unterfangen, da diejenigen bereits ihren Lohn empfangen haben, als sie ihre Frömmigkeit zur Schau stellten und dabei gesehen wurden. Deutliche Worte, wie ich finde.


Seit Jahren frage ich mich schon, wieso dann die öffentlichen Gottesdienste entstehen konnten, wenn selbst der Gründer des Christentums diese Gebetsform strikt ablehnte! Und davon findet der interessierte Forscher mehr, wenn er nur tief in die christlichen Traditionen eintauchen mag und die gängigen öffentlich-religiösen Praktiken mit den übermittelten geistlichen Inhalten vergleicht. 

 

Zumal ja die innige Freundschaft mit Gott eine zutiefst intime Angelegenheit ist, die man nicht so einfach offenlegen, und schon gar nicht zur Schau stellen mag. 
Sich einen einfachen Weg zur Gemeinschaft mit Gott zu erarbeiten, zwar auf den bewährten Regeln und Traditionen basierend, sich dabei aber gleichzeitig von Vorschriften, wie und was man zu glauben und praktizieren hat, lösen zu können, halte ich in dieser Zeit für erlaubt, ja sogar für dringend geboten. Es gibt inzwischen viele Menschen, die entschieden eine tiefere Dimension des Seins anpeilen, die über die öffentliche religiöse Praxis und das höchste Wissen der Esoterik hinausführt. Für diese Menschen ist es eine Lebensnotwendigkeit, um nicht zu verzweifeln an dem, was man hier auf der Erde zurzeit vorfindet, weshalb man mit Fug und Recht sagen kann, dass "nur Gott allein genügt".  (Spruch von Teresa von Avila.)

Es kann nicht sein, dass Menschen sich von Gott entfremden, nur weil sie mit der Religion nicht mehr einverstanden sind. Sich das Recht zu gewähren - aufgrund eines den meisten Menschen unbekannten Geburtsrechts und der Erkenntnis der inneren Heimat der Seele bei Gott - einen authentischen Weg für sich persönlich zu erarbeiten, ist das Gebot dieser Zeit. Dass man dazu auf die alten überlieferten Werte und Gebote zurückgreifen muss, versteht sich von selbst, damit man sich nicht im Gewirr der modernen Gedanken verliert.

Das zu verwirklichen halte ich für einen interessanten Ansatz, um den ich mich hier bemühen möchte. Das natürlich gepaart mit der Hoffnung, dass es anderen Interessierten helfen kann, sich zu orientieren.

 


II. Aufbruch zur Liebe

Wenn man den Weg zur Gemeinschaft mit Gott / dem Höheren Selbst (Gott in uns) antritt, wird der Hauptimpuls bei den meisten Menschen derjenige sein, Liebe, Erlösung und Vergebung erfahren zu wollen. Die Erfahrung zu machen, bedingungslos angenommen zu sein, geliebt vom Schöpfer und der Schöpfung, sind innewohnende Grundbedürfnisse des Menschen, die ihn (meist unbewusst) sein Leben lang antreiben und streben lassen.

Doch bleiben die meisten Menschen an einem entscheidenden Punkt stehen, indem ihnen die Liebe durch die Schöpfung zunächst das Wichtigste ist und völlig ausreicht. Dazu zähle ich die leider sehr unbeständige Liebe zwischen Menschen, die noch weiterführen kann zum Starrummel und der Sucht nach Aufmerksamkeit. Dass das niemals befriedigen kann, ja sogar mit wahrer Liebe meist gar nichts zu tun hat, wird oft nicht – oder erst sehr spät - erkannt.

Im schlimmsten Fall führt die permanente Nicht-Erfüllung dieser tiefen Sehnsucht zu Ambitionen, die eher durch Lieblosigkeit gekennzeichnet sind als durch liebevolle Verantwortungsübernahme für andere Menschen und die Schöpfung.

Eigentlich ist die Aufforderung, dass man gleichzeitig aktiv zu geben hat, was man selbst bekommen möchte, bekannt durch die heiligen Schriften aller Religionen, jedoch nicht genügend verbreitet in dem Maße, wie die heutige Gesellschaft es braucht.
Indem in der Esoterik auf die karmischen Grundregeln oder Resonanzgesetze hingewiesen wird, wurde vieles dem Menschen wieder näher gebracht, was er weder in der Schule noch durch die Gesellschaft gelernt hat. Einfacher noch haben Jesus und andere spirituelle Größen auf das Gebot hingewiesen, indem sie sagten: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst und tue niemandem das, was man dir nicht auch tun dürfte."

Doch ausgelöst durch die Schwierigkeiten der Religionen - mit sich selbst und untereinander, aber auch mit der Mitwelt - gehen diese wichtigen werthaltigen menschlichen Bausteine unter, so dass die neue Extremistenwelle meiner Meinung nach überhaupt erst entstehen konnte.

Denn gerade diejenigen Jugendlichen, die sich extremen religiösen Strömungen zuwenden, suchen doch nur Liebe, Akzeptanz und ein sinnhaltiges Leben, welches über die von der Gesellschaft vorgegebenen oberflächlichen Werte hinausführt. Doch leider geraten sie auf Abwege, die in Krieg und Gewalt münden, da sie letztendlich genau das tun, was sie selbst nicht erleben möchten: andere Menschen zu verurteilen und bis zum Tod grausam zu bekämpfen. Und das nur, um die Liebe Gottes zu erhalten, wie man ihnen versprochen hat. Ein trauriges Kapitel in der menschlichen Geschichte, diese vermeintlich „heiligen“ Kriege!

