Der Weg der Freude

 

„Kanal sein“ für den inneren Gott (Höheres Selbst) - Leseauszug aus dem Buch KANAL-SEIN von Manuela Schindler ©

 


"Die Seele lebt in der Hinneigung zum Untersten (Persönlichen) elend, und in Hinwendung zum Höchsten selig.
Erwählt euch nicht die Liebe zum Untersten, verfallt nicht dem Stolz der Mitte und werdet so fähig,

dem Höchsten anzuhangen.

Das ist das, wozu wir geheißen und gemahnt werden"
Aurelius Augustinus, 354 - 430 n.Chr.(aus: Epistulae, 18;2)

 


Die Sehnsucht des Menschen nach Freude und Glück ist ebenso unendlich wie sein innerstes Wesen, und hier auf der Erde - durch ihre eigenen endlichen Mittel - nicht wirklich, oder doch nur zeitweilig, zu befriedigen. Und doch ist gerade sie ein sehr wesentlicher antreibender energetischer Anteil im Menschen, der ihn nie zur Ruhe kommen und immer weiter suchen lässt. Im negativen Sinne führt diese Sehnsucht zu Unrast und dem Getriebensein, und doch ist sie gleichzeitig derjenige Aspekt in uns, der uns im innersten Empfinden (und Erkennen) unserem Ursprung und unserer Quelle näher bringen soll und wird. Denn der Weg zur Erkenntnis Gottes in und außerhalb von uns ist ein Weg der zunehmenden Freude und Liebe, der Dankbarkeit, des Verstehens um die Hintergründe des Weltgeschehens, und der Annahme der Schöpfung. Und ganz sicher noch viel mehr, was aber jeder in sich selbst erfahren muss.


So ist also dieser innewohnende Wunsch von Erfüllung der Sehnsucht nach Freude und Glück nur dann problematisch, wenn man allein auf irdische Möglichkeiten schaut, um ihn zu befriedigen. Wer jedoch schon das spontane innere „Singen des Herzens“ erlebt hat, ohne dass äußere Anlässe dazu geführt haben, weiß, dass wahre Freude unabhängig ist von äußeren Dingen oder Ereignissen, und als Qualität des Seins in jedem Menschen ruht. Diese Qualität zu entdecken, zu befreien und zum Ausdruck zu bringen ist der spirituelle Weg, der unabhängig ist davon, ob man einer Religionsgemeinschaft angehört oder einer bestimmten traditionell-spirituellen Richtung. Die Sehnsucht nach Freude und Glück soll also unser Wegweiser sein, der in die „Heimat“ weist, und den „Sucher“ zum „Finder“ macht.


Sind aber tiefe Freude und Erfüllung schon zu Lebzeiten auf der Erde überhaupt möglich? Ja. Ganz bestimmt. Aber es ist wichtig, die Mittel zur Erfüllung zu prüfen und sich immer wieder einzugestehen, dass das Ego des Menschen sich oft genau auf das Gegenteil, also auf die Nichtfreude, ausrichtet, ob man es will oder nicht. Somit ist der Weg der Freude gleichzeitig ein Weg des Zulassenlernens von Freude, die unabhängig von den Erwartungen des Egos jetzt und immer existiert, mit der Freude an irdischen Genüssen wenig zu tun hat und ganz sicher auch dann vorhanden ist, wenn das Leben gerade durch viele Prüfungen gerüttelt und geschüttelt wird. Manch ein „Wanderer auf dem spirituellen Pfad“ durfte erleben, wie gerade in schwierigsten Lebensumständen im Innersten spontan und unerwartet das „Singen des Herzens“ aufklingen und damit verbunden eine Ausschüttung tiefster Liebe stattfinden, und wie dadurch auch die dunklen Wegabschnitte geheiligt werden konnten.



Der Mensch als Seelenstrahl


Das göttliche Selbst des Menschen, der ewige und unzerstörbare Gott in uns und unser Schöpfer, ist im Verhältnis gesehen uns gegenüber wie die Sonne zur Erde zu verstehen. Der zum Leben auf der Erde bestimmte Teil ist - wenn er gerade (oder noch) nicht in die Inkarnation projiziert ist - im Verhältnis zum göttlichen Selbst wie ein Eidotter im Ei, er ist eingebettet in eine ihn umgebende liebende und nährende Bewusstheit, die ihn - das Ego - vollständig umschließt, mit ihm spricht, es anleitet und führt, aber gleichzeitig auch von ihm getrennt ist wie das Eiweiß vom Eigelb, um bei diesem Beispiel zu bleiben. Und doch sind sie eins.

