Channeling, Medialität und Trancezustände

von Manuela Schindler ©  1999

  

Als ein Mensch mit medialer Begabung arbeite und forsche ich nunmehr seit 1991 intensiv auf diesem Gebiet. Die nachfolgenden Gedanken begründen sich vor allem auf die in dieser Zeit sowohl von mir selbst gemachten Erfahrungen, als auch auf die Erlebnisse von Klienten. 

 

Channeling - was ist das?  

 

Der Begriff "Channeling" ist ein Wort wie z.B. "Essen". Wenn ich sage, dass ich esse, so bedeutet das noch lange nicht, dass ich mich gesund ernähre oder meine Nahrung in förderlicher, aufbauender Art zu mir nehme. Ich esse eben. Mehr sagt dieses Wort nicht aus. Genauso ist es bei dem Wort "Channeling". Wenn ein Mensch sagt, dass er channeln kann, so bedeutet das noch lange nicht, dass alles, was dieser Mensch channelt, der Wahrheit entspricht, oder in anderer Hinsicht förderlich oder aufbauend  ist für ihn oder andere Menschen. Aber wie es in der Bibel so schön steht: “An ihren Früchten werdet Ihr sie erkennen!”  

 

Channeling bedeutet einfach, dass geistige Inhalte, Ideen, Vorstellungen in Wort und evtl. auch Tat in diese Welt eingebracht werden. Somit kann man geniale Wissenschaftler, wortgewandte Schriftsteller oder gute Maler ebenso Channels nennen wie talentierte Architekten mit Gefühl für die Umwelt. Genauso ist es mit liebevollen Menschen, die Trost und Liebe geben können und überall, wo sie gehen und stehen, (meistens) eine deutliche Verbesserung der Verhältnisse oder Gefühle erreichen. Jeder Mensch, der sich inspiriert fühlt und dieses auch gleich umsetzt, ist ein Channel. Wir können Phantasie channeln genauso wie das Ego oder höchste geistige Wahrheiten und Wesenheiten; das liegt bei dem Menschen, der channeln will.

 

Zusammengefasst bedeutet Channeling also lediglich, dass ein Mensch als Durchfluss für Inspirationen, Energien oder Ideen dient, im Guten wie im Bösen! Jedoch muss meines Erachtens der Begriff des Channeling deutlicher geprägt werden, denn die meisten Menschen denken heute sogleich bei diesem Wort an mediale Übermittlungen hoher (oder weniger hoher!) Geistwesen, die geheimes Wissen offenbaren oder einfach nur Ratschläge geben, wie man das Leben besser meistern kann. Das ist aber nicht immer automatisch so! Channeling bedeutet in letzter Instanz, dass jeder Mensch zum Kanal wird für die eigene innewohnende Göttlichkeit, zu den Händen und dem Mund des innewohnenden Gottes wird sozusagen, und nicht, ein Medium für fremde Wesen zu werden. Die Aufgabe des Channels ist nun also, sich aufmerksam und wachsam auf diesen Prozess einzulassen, genauso wie es wichtig ist, herauszufinden, warum man channeln will, d.h. welche Motive uns leiten und handeln lassen. Somit ist klar, dass wir nicht unbedingt nur zu irgendeinem Channel gehen müssen, um universelle Wahrheiten zu erfahren. Es kann auch genau das Gegenteil dabei herauskommen! 

 

Jeder Channel, jedes Medium wird im Laufe der Ausbildung mindestens einmal erfahren müssen, wie schnell man sich vertun kann bei der Auswahl der Quelle. Dieses gehört als wichtige Lernerfahrung zur Ausbildung und ist somit etwas ganz Normales. In der Regel merkt der Channel recht schnell, dass etwas nicht stimmt, und sei es nur durch "ein Gefühl". Und man sollte durchaus nicht unterschätzen, was für eine intensive Ausbildung jeder Channel durchlaufen muss; dass der wahre Durchbruch in "reale" geistige Welten durchaus eine Weile dauern kann, und auf jeden Fall die astralen Ebenen vorher gemeistert werden müssen.  