Die größte Schwierigkeit auf dem spirituellen Weg zu mehr Gottesnähe besteht aber genau darin, den anderen Menschen in seinem So-Sein anzunehmen, so wie man selbst auch mit allen Fehlern angenommen und verstanden werden will, anstatt verurteilt und vielleicht sogar heftig bekämpft zu werden.
Menschen zu lieben, die einem sympathisch sind, die gut zu einem waren oder die dem Freundeskreis oder der Familie angehören, ist leicht und definitiv keine spirituelle „Leistung“. Das wohnt bereits der Natur inne, und ist normalerweise der Weg des geringsten Widerstands.


Der Wunsch, die Liebe zu erlernen und sie so kennenzulernen, wie sie wirklich ist und nicht nur der Natur angehört, muss dem Weg der Gemeinschaft mit Gott (und dem Höheren Selbst) als ersten Schritt vorangehen. Wer von vornherein ein liebendes Wesen hat, wird hier keine Widerstände erleben; derjenige, dessen Herz bereits verhärtet ist, jedoch schon.

Wahrhaftig - und über die natürlichen Anlangen hinaus - lieben zu können bedeutet vor allem, sich dem Prozess der Selbsterkenntnis zu stellen und die eigenen Verwundungen, Verkrustungen und Fehlinterpretationen aufzudecken, denn ansonsten gelingt es nicht. Außerdem ist das Erlernen dieser Liebe ein aktiver Prozess, denn von allein fällt es einem nicht zu. Sicherlich gibt Gott durch das Leben oder durch unmittelbare Erfahrung demjenigen mit ernsten Absichten vielleicht einen kleinen Einblick, wie sich das am Ende anfühlen wird, aber danach stehen wir scheinbar allein in der Verwirklichung dieser Aufgabe, auch wenn das eine Illusion ist.

Liebevolle innere Anleitung ist jedem gewiss, der es wirklich ernst meint, nur merkt man diese oft anfangs kaum. Ein geschulter und geübter Mensch ist jedoch sehr wohl in der Lage, das mit zunehmender Bewusstheit zu erkennen.

Liebe zu erlernen bedeutet aber nicht, tief in Sentimentalität und oberflächliche Freundlichkeit zu verfallen, und das mit Liebe zu verwechseln!
Aber selbst wenn das passiert, ist es so lange nicht wirklich schlimm, wie diese nicht in Hass umschlagen, wenn sie keine positive Antwort bekommen. Leider geschieht meistens aber genau das!

Liebe ist die Bereitschaft, Verantwortung für sich, die menschliche Mitwelt und die Welt, in der man lebt, zu übernehmen; sich einzusetzen für das Wohl aller, verbunden mit dem strikten Verbot, in jeglicher Form zu schaden, sei es durch Nachrede, Gedanke oder Tat /Konsum. Erst dann kann man erleben, wie etwas still in einem heranreift, immer mehr Raum greift und wirkt, als wenn jemand sachte in einem ein wunderschönes Licht entzündet hat.


Dann erst erkennt man, wie sehr man sich seiner innersten, von Gott geschaffenen Seele entfremdet hat und was genau es braucht, wieder heimzufinden. Erst dann kann man sich selbst beurteilen und bemerken, was einen antreibt und was geändert werden muss. 
Zu sich selbst zu finden, die Seele von unbewussten und meist ungewollten Impulsen zu trennen und sie freizulegen, um ihr Raum im Leben zu geben, das ist der wichtigste Schritt am Anfang eines Weges, welcher recht schnell zu einer Gemeinschaft mit Gott führen kann, wenn Er es will.

 

 

III. Das Ringen mit dem Scheitern und der Enttäuschung

Gerade die älteren Menschen blicken auf ein Leben zurück, in welchem vielfältige Erfahrungen gemacht wurden, die sich aufteilen lassen in gute – schlechte – durchschnittliche. 

Blickt man z.B. in die Bibel, wird man besonders stark mit dem menschlichen Scheitern konfrontiert, verbunden mit der dringenden Suche nach göttlicher Hilfe, die in eine größere Gottesnähe führen soll. 

Auch Buddha kündet davon, dass das Leben auf der Erde ein stetiger Wechsel ist zwischen großer Freude und tiefem Leid, und dass diese Schwankungen durch die Natur begründet, und nicht verhinderbar sind. Gleichzeitig empfiehlt er eine Ethik, die zwar nicht direkt auf Gott verweist, aber auf ein Nirwana, was für mich beinahe identisch ist. Vielleicht ist das Nirwana Buddhas der Himmel, die Lebenssphäre der aufgestiegenen und erlösten Seelen, die nie wieder direkt in der Natursphäre arbeiten müssen? Dass hierzu ebenfalls ein Schöpfer vorhanden sein muss, der hinter der Himmelsschöpfung steht, versteht sich meiner Meinung nach von selbst, denn keine Lebenssphäre existiert "einfach so".