 

Wenn das göttliche Selbst sein zur Inkarnation bestimmtes Ego nun aus sich selbst heraus in die Inkarnation "projiziert" - dieses geschieht mittels eines magnetischen Strahles - wird es auf jeder Ebene, die es passieren muss, in eine Art Schleier gehüllt. Dieser wiederum ist eigentlich eine Äthermatrix, die in sich einprogrammiert Eigenschaften wie karmische Muster, Behinderungen oder Glücksfälle usw. enthält.


Es legen sich beim Abstieg in die physische Welt vier Schleier (Äther) um das Ego, und zwar der mental-kausale, der niedere mentale, der astrale und dann die Äthermatrix des physischen Körpers, die bestimmt, welche Beschaffenheit der physische Körper hat. Jeder Schleier (Äther) bestimmt, welche Beschaffenheit der jeweilige Körper hat.


Am Ende durchdringen sich alle Schleier (Äther), verweben sich und ergeben einen zusammengesetzten Ätherkörper, und das Endergebnis ist der Mensch mit seinen Neigungen, Gefühlen, Gedanken, seiner Körperform, seinen Vorzügen oder Gebrechen, und seinem Karma.


Jeder "Schleier" (Äther) hat ganz eigene Programmierungen, die sich aufgrund karmischer Vorgaben bedingen. Deshalb gibt es im Menschen die vielfältigen Konflikte, in denen sich z.B. Denken und Handeln grundlegend voneinander unterscheiden, die Gefühle ständig mit dem Verstand ringen müssen oder umgekehrt, und das Denken, Fühlen und Handeln erst einmal in Einklang gebracht werden müssen. Hat der Mensch das vollbracht, ist der Weg für das Höhere Selbst frei, zum Ego herabzusteigen und durch es zu wirken.


Vereinfacht ausgedrückt könnte man auch sagen, dass unser Schöpfer eine Sonne ist, die ihre Strahlen auf die Erde lenkt, und am Ende jedes dieser Strahlen stehen wir, die Menschen, auf irdischem Boden und im irdischen Körper. Dieses Bild kann man sowohl für die Menschheit als Ganzes, als auch für die einzelne Person nehmen. Das bedeutet, dass jeder Mensch durch diesen Strahl mit seinem Schöpfer verbunden ist und somit jegliches Gefühl der Abtrennung eine Illusion ist. Diese Verbundenheit nun bewusst zu erkennen und zu nutzen, sich in diesen Strahl hineinzustellen und den Kontakt aufzunehmen, ist ein wichtiger Abschnitt auf dem Weg des Menschen und führt ihn auf den Weg der Freude und des KANAL-SEINS für den inneren Gott.
(Meine Schilderung hat sich aus Gründen der einfacheren Darstellung vor allem auf das „von Oben nach Unten“ - Prinzip ausgerichtet. Man kann aber dasselbe Bild auch als von „Innen nach Außen“, oder als gleichzeitig beide Prinzipien in sich tragend, verstanden wissen. Letzteres ist meines Erachtens das Richtigere.)


Der Weg der Freude


Vergnügungen, Freude als Selbstzweck und womöglich zu Lasten anderer, rauschhaftes Erleben und Ähnliches hat mit Freude, wie sie wirklich gemeint ist, nichts gemein. Tatsächlich beginnt der Weg für viele Menschen aber genau dort, und kann selbst aus dieser Ausgangsposition direkt in die Arme Gottes führen. Aber nur dann, wenn man ständig weitergeht und dabei kritisch prüft, ob sowohl das angewandte Mittel als auch das erzielte Ergebnis wirklich zu einer dauerhaften Freude geführt haben! Man entdeckt nämlich oft sehr schnell, vorausgesetzt man hat den Mut zur Wahrheit, dass die so genannten Freuden der Welt oft sehr schnell schal werden und einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen, und oft sogar zum Gegenteil, zum Überdruss, führen können. Ist man dann an dem Punkt angelangt, wo einen nichts Irdisches mehr in Freude versetzen kann, beginnt sich der spirituelle Weg zur intensiven Suche nach Gott zu wandeln.
Das ziemlich paradoxe Ergebnis dieses spirituellen Weges (der intensiven Suche nach Gott) ist dann, dass die irdischen Dinge WIEDER Freude machen, aber ganz anders, als erwartet. Also gilt es, weiterzugehen und das Maß der gegenwärtigen inneren Freude als Wegweiser zu nehmen, wann man (grundsätzlich) in die richtige Richtung geht. Dann führt sie von allein auf den Pfad zu Gott in und um uns herum, und zur sich ständig vertiefenden Qualität unseres Lebens.