 

Einen Vorteil haben Menschen, die natürliche Medien sind, was meint, dass diese Menschen seit ihrer Geburt dieses mediale Talent mit auf diese Welt gebracht haben und unbewusst schon die ganze Zeit ihres Lebens anwenden. Diese Menschen haben durchaus gleich echten Kontakt zu geistigen Welten, nur gibt es dort eben sehr viele verschiedene Ebenen. Und was bei uns oftmals als geistige Ebenen gilt (eben einfach deshalb, weil sie für uns unsichtbar sind), ist aus höherer geistiger Sicht ebenfalls der physischen Welt zugeordnet.   Die astralen Ebenen sind eindeutig nicht geistig! Natürliche Medien haben meist als erstes die Aufgabe, sich von Besetzungen und anderen fremden Einflüssen zu befreien, um ihren Kanal frei und gangbar zu machen für wirklich göttlich/geistige Energien in immer höheren Frequenzen. Immer wieder ist das Risiko gegeben, einer niederen, astralen Ebene aufzusitzen und daran hängen zu bleiben, weil sich die Worte gut anhören oder man einfach nicht unterscheiden kann zwischen Liebe und Manipulation.  

 

Über all diesen Möglichkeiten (und es gibt noch viele andere Variationen) steht jedoch eines: das Göttliche mit seinen Gesetzen. Somit kann man das kosmische Gesetz "Gleiches zieht Gleiches an" auch dazu benutzen, um sich sicher zu fühlen (oder auch nicht), denn sind wir rein in unseren Motiven, werden wir die entsprechenden Geister oder Channels in unser Leben holen. Und noch ein Faktor darf keinesfalls übersehen werden: die wirklich hohen geistigen Welten sind gar nicht daran interessiert, uns durch andere Menschen wissen zu lassen, was wir tun oder lassen sollen!   

 

Das Hauptinteresse liegt hier eindeutig darin, die Menschen auf ihrem Weg dahingehend zu begleiten, dass sie selbst in die Lage versetzt werden, die ihnen innewohnende Göttlichkeit selbst zu erfahren, aus dieser Quelle der Weisheit und Kraft in ihnen selbst schöpfen zu können!! Das wird oft von wohlmeinenden Channels oder Medien übersehen!  

 

Somit ist klar: alle Arbeit liegt bei uns selbst, ist an uns selbst zu tun - nur so können wir Sicherheit finden. Indem wir das Vertrauen stärken darin, dass uns nur das begegnen kann, was uns dient und in irgendeiner Form weiterbringt, erreichen wir zunehmend eine Ebene, wo göttliche Wesen die Ermächtigung erhalten, uns beistehen zu dürfen. Dadurch bekommen wir - ob wir nun die Channels sind oder diejenigen, die zum Channeling gehen - eine grundlegende Sicherheit und Führung.   

 

Dann ist alles, was uns begegnet, sei es im Leben oder beim Channeling, gut und richtig, und sei es nur deshalb, weil wir Stärke und Unterscheidungsvermögen zu erwerben haben! Und dann ist es das auch, selbst wenn die Geschehnisse eindeutig negativ sind und uns eine wichtige Wahrheit und eine Lehre vermitteln wollen. Durch unser Vertrauen in unsere Führung - unsere innewohnende Göttlichkeit - ermöglichen wir es uns, harmonischer und freier zu wachsen, und ständig angstfreier und stärker werden zu können. 

 

Wenn dieses alles durchdacht und geprüft wurde, wenn wir uns Klarheit verschafft haben über uns selbst und unsere Motive, wenn wir die Verantwortung übernehmen bei allem, was uns geschieht - nun, dann werden wir wirklich erwachsen. Dann ist das Channeling (auch die mediale Übermittlung von Worten) eine erhebende Angelegenheit mit dem Ergebnis, dass unser Leben sich verwandelt und verzaubert wird, und die göttliche Gegenwart sich immer deutlicher in unserem Leben bemerkbar machen kann.   

  

 

 

Die Gefahren der Medialität  

 

Menschen, die mit einer angeborenen Medialität leben, haben oft eine große Schwierigkeit zu meistern: die Medialität umzuwandeln in Spiritualität! Oft werden gerade diese Menschen für besonders spirituell gehalten, was an sich gar nicht unbedingt so sein muss. Gerade Medialität ist eine Begabung, auf die man ganz gehörig aufpassen muss, damit sie sich nicht verselbständigt und der mediale Mensch in unhaltbare Zustände gerät.   

Es gibt so viele verschiedene Abstufungen allein der astralen Welten, dass es einen starken Willen und einen klaren Geist erfordert, mit medialen Kräften konstruktiv zu arbeiten und sie in spirituelle Sensitivität umzuwandeln. Wer als Mensch schwach und unklar ist, wird als Medium in der Regel nur manipuliert von Kräften der astralen Ebenen, die alles andere als angenehm sind. Viele Menschen in den psychiatrischen Kliniken sind einfach nur medial veranlagt und mit diesen Fähigkeiten nicht fertig geworden. 