Buddha jedenfalls vertritt die These, dass das Leben auf der Erde grundsätzlich leidvoll ist, und ich ergänze es mit eigenen Worten, indem ich behaupte, dass es für Seelenmenschen sogar Einöde und leben im Fremdland ist. Eine Seinsebene vorzufinden, auf der man nie heimisch werden kann, verbunden mit dem Gefühl, falsch zu sein und nicht auf die Erde zu passen, bedeutet permanentes Leid. Die esoterische Psychologie verweist oft darauf, dass dieses Gefühl meistens krankhaft ist und eine gute Erdung helfen könnte. Doch habe ich da ganz andere Erfahrungen machen dürfen, die am Ende mit Unvorstellbarem belohnt wurden. Dafür bürge ich durch eigenes Erleben! Allerdings gilt das nur, wenn diese Haltung nicht von negativer Verweigerung, das Leben "anzupacken" begleitet wird. Denn eine krankhafte Variante gibt es bestimmt auch, davon bin ich überzeugt.

Auf der anderen Seite postuliert die moderne Esoterik und Coachingpsychologie diverse Glücksversprechen, wenn man nur die richtigen Knöpfe drückt und ein gefälliges Verhalten erlernt. Dass das ein Missbrauch der alten Gebote ist, versteht sich. Denn hier wird nicht unbedingt Wert darauf gelegt, das Gute um des Guten willen zu tun, einfach, weil es gut und richtig ist, sondern um besondere Effekte im Leben damit zu erreichen. Lebensoptimierung, Glücksausrichtung und erfolgreich und reich werden, all dieses zähle ich zu den wirklich gefährlichen Versprechungen, wenn man dazu bewusst die reinen und wohltuenden spirituellen Gebote missbraucht.

Das Leben präsentiert uns in der Mitte unserer Jahre sehr oft ein Bild, welches mit Scheitern, Misserfolgen und nicht erfüllten Wünschen angefüllt ist, zumindest aber von vielen Enttäuschungen und nicht verwirklichten Hoffnungen kündet. Man hat vielleicht viele Jahre intensiv gearbeitet an seinem Leben und der Persönlichkeit, und trotzdem nicht das erreicht, was man erreichen wollte. Das passiert öfters, als man denkt, und vielleicht kennt das ab einem bestimmten Alter sogar JEDER Mensch.

Doch wer kann beurteilen, ob etwas tatsächlich gescheitert ist, oder ob das, was passierte, nicht doch in irgendeiner Form gut war, um auf dem Weg zu Gott und einer tieferen Verbindung zum höheren Selbst voranzukommen? Zählt am Ende, was man erreicht hat an weltlichen Dingen, oder was man geworden ist im geistigen Sinne? Wenn man sich ehrlich diese Frage stellt, dann merkt man mitunter plötzlich, dass das große und als belastend empfundene Scheitern einen tatsächlich nur frei gehalten hat für ein Leben in größerer Freiheit, und dass die ehrlichen Bemühungen in den meisten Fällen einen besseren Menschen aus einem gemacht haben.

Solange man lebt, ist immer noch alles möglich!

Und wenn nach einem besonders großen Scheitern und nach heftigen Enttäuschungen womöglich plötzlich Gott einen direkt "anlächelt" oder deutliche Zeichen gibt, dann MUSS man alles richtig gemacht haben, auch wenn man vielleicht nie wirklich wissen wird, was genau.

Wo also liegen die Prioritäten im Leben wirklich? Will man Dinge tun, welche die Welt beeindrucken und einen vielleicht in eine gehobene und wichtige Position bringen, oder will man Gott erfahren, sowohl außen als auch von innen als Höheres Selbst, und das verbunden mit der Hoffnung, in die wahre geistige Heimat aufbrechen zu dürfen?


Wenn Letzteres das gewählte Ziel ist, dann kann jedes Scheitern und jede Enttäuschung ein wichtiger Markstein auf dem Weg sein, solange man die tragenden ethischen Werte und die spirituellen Gebote niemals aufgegeben, und nicht nachlässig und träge gelebt hat.

 

Hier passt wieder sehr gut der Spruch von Kirchenvater Augustinus, den ich sehr gern zitiere und der sich an verschiedenen Stellen auf dieser Homepage und in meinen Schriften wiederfinden lässt:

 

"Die Seele lebt in der Hinneigung zum Untersten (Persönlichen) elend,

und in Hinwendung zum Höchsten selig.
Erwählt euch nicht die Liebe zum Untersten,

verfallt nicht dem Stolz der Mitte

und werdet so fähig, dem Höchsten anzuhangen.
Das ist das, wozu wir geheißen und gemahnt werden."

Aurelius Augustinus, 354 - 430 n.Chr. (aus: Epistulae, 18;2)

 

Dann erkennt man plötzlich, dass es im spirituellen Leben nie um Erfolg, wie wir ihn verstehen, ging, sondern darum, innerhalb der Materie zu beweisen, dass man es gut meint und das Beste von sich zeigen will, um GOTT zu gefallen und eine Freundschaft zu ihm aufzubauen. Dann wird man alle Widerstände, Hindernisse und Widrigkeiten als Prüfung von Tugend und Ehre verstehen, von Treue und festem Glauben, und nicht am teilweise unverständlichen Karma verzweifeln. Meiner Meinung nach hat man erst dann das Leben wirklich verstanden und ist am Ende des Lebens vielleicht erfolgreicher, als man es sich je erträumt oder gar vorgestellt hat!

