Der geistige Weg als Kampfplatz

 

Motto für Mai 2019 (Das jeweilige Motto des Monats wird normalerweise nur für Mitglieder und Förderer zur gezielten Schulung im Forum bekanntgegeben):

 

"Ich umarme die Widrigkeiten des Lebens und erkenne sie als Chance, mich selbst zu schulen und die höchsten Eigenschaften meines Seelenwesens in mir freizusetzen!"

 

Das Motto des Monats Mai 2019 beinhaltet dieses Mal zur Erläuterung ein längeres Zitat aus dem Buch "Der geistliche Kampf" von Lorenzo Scupoli. 

Ein sehr wertvolles Buch, welches entgegen der herkömmlichen zeitgenössischen esoterisch/spirituellen Lehren darauf verweist, dass der spirituelle Weg ein Kampfplatz - gerade am Anfang des Weges - ist, und dass das, was dem Ego nicht gefällt, die Seele glücklich macht und befreit für ein höheres Leben.

Auch Johannes Tauler wies bereits darauf hin, dass nur in der Begegnung mit den Widrigkeiten die Tugend erworben werden kann, weshalb hier ein Gleichklang in den Aussagen zu finden ist. Auch eigene Erfahrungen bestätigen das, weshalb dieses Motto gewählt wurde.

Tugend ist übrigens mit der herkömmlichen Definition von Tugendhaftigkeit nicht unbedingt gleichzusetzen, denn sie beinhaltet in Wahrheit Eigenschaften wie Gelassenheit inmitten der Hektik, Ruhe inmitten der vielfältigen Störungen, und mehr. Sie vereinigt die besten Eigenschaften, die man sich bei einem Menschen vorstellen kann unter diesem einen Begriff.

 

Zitat - 36. Kapitel:

Unter allen zur Erwerbung der Tugenden so wichtigen und notwendigen Dingen ist besonders das, dass wir, um zu dem Ziele zu gelangen, welches wir uns vorsetzen, immer vorwärtsschreiten müssen, da wir sonst durch das bloße Stehenbleiben rückwärts gehen. Denn lassen wir einmal von den tugendhaften Handlungen ab, so folgt mit Notwendigkeit daraus, dass durch die heftige Neigung des sinnlichen Verlangens und der übrigen Dinge, welche uns äußerlich anregen, in uns viele unordentliche Leidenschaften erzeugt werden, welche die Tugenden zerstören oder wenigstens vermindern, abgesehen davon, dass wir vieler Gnaden und Gaben beraubt werden, die wir, wenn wir fortgeschritten wären, vom Herrn hätten erlangen können.

Daher ist die geistliche Reife von der des Wanderers auf Erden verschieden; denn hier verliert man nicht wie dort durch Stehenbleiben etwas von dem schon zurückgelegten Wege. Und außerdem vermehrt sich die Müdigkeit des Pilgers der Welt durch die Fortsetzung der körperlichen Bewegung, während man auf dem Weg des Geistes desto mehr Kraft und Munterkeit erlangt, je weiter man vorwärtsgeht.

Denn durch die tugendhafte Übung wird der untere Teil (Ego - Anmerkung Phoenix), der durch seine Widersetzlichkeit den Pfad rau und ermüdend machte, immer schwächer, und der obere Teil (Seele - Anmerkung Phoenix), der Sitz der Tugend immer ausharrender und stärker.

Daher vermindert sich beim Fortschreiten im Guten jede Pein, die man dabei fühlt, und eine gewisse innere Freude, die sich durch die göttliche Mitwirkung selbst mit der Pein vermischt, wird in jeder Stunde größer. Auf diese Weise schreitet man mit immer mehr Leichtigkeit und Fröhlichkeit von Tugend zu Tugend fort und gelangt endlich auf den Gipfel des Berges, wo die Seele, vollkommen geworden, dann ohne Abneigung, ja mit Lust und Jubel wirkt, weil sie bereits die ungeregelten Leidenschaften besiegt und unterworfen hat und, über allem Erschaffenen und sich selbst stehend, selig im Herzen des Höchsten lebt und hier, gelassen arbeitend, der Ruhe genießt.

Zitat Ende.

 

 

 

 

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