 

Ein Meister, von dem ich sehr viel halte, hält die normale Medialität sogar für eine Krankheit des Geistes! In alten östlichen Weisheitslehren wird die Medialität - neben astraler Hellsichtigkeit - unter die Kategorie der “Siddhis” eingestuft, was bedeutet, dass sie eher als eine Randerscheinung auf dem Weg betrachtet wird, mit der allen Siddhis innewohnenden Macht, den Gottsucher so in den Bann zu schlagen, dass er seinen Weg vergisst und glaubt, er sei am Ziel. Und eines bitte ich noch zu bedenken:  Auch Schwarzmagier (und durchaus auch Menschen, die einfach nur Drogen und Alkohol in hohen Mengen konsumieren), erwerben durch ihre Praktiken mediale Kräfte und nehmen diese oft mit in die nächsten Leben, um sie zu erlösen und in höhere Fähigkeiten umzuwandeln! Und das bedeutet Arbeit und ist alles andere als ein Vergnügen! Ich möchte jetzt keinesfalls die Medialität grundsätzlich verteufeln, denn das würde bedeuten, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Medialität kann, wenn sie transformiert wurde in die höhere Form der spirituellen Sensitivität, eine zutiefst erbauliche und positive Sache sein. Jedoch wird sie immer nur eine Randerscheinung auf dem spirituellen Weg sein, die zunächst beherrscht und dann irgendwann zurückgelassen werden muss. 

 

Wie kann man nun konkret erkennen, dass man über mediale Fähigkeiten verfügt, die sich negativ verselbständigt haben, und wie kann man diese zu beherrschen lernen? Darauf möchte ich an dieser Stelle gern etwas ausführlicher eingehen.  Ungewollte Trancezustände zu erfahren und oft über einen längeren Zeitraum hinweg eine gewisse Leere (wie Tagträumen) zu spüren mit anschließendem massivem Energieverlust, deutet auf eine Medialität hin, die sich verselbständigt! Ich selbst habe diesen Zustand als absolute Gedankenleere (in negativer Form, mit einem gewissen Rauschempfinden) erfahren mit gleichzeitigem Zeitverlust. Lähmende Betäubung auch über den Rest des Tages hinweg mit zunehmender Müdigkeit, Lustlosigkeit bis hin zur zunehmenden Depression ergibt sich fast automatisch als nächste Steigerung.   

 

Nur zu oft beginnen diese Zustände, sofern man ihnen nicht rechtzeitig Einhalt gebietet, sich auf das alltägliche Leben auszudehnen; es wird immer schwieriger, klare Gedanken zu haben und die elementarsten Erledigungen zu bewältigen. Ein Mensch, der trotz Meditation an Dauermüdigkeit und einem wirkungs- und erfolglosen Leben leidet, ist ein Ergebnis dieser Trancezustände. Die schlimmste Möglichkeit, die sich ergeben kann, ist eine tiefe psychische Störung mit wahnhaften Zuständen, die unweigerlich in die Psychiatrie führen muss! Wer einige der genannten Zustände erlebt, sei gewarnt: Hier heißt es, zu kämpfen um sein Leben, um Freiheit von Manipulation und um die eigene Lebenskraft. Wer diese Zustände erlebt, hat den falschen Ansatz in der Meditation und begibt sich stattdessen in Trance, die ihn auf astrale (und ziemlich gefährliche) Wege führt.  

 

Wenn sich Menschen mit solcherart Symptomen an mich wenden, empfehle ich immer zunächst ein Einstellen der bisherigen Meditationspraktiken. Außerdem muss sich der Betroffene gegen die Tagtraumzustände wehren und sich darum bemühen, sein Bewusstsein auf konkrete Dinge zu richten, scharf nachzudenken, aufzuwachen. Tritt plötzlicher Energieverlust ein mit leichtem Schwindel oder Übelkeit (oder beidem), empfiehlt sich ein Ausdehnen des Bewusstseins im Körper und ein „Zurückatmen der Energien“.    

 

Mit Ausdehnen des Bewusstseins meine ich vor allem, dass wir unseren Körper energisch ausfüllen, uns ausdehnen bis über ihn hinaus und laut sagen: “Dies ist mein Körper und mein Leben! Ich lasse nicht zu, dass ich gegen meinen ausdrücklichen Willen aus meinem Leben herausgedrängt werde. Es kehre zurück zu mir, was mir gehört!” Vor allem gilt es, wach und bei sich selbst zu bleiben!  Auch muss die Besitzergreifung des eigenen Lebens im Alltag gelebt werden, und der zu diesen Zuständen neigende Mensch muss lernen, sich selbst zu leben, seine eigene Meinung zu haben, mutig ein eigenes Profil zu entwickeln, ungeachtet der Fehler, die man dann vielleicht machen wird. Und nicht zuletzt ist immer noch die größte Hilfe in akuten Situationen, sich praktischen Arbeiten zuzuwenden, wie z.B. Haushalt und ähnliches. 