Sicherlich wird man mit diesem gedanklichen Hintergrund trotzdem manch leise Traurigkeit bewältigen müssen, z.B. wenn man die nicht genutzten Gelegenheiten erkennt, oder seine Fehlhaltungen und Fehler eingestehen muss, trotz aller Bemühungen. Auch Überdruss kann einen überkommen, wenn man erkennt, dass man wieder einmal neu anfangen muss, da man ja noch auf der Erde lebt und der Weg in die geistige Heimat immer noch vor einem liegt.

Aber man sollte sich niemals mit dem Scheitern identifizieren, da es in dem Kontext, der hier beschrieben wurde, gar nicht wirklich existiert!

Wer vorwärts geht, niemals stehen bleibt, der lässt alles beständig hinter sich. Diesen Schmerz auszuhalten muss man erlernen und sich damit trösten, dass die Endlichkeit, wenn man sie tapfer und bestmöglich ehrenhaft durchschreitet, direkt in die Unendlichkeit führt.

Treue zum spirituellen Weg, selbst wenn man mal nicht so gut abschneidet oder die Welt sich permanent gegen einen kehrt, ist der einzige Garant, der am Ende zu Gott und zu einer lebendigen Verbindung zu Gott in uns führen wird.

 

  

IV. Ohne Mühe geht es nicht

 

Zitat Radhakrishnan, Kommentar zum Bhagavad-Gita-Vers:

 

„Durch die dreifachen Erscheinungsformen der Natur wird diese ganze Welt getäuscht und erkennt Mich nicht, der Ich über ihnen stehe und unvergänglich bin.“

 

Durch die Kraft der Natur (Maya) haben wir ein verwirrendes Teilbewusstsein, das die Wirklichkeit aus dem Auge verliert und in der Welt der Erscheinungen lebt. Gottes wirkliches Sein wird so verhüllt. Die Welt ist selbst keine Täuschung, aber eine Gelegenheit dazu. (…) Die Welt und ihre Veränderungen stellen das Sich-selbst-Verbergen Gottes durch die Schöpfung dar.

Anstatt seinen Geist auf den Schöpfer zu richten, neigt der Mensch dazu, sich allein den Objekten der Welt zuzuwenden. Die Empfänglichkeit für die Selbsttäuschung liegt in dem Verlangen nach Sinnesdingen, welches den Menschen in der Tat von Gott wegführt. Der Glanz der Welt strahlt seinen Zauber auf uns aus und wir werden Sklaven ihrer hohen Preise. Wenn es heißt in der Bhagavad Gita, dass „diese meine göttliche Maya schwer zu überschreiten ist“, so ist damit gesagt, dass wir nicht ohne Mühe hinter das All und seine Tätigkeiten dringen können. (…) Das Göttliche wohnt im innersten Wesenskern des Menschen und kann nicht ausgelöscht werden. 

Es ist das innere Licht, der verborgene Zuschauer, das Erduldende und von Geburt zu Geburt Unvergängliche, unberührt von Tod, Verfall oder Verderbnis. 

Es ist das Prinzip des Jiva (das höhere Selbst – Anmerkung der Autorin) des psychischen Menschen, der, wenn er mit dem Göttlichen vollkommen zusammenklingt, in das geistige Dasein emporsteigt, welches seine Bestimmung ist. Bevor dieses geschieht, wandert der Mensch zwischen Geburt und Tod umher.

Zitat Ende.

 

Viele der Aussagen gelten als Basis bildende Grundwahrheiten der östlichen Religionen und der Esoterik. 

 

Seltsamerweise wird in der modernen Populär-Esoterik postuliert, dass der Aufstieg des Menschen zum Greifen nahe ist. Von großer Leistung, die zu erbringen ist, wird wenig bis gar nicht gesprochen. Stattdessen bekommt man Begabungen angeboten wie auf dem Wochenmarkt, und das mit dem Versprechen, dass alles ganz leicht geht und keiner großen persönlichen Mühe bedarf.

 

Andererseits ist aber auch die Notwendigkeit bekannt, das Leben zu reinigen und sich durch das Leben der Tugenden generell - in jeder Beziehung (!) - neu auszurichten, wenn man ernsthafte spirituelle Interessen hat!

(Tugenden sind z.B. die ethischen Lebensregeln des „guten Menschen“, aber auch vertiefend die spirituellen Gebote, die sehr in die unbewusste Ebene des Menschen hineingreifen und ihm bei der Bewusstwerdung des innewohnenden „Programms“ helfen können. Erst so kann der Mensch seine "Programmierung" ändern, denn ansonsten bleibt das Unbewusste zwar ein ständiger Antriebsgeber, ist aber kaum greifbar oder verständlich. Der ungeschulte Mensch verhält sich deshalb vor allem reaktiv und instinktiv, ohne seine Beweggründe bis ins Kleinste erklären zu können, und diese deshalb letztlich zur reinen Rechtfertigung mutieren.)

 

Wer sich intensiv auf ein Leben mit den Geboten eingelassen hat und das – trotz aller Widerstände und "Gemeinheiten der Welt" - durchgehalten hat, wird bestätigen können, dass die Selbstveränderung eigentlich fast nicht möglich ist. Den Willen aufzubringen dazu, die Auseinandersetzung mit den inneren Einflüssen zu suchen, um das Gute durchzusetzen in der Welt, und das als schlecht und nicht hilfreich erkannte zu unterdrücken bzw. dem keinen Lebensraum in Gedanken und Gefühlen anzubieten, ist aber zumindest ein wichtiger Anfang.