Die Gebote und spirituellen Regeln


Man sollte meinen (und das tun viele Menschen!), dass die spirituellen Regeln und Gebote nun auch den letzten Rest von Freude aus dem Menschen verjagen, da er ja nun noch mehr reglementiert wird, als es die Welt ohnehin schon tut. Doch das Erstaunen derjenigen ist ziemlich groß, wenn sie stattdessen merken, dass zwar zunächst einiges deutlich komplizierter und anstrengender wird in ihrem Leben, die Freude aber gleichzeitig beständig zunimmt! Versteht man die spirituellen Gebote und Regeln nämlich als Schutz vor unliebsamen karmischen Rückwirkungen der Welt, erkennt man sie als wichtige Helfer, die dabei unterstützen wollen, die richtige Aussaat zu machen, damit man eine gute Ernte einfahren kann. Dann erlebt man sie als Lehrer, die wichtige kosmische Gesetze schützend erläutern, wie z.B.: „Du wirst ernten, was du säst“ oder „Du bekommst, was du gibst“. Aber auch: „Wer Disteln sät, kann keinen Weizen ernten!“



Läuterung und die „dunkle Nacht der Seele“


Auf dem spirituellen Weg gibt es zweifelsohne sehr dunkle Abschnitte, die man passieren oder durchschreiten muss. Im Volksmund wird dazu gesagt: „Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten“. Durch zunehmende Bewusstheit erkennt ein Mensch immer deutlicher seine Unzulänglichkeiten, Mängel, sein Unvermögen, Verdrängungen, Schuld und viele Fehler. Er stürzt in einen Abgrund seiner selbst, möchte sich aufgeben, verliert sein Selbstwertgefühl und seine bisher erfolgreichen Handlungsparameter. Der Tod des Egos geschieht, alles wird dunkel und die Freude, die man anfangs sehr stark zu Beginn des Weges gespürt hatte, scheint restlos und unwiederbringlich zu verschwinden. Dieser Zustand wird in der spirituellen Tradition „die dunkle Nacht der Seele“ genannt, löst Läuterung durch das geistige Feuer des inneren Gottes aus und führt zur Verwandlung des Menschen.
Ein weiser Ausspruch ist aber auch, dass es die „dunkle Nacht der Seele“ eigentlich gar nicht gibt, sondern dass es stattdessen „die dunkle Nacht des Egos“ heißen müsste. So wird auch immer wieder darauf hingewiesen, dass das Leid auf dem spirituellen Weg nur durch das Ego und seine Widersetzlichkeit entsteht, jedoch die Stärke von Freude und Liebe darauf hindeutet, wie nah man seinem inneren Gott (dem Höheren Selbst) ist.
So ist Läuterung also eigentlich ein Prozess, das Ego zu befreien von einengenden und beschränkenden Mustern, die wahre Freude verhindern oder ganz ausschließen (vielleicht, weil es sie noch gar nicht kennt!), damit die Freude des Höheren Selbstes es erfüllen, verwandeln und heiligen kann.
Wenn man das weiß, ist die „dunkle Nacht“ nicht mehr ganz so dunkel und man erhält daraus die Kraft, auch in schwierigen Phasen auf das zu schauen, weswegen man auch gleichzeitig dankbar sein sollte.



Aus Dankbarkeit erwächst Freude, Freude führt zu Liebe, und Liebe führt zu Gott


Dankbarkeit für all das Gute, was man hat und hatte, gerade wenn sie in Läuterungsphasen und kritischen Lebensabschnitten als Gegenmittel zu Leid oder destruktiven Strömungen herangezogen wird, ist ein Garant dafür, schnell in Ausgewogenheit zurückzufinden und die dunklen Prozesse so kurz wie möglich sein zu lassen. Dankbarkeit ist ein sicheres Mittel, den Weg zurück zu Gott und in die spirituelle Heimat zu finden; sie verleiht uns die Kraft, einen Sinn in unserem Leid zu erkennen und wichtige Lehren daraus zu ziehen. Und wenn die Dunkelheit zunächst wieder einmal gemeistert wurde, kommt „das Singen des Herzens“, belohnt uns für unser Mühen und lässt uns sicher wissen, dass trotz aller gelegentlich auftauchenden Dunkelheit unser Weg und unser Mühen richtig sind.
Und dann kommt einem immer mehr zu Bewusstsein, dass wir in einem Strahl stehen, der uns direkt mit unserem Schöpfer verbindet, jederzeit, und sowohl wir ihn erreichen können als auch er uns erreichen und durch uns wirken kann. Jederzeit. Wann immer er will.