 

  

Meditation und Einstimmung

  

Viele Menschen verwechseln Meditation schlichtweg mit Trance. Trance wurde in alten Zeiten dazu benutzt, Kontakte mit Geistern oder Naturkräften herzustellen, wie es z.B. die Schamanen oder Heiler  taten (und auch teilweise heute noch tun, obwohl inzwischen diese Art der Heilung etwas altmodisch und nicht mehr zeitgemäß ist, meiner Meinung nach). Diese Heiler jedoch wurden sehr intensiv ausgebildet und kannten vor allem auch die Gefahren, die sich aus diesen Zuständen heraus ergeben können und wussten, wie man Gegenmaßnahmen ergreift.   

 

Der Mensch von heute jedoch versetzt sich unwissend in Trance, geht sozusagen in einen halbbetäubten Zustand ein und hofft, so hohe Weisheiten aufnehmen zu können. Das wird keinesfalls funktionieren, denn Trance führt immer und ausschließlich in astrale Ebenen hinein, und zwar in die untersten. Wirkliche Meditation ist ein Zustand allerhöchster Wachheit! Die positive Gedankenstille ist ein Zustand des geborgenen Friedens, der sich als sehr wohltuend und kräftigend erweist! Der Geist richtet sich fragend nach innen und beobachtet wach und verständig, welcherart Impressionen, Inspirationen oder ähnliche Anstöße sich bilden.   Das Ausarbeiten und Ausleben dieser Impressionen im Alltag ist dann die Aufgabe des Menschen, ebenso die Meisterung seines Lebens. Bei einer medialen Meditation kann es zu inneren Gesprächen kommen, doch sollte man diese nie höher bewerten als äußere Gespräche mit anderen Menschen, denn gerade auch hier kann man sehr weise und wissende “Meister des Augenblicks” treffen, die sich nicht als solche bezeichnen würden.  

 

Die innewohnende Gottheit kontaktet den Menschen durchaus innerhalb der eigenen Gedankensphäre. Daher wird immer wieder von östlichen Meistern geraten, als westlicher Mensch Meditation in der Alltagsarbeit zum Ausdruck zu bringen. Während des Tuns innerlich ruhig zu werden, die Gefühle zu beruhigen, sich seiner Gedanken ständig bewusst zu sein, und vor allem die emotionale Ruhe aufrechtzuerhalten, ist bereits Meditation. Wer diesen Zustand in seinem Leben mehr und mehr aufrechterhält, erfährt deutlich, wie die Gottheit durch ihn hindurchgreifen kann und in das Leben hineinspielt. Der Gott im Inneren nimmt auch gern die Position des Fragenden an und befragt uns nach den Gründen gewisser Handlungen. Sozusagen als die “Stimme des Gewissens”. So werden wir zum Nachdenken angeregt und zur Bewusstwerdung geführt.   Somit ist also klar, dass nur ein ständiges Wachsein, ein inneres Beobachten aller Vorgänge in und um uns herum einen Schutz bieten kann vor unerwünschten astralen Einflüssen, die uns sonst unsere Lebenskraft und unsere Klarheit rauben. Gerade die astralen Ebenen sind bekannt als die Ebenen der Täuschung und Verblendung. Aus diesem Grund sollte man als medial begabter Mensch all seine Alltagszustände genauestens überwachen und mit seinem angeborenen gesunden Menschenverstand beurteilen.   

   

 

Menschen, die Energiearbeit praktizieren, sollten ebenfalls auf diese Zeichen achten, denn die Gefahr des Abgleitens in astrale Ebenen ist sehr groß. Wohl arbeitet manch ein  Energiearbeiter ganz bewusst zusätzlich mit medialen Fähigkeiten und astralen Kräften bei der allgemeinen Energiearbeit, doch derjenige weiß in der Regel um die Gefahren und um die Maßnahmen, die bei gewissen Symptomen zu ergreifen sind.   

Wer dies sorgfältig beachtet und sich selbst in jeder Situation wach und im positiven Sinne selbstkritisch beobachtet, kann seine Medialität - soweit vorhanden - ungefährdet und konstruktiv zum Wohle vieler einsetzen, und gleichzeitig ein erfülltes Leben führen in Freude und Sinnhaftigkeit.   

 

Manuela Schindler, 1999