 

Doch das allein reicht kaum, um eine wirkliche Erlösung und Veränderung zu erfahren, wie viele Menschen schon schmerzlich feststellen mussten! Ohne die Hilfe des innewohnenden göttlichen Anteils (Höheres Selbst) und der Hilfe Gottes von außerhalb ist kaum etwas zu bewirken, das über den normalen persönlichen Lebensplan - der sich in eine positive und in eine negative Variante aufsplittet, damit wir eine Wahl haben -, hinausführt.

Das bedeutet, dass die Konzentration allein nur auf Selbstvervollkommnung und Eigenbemühung zwar vom Grundsatz her richtig ist, ohne die gleichzeitige Ausrichtung auf den Schöpfer des Universums, der Welt und uns immer unvollkommen bleiben wird.

 

Das Gefühl der Vergeblichkeit kennt wohl jeder, der sich ernsthaft bemüht, seinen Charakter zu läutern und ein besserer Mensch zu werden. Die Reflexe und unbewussten Impulse sind mitunter so übermächtig, dass man sehr viel Kraft braucht, um diese zu überwinden. Diese Kraft gewinnt man durch beständige Bemühung, durch Scheitern und Fehlermachen, und dem Standhalten. Denn wer standhalten kann, hat schon sehr viel erreicht. Zumal man bedenken muss, dass nicht nur die Umwelt ein auslösender Faktor für problematische Situationen ist, sondern auch die Gegenkraft, die personifiziert wird durch unsichtbare Einflüsse wie Geister, Dämonen, Teufel und ähnliche.

 

Ich kann definitiv bezeugen, dass es diese Kräfte und Wesen gibt, da ich selbst gründlich das „Vergnügen“ mit ihnen hatte. (Es ist unwesentlich, was die Psychologie und der moderne Zeitgeist behaupten, da dies für mich schlichtweg ein Irrtum ist, der auf einer rein materiellen Sichtweise beruht. Es gibt einen wunderbaren Spruch, der sinngemäß lautet: "Der cleverste Schachzug des Teufels war die Menschen glauben zu lassen, dass es ihn nicht gibt!")

Da besagte Kräfte extrem herausfordern, kann man erst so zu überragenden positiven Lebensleistungen kommen, die man sonst nicht zustande gebracht hätte. 

 

Vor allem aber ist es dann besonders wertvoll, wenn man selbst die schrägsten und unverständlichsten Situationen als Herausforderung versteht, um Gott und sich selbst beweisen zu können, wie sehr man um das Gute und um Selbstbeherrschung bemüht ist! 

Und wenn man wankt, erst recht die Verbundenheit zu Gott zu demonstrieren durch Bekräftigung dessen, dass man daran glaubt, es jetzt genau so zu brauchen, um auf einen neuen Weg gelangen zu dürfen! Denn nicht immer erklärt die karmische Analyse das, was gerade geschieht! So findet man schnell zu einem neuen Gleichgewicht, und die Chancen des "Sieges über die Situation" wachsen erheblich!

 

Allerdings geht es um sehr viel mehr, als nur ein guter Mensch zu sein, denn das sind Herausforderungen, die sich die öffentliche Gesellschaft bereits auf die Fahnen geschrieben hat! Wie wir das „ guter Mensch sein“ ausdeuten, hat oftmals nichts mit der spirituellen Realität zu tun. Zum Beispiel kann friedfertiges Verhalten, wenn ein offenes und faires Austragen eines Konfliktes angesagt ist, völlig falsch sein, wenn man den Konflikt ganz oder das Ziehen erforderlicher Konsequenzen vermeidet oder hinauszögert! 

 

Das hat mit Frieden rein gar nichts zu tun, sondern könnte sogar in manchen Fällen dem Bösen und Falschen dienen! Man denke da an die alten Zeiten in Deutschland nach dem 3. Reich, wo viele Menschen sich flüchteten in die Aussage, dass sie nichts von all dem Bösen gemerkt hätten! Tatsächlich wird gerade „spirituelles Verhalten“ oft verwechselt mit Feigheit, Konfliktleugnung und verdecktem Egoismus. Die Herausforderung bei diesem Beispiel z.B. ist friedfertiges Verhalten im Konflikt zu demonstrieren, Harmonie in der Lösung des Konfliktes zu verwirklichen und sich nicht wegreißen zu lassen in eine negative Haltung.

Und so fort. 

 

Da es sehr schwer ist, diese nicht enden wollende Gratwanderung zu bemeistern, empfehlen die alten spirituellen Schulen, dass man besser einem spirituell erfahrenen Lehrer folgen sollte, so wie die Christen z.B. die Nachfolge Christi leben sollten, um Verblendungen und Abirren in eine dunkle Richtung zu vermeiden. 

Noch eine wichtige Anmerkung soll hier nicht unterschlagen werden: auch „dunkle“ Menschen, die in entsprechenden Orden wirken, oder bedingt durch ihre Persönlichkeit so sind, können ein sehr reines Leben führen! Dieses dient dann allerdings dem Machtzuwachs, denn ein reiner Körper wird leichter mit den feinstofflichen Energien der Schöpfung in Resonanz kommen, und ein reines und enthaltsames Leben zu führen macht prinzipiell stark und standfest! Allein die Qualität und die Motivation dahinter entscheiden, ob ein spirituelles Streben dem dunklen oder dem hellen Weg dient!

 

Ich habe mich selbst im Laufe der Jahre mehrfach blenden lassen von Menschen, die ein scheinbar klares spirituelles und positives Streben zum Ausdruck brachten, um am Ende einzugestehen, dass das Erkennen der Unterschiede nicht zu meinen Stärken gehört, jedenfalls wenn man vor allem mit äußeren Maßstäben misst!

Niemand kann wirklich sagen, ob allein die geschilderten Bemühungen ausreichen, um Gott nahe zu kommen. Tatsächlich aber kann man, wenn man die eigenen Bemühungen mit diesem Wunsch koppelt, und sich in der Not auf ihn beruft, oder in der Freude die Dankbarkeit in seine Richtung hält, eine Menge Überraschungen erleben, die direkt aus der Quelle stammen! 

 

Doch vor dem Genuss kommt die Mühe, die sich durch ein schöpfungserhaltendes und treues – dem spirituellen Ziel geweihtes – Leben beweist.

So habe ich es erfahren bin dem, was ich getan habe und welche Konsequenzen daraus erwuchsen, verpflichtet. Bei mir hat es funktioniert, und deshalb kann ich auch nur das schildern. Es gibt sicherlich viele tausend Wege zu Gott, und meiner ist einer davon, jedenfalls für mich!

 

 

 

 

V. In Furcht leben?

 

In den traditionellen Religionen wird wiederholt und mit Nachdruck darauf bestanden, dass man Gott fürchten muss und deshalb besonders achtsam sein sollte im Umgang mit der Welt und sich selbst. Die eigene Unvollkommenheit wird betont und ein Forderungskatalog aufgestellt, wie man sein und leben muss, um Gott gefällig zu leben und zu Gott gelangen zu können. 

 

Sicherlich stimmt das grundsätzlich so, vor allem wenn man berücksichtigt, wie leichtsinnig die Menschheit dieses Zeitalters ist und wie sehr sie sich von ihrem Seelenwissen und ihren spirituellen Wurzeln entfernt hat. Wenn man bedenkt, dass der Glaube an Gott gesellschaftlich gesehen nicht selbstverständlich ist und man sogar ein sehr einsames und vergängliches Lebensbild als Grundlage des menschlichen Lebens annimmt, was zur Verstärkung der niederen Eigenschaften führt wie Gier und mehr, wird das Ganze wirklich schlimm. Denn das verführt die schwachen Gemüter dazu, aus dem jetzigen Leben materiell / finanziell herauszuholen, was geht, und zwar um jeden Preis! 

 

Dass sie sich damit auch seelisch ein Grab schaufeln, ist nicht in den Gedanken der modernen Gesellschaft vorgesehen. Doch diejenigen, die davon wissen, sind deutlich vorsichtiger! Denn wer will seine Seele verkaufen oder gar verlieren??? Vor allem, an wen und wohin, und was bedeutet das konkret? 

Ein erschreckendes Bild, wirklich! Und doch sollte man es nicht ganz von der Hand weisen!

 

Ja, der Anspruch IST hoch! Man will das Höchste erlangen, was dieses Leben zu bieten hat und steht dabei ständig in der Angst, aufgrund persönlicher Schwächen abgelenkt, verstrickt und bestenfalls mit dem Zweit- und Drittbesten abgespeist zu werden (dazu zähle ich materiellen Erfolg, materiellen Reichtum und mehr dieser Art).

 

Die Wahrheit liegt wie immer irgendwo in der Mitte, denn weder Furcht noch Leichtsinn können in die richtige Richtung führen! 

 

Vor allem, wenn ein erneuter Lebenswechsel oder gravierende Veränderungen im eigenen Leben stattfinden, können regelrechte Panikattacken auftauchen, die man nicht für möglich gehalten hat. Und man fragt sich, wie das geschehen kann, wenn man nachweislich eine große Gottesnähe lebt und spürt? Da sollte es doch anders sein? Nein, es ist leider nicht wirklich anders. Wohl kann man sich schneller wieder daraus erlösen und auf das tief innerste Wissen hin neu ausrichten, doch muss man den Menschen, der man ja auch ist, jedes Mal wieder neu an die Hand nehmen und ermutigend einwirken, bis die Situation gemeistert wurde und daraus ein tieferes Vertrauen erwachsen ist.

 

Der spirituelle Weg ist doch ganz anders, als man anfangs mal gedacht hat. Man hat die Anforderungen unterschätzt oder sieht sich plötzlich einem Anspruch ausgesetzt, den man eigentlich so nicht gewählt hat. So geht es wohl auch manch einer Mutter, die sich auf ihr Kind freute und das nun, als es auf der Welt war, doch sehr viel mehr Arbeit und Sorgen bereitete, als man sich vorher vorzustellen in der Lage gewesen ist. So ist es wohl bei allem auf dieser Welt, was wichtig und richtig ist.

Folglich muss man den Herausforderungen tapfer begegnen und sich Mühe geben! Ganz einfach. Ich denke, dass mehr von uns auch nicht erwartet wird. So lange wir nicht leichtsinnig werden oder aus Frust / Wut gegen das eigene bessere Wissen handeln, sind wir sicher. Vor allem, wenn Gott und das höchste Ziel uns in jedem Moment gegenwärtig bleiben, und das vor allem in den schwachen Momenten!

 

Denn dann verhält man sich anders, viel ruhiger und gewissenhafter. Die Gewissheit, dass er da ist, hinter dem Himmel, und er ihn jederzeit teilen und sich sichtbar machen kann, ist ein wichtiger Trost in diesen schwierigen Zeiten. Und wie ich schon oft an den verschiedensten Stellen schrieb, ist nicht die Menge des spirituellen Wissens ausschlaggebend, sondern die Qualität des Lebens und die Intensität der echten Liebe, die das Gute um des Guten willen liebt.

 

Ich meine, dass die Furchtlosigkeit aber auch nicht richtig ist, solange wir hier auf dieser Welt leben, einer Welt, die unglaubliche und ungeahnte Schrecken bereithält, wie ich selbst aus eigener Erfahrung bestätigen kann. Das Leben ist keine Generalprobe, man kann nicht zurückspulen oder ungeschehen machen, weshalb auf dem spirituellen Weg nicht genug auf die Achtsamkeit als Grundqualität hingewiesen werden kann. 

 

Achtsamkeit und Wachsamkeit, vor allem dann wenn man merkt, dass die Welt einen ganz leicht in sich „hineinreißen“ kann in Freude und Zorn, und man machtlos hin- und her geschleudert wird zwischen den Emotionen, und man Gott und den eigenen Lebensauftrag und die freiwillig gewählte Ethik zu vergessen in Gefahr gerät. Nur davor muss man sich wirklich fürchten!

 

Zusammenfassung aus der Einleitung von Radhakrishnan in der Bhagavad Gita zu diesem Thema:

 

Zitat:

"Indem die meisten von uns ihren besonderen Platz in der Gesellschaft / Gemeinschaft finden, verleihen wir unserem Leben Bedeutung und gewinnen ein Gefühl der Sicherheit, der Zugehörigkeit. 

Wir finden gewöhnlich, wenn auch innerhalb gewisser Grenzen, doch Möglichkeiten, um unser Leben auszudrücken, ohne dass die soziale Routine als Fessel empfunden wird. 

Der Einzelmensch ist (damit noch) nicht in Erscheinung getreten. Noch hat er keine Vorstellung von sich, es sei denn durch das Medium der Gesellschaft, und indem er seine Angst überwinden kann, indem er sich völlig der Autorität der Gesellschaft unterwirft. 

(Anmerkung Manuela: Siehe dazu auch im Buch KANAL-SEIN auf Seite 100 – die Evolution des Menschen – die Schritte 1 – 3, die verdeutlichen, worum es hier geht.)

Jedes durch Unterwerfung unter eine äußere Macht erworbene Gefühl der Befriedigung und der Sicherheit wird um den Preis der Ganzheit unseres Selbst erkauft. (…) 

Löst man sich aus der gesellschaftlichen Verflechtung, steht man allein den gefährlichen und überwältigenden Erscheinungen der Welt gegenüber. 

Unterwerfung kann aber nicht der Weg sein, der den Menschen zur Überwindung von Verlassenheit und Angst führt. Indem wir vielmehr unsere innere geistige Natur entwickeln, gewinnen wir eine neue Art von Bezogenheit zur Welt und wachsen in eine Freiheit hinein, in welcher die Ganzheit des Selbst nicht mehr gefährdet ist. Dann werden wir unserer selbst als tätiger, schöpferischer Einzelmensch gewahr, welcher nicht durch den Zwang einer äußeren Macht, sondern aus der inneren Regel der freien Hingabe an die Wahrheit lebt. (…)

Der Geist des Menschen kann den (begrenzenden) Ring der Natur sprengen und seine Verwandtschaft mit dem Göttlichen verwirklichen. 

Unsere Gebundenheit besteht darin, dass wir von irgendetwas Fremdem abhängig sind. Wenn wir uns darüber erheben, können wir unsere Natur zum Medium einer Inkarnation des Geistigen machen. 

Der Mensch vermag aus seiner Freiheit, das Gute oder das Böse zu wählen, durch Kampf und Leiden in eine höhere Freiheit hinüberzugehen, welche in dem standhaft immer wieder erwählten Guten wohnt. 

Erlösung ist Rückkehr zum inneren Wesen, Gebundenheit ist Versklavung an die objektive Welt, an Zwang und Abhängigkeit.

Weder die Natur noch die Gesellschaft kann ohne Erlaubnis in unser inneres Wesen eindringen. Selbst Gott handelt mit besonderem Feingefühl in Bezug auf die menschlichen Wesen. Er wirbt um unsere Zustimmung, aber zwingt uns nie. Das menschliche Individuum ist im Besitz einer besonders ausgeprägten Natur, welche Gottes Eingriff in seine Entwicklung einschränkt. Es verhält sich nicht so, dass die Welt einen schon vorbereiteten Plan in mechanischer Weise erfüllt. Das Ziel der Schöpfung ist vielmehr die Hervorbringung einer Vielzahl von Selbsten, die Gottes Willen freiwillig ausführen.

Die Aufgabe, auf menschlicher Stufe Vollkommenheit zu gewinnen, muss durch bewusste Anstrengung ausgeführt werden. Das in uns wirkende Ebenbild Gottes löst ein Gefühl des Ungenügens aus. Der Mensch wird von einem Gefühl der Eitelkeit, der Vergänglichkeit und der Unsicherheit alles menschlichen Glückes heimgesucht. Wer auf der Oberfläche des Lebens lebt, mag den Kummer, die Beunruhigung des Geistes nicht empfinden und sich auch nicht dazu gedrängt fühlen, das wahrhaft Gute zu suchen. Er ist dann nicht mehr als ein Tier in Menschengestalt. Wer jedoch seine menschliche Würde erkennt, wird des Missklanges deutlich gewahr und sucht nach einem Prinzip der Ausgeglichenheit und des Friedens. (...)

Die Ängste des Lebens berühren ihn in Gestalt einer quälenden Betrübnis. Einmal – die Natur kennt keine Eile – kommt für jeden einzelnen Menschen die Stunde, da ihm alles fehlgeht, was er für sich vollbringen mag, da er in einen Abgrund äußerster Schwärze versinkt, die Stunde, da er alles, was er besitzt, für ein kleines Leuchten, ein einziges Zeichen des Göttlichen hingeben würde. Wenn er von Zweifel, Ablehnung, Hass gegen das Leben und düsterster Verzweiflung gepackt wird, vermag er diesen nur dann zu entrinnen, wenn Gott seine Hand auf ihn legt. Wenn die der gesamten Menschheit zugängliche Wahrheit nur von wenigen errungen wird, zeigt dies, dass nur wenige gewillt sind, den entsprechenden Preis zu zahlen. Das Gefühl des Ungenügens, der Unfruchtbarkeit und des Staubes geht auf das Streben nach Vollendung zurück. Der unsichtbare Drang, Gott zu suchen, erzeugt jene tödliche Angst, die heroischen Idealismus und menschliches Erfüllen (den Mut, diesem Weg trotzdem bedingungslos zu folgen - Anmerkung der Autorin) eingibt, und das Ebenbild Gottes in uns drückt sich in dem unendlichen Vermögen aus, sich selbst zu überschreiten.

Zitat Ende

 

Ich war beeindruckt, bei Radhakrishnan diese Darstellung zu finden, denn sie stimmt absolut mit meinen eigenen Erfahrungen überein. Als ich dieses Kapitel vor beinahe 20 Jahren las, verstand ich nicht wirklich in ganzer Konsequenz, was er meinte. Doch die nachfolgenden Jahre haben es mir gezeigt.

 

Durch das Erreichen dieser Grenze erst wird nämlich möglich, dass der Mensch eine umfassende Wandlung erfahren kann. Die Grenze seines Menschseins und seines persönlichen Vermögens erreicht zu haben erzeugt immer Angst und birgt in sich die Gefahr der Umkehr, des Aufgebens, des Nachlassens. In diesem Abschnitt des Weges angekommen, helfen nur noch Mut und der feste Glaube, dass alles richtig ist so, und nur das Erreichen der eigenen persönlichen Grenzen die Grenzüberschreitung überhaupt erst möglich macht. Das Vertrauen in sich und Gottes Wohlwollen zu festigen, an sich und an das Göttliche im Inneren zu glauben und daran festzuhalten, sind Qualitäten, die einen Durchbruch ermöglichen, trotz der beständig begleitenden Gefühle der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins.

 

Jedoch ist es nicht leicht für einen Menschen, seine eigenen Grenzen auszuhalten und gleichzeitig zu wissen, dass er weitergehen muss, nicht stehenbleiben darf. Denn die Gefahr zurückzufallen ist in jeder Sekunde präsent. Dieser Zustand ist vergleichbar mit einem Stehen am Abgrund, zu wissen, dass man auf die andere Seite gelangen, und die Brücke aus eigener Substanz erbaut werden muss in der Hoffnung, dass Gott das mit trägt.

 

Wer also glaubt, dass der Weg zu Gott ein Kinderspiel und das Erringen göttlicher Weisheit ein leichtes Ding ist, der irrt und hat keine Ahnung. 

 

Trotzdem sollte man diesen Weg gern gehen wollen, denn die Belohnung ist ungeheuerlich, entsprechend der Leistung, die man dafür erbracht hat. Auch, wenn man in den Augen der Psychologie vielleicht gefährdet zu sein scheint, ist doch das Motiv dahinter das tragende Element, welches Wahnsinn und das Verlieren des Verstandes verhindert. Von daher würde ich mir wünschen, dass die spirituelle Krisenberatung und Betreuung, die nicht rein esoterische Vorgänge betreut, dieses unbedingt berücksichtigt. Denn einen solchen Menschen in die Gesellschaft re-integrieren zu wollen wird in diesem Fall furchtbar falsch und tragisch sein.

 

Der Trost bei allem ist, und das kann ich garantieren, dass Gott selbst hilft, so lange man dem starken Drang nach Rückkehr in die Gesellschaft mit den alten Autoritäten und dem Wunsch nach Aufgeben nicht nachgibt, egal, wie anstrengend es auch werden mag.

 

Manuela Schindler, Juli